https://www.faz.net/-gqe-ojty

F.A.Z.-Konjunkturanalyse : Freude über Aufschwung überwiegt Euro-Sorgen

Bild: F.A.Z.

Die Mehrheit der Ökonomen rechnet für den Euro-Raum im Jahr 2004 mit einem deutlichen Plus des realen Bruttoinlandsprodukts. Die Prognosen liegen zwischen 1,5 und gut 2 Prozent Zuwachs.

          4 Min.

          Die aktuellen Konjunkturaussichten für den Euro-Raum unterscheiden sich nicht grundlegend von jenen für Deutschland, die größte Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebiets. Die Mehrheit der Ökonomen rechnet nach drei Jahren mit sehr schwachem Wachstum für das Jahr 2004 erstmals mit einem deutlichen Plus des realen Bruttoinlandsprodukts. Die Prognosen liegen zwischen 1,5 und gut 2 Prozent Zuwachs.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Wie für Deutschland gilt auch für den gesamten Euro-Raum: Die Hoffnungen auf eine deutliche Belebung gründen fast ausschließlich auf der Erwartung der Exportwirtschaft, vom kräftigen Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren zu können. Die Binnennachfrage dürfte frühestens in der zweiten Jahreshälfte anspringen. Zugleich erscheint der Export derzeit mit den stärksten Risiken behaftet: Der steigende Euro-Kurs nährt die Sorge, die Erholung könne wechselkursbedingt schon abgewürgt werden, bevor sie in einen sich selbst tragenden Aufschwung münde.

          Produktionssteigerung in den großen Industrieländern

          Abgesehen von diesen Sorgen, sind die Rahmenbedingungen für die Euro-Konjunktur aber so günstig wie schon lange nicht mehr. Im zweiten Halbjahr 2003 ist die Weltwirtschaft kräftig gewachsen. Die großen Industrieländer erlebten insgesamt einen deutlichen Produktionsanstieg. Die Wachstumsrate in den G-7-Staaten betrug im dritten Quartal - auf das Jahr hochgerechnet - rund 5 Prozent. Freilich geht dieses deutliche Plus in erster Linie auf das Konto der Vereinigten Staaten und Japans. Der Euro-Raum blieb mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent (wiederum auf das Gesamtjahr hochgerechnet) der konjunkturelle Nachzügler. Nachdem die Euro-Wirtschaft aber im Quartal davor noch geschrumpft war, zeugt dieses Wachstum doch von einer Trendwende. Impulsgeber für diese Entwicklung war eindeutig die Weltwirtschaft.

          Die globalen Konjunkturaussichten bleiben selbst dann gut, wenn die amerikanische Wirtschaft nicht in dem rasanten Tempo des zweiten Halbjahres 2003 weiterwachsen wird. Die weltpolitischen Risiken sind geringer geworden; der Ölpreis bewegt sich zwar derzeit auf einem relativ hohen Niveau, dürfte dieses Niveau aber mittelfristig kaum halten. Positiv wirkt außerdem die deutliche Erholung der Finanzmärkte. Sie signalisieren, daß die Unternehmen auf der ganzen Welt die Folgen der geplatzten Börsenblase langsam überwunden haben.

          Impulse von der expansiven Geldpolitik

          Im Euro-Raum kommen zudem Impulse von der derzeit sehr expansiven Geldpolitik. Bislang hat sich das indes noch nicht in einer deutlichen Zunahme der Investitionen niedergeschlagen. Das kann insofern nicht überraschen, als die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung bis zur Jahresmitte 2003 zurückging und auch im dritten Quartal noch auf niedrigem Niveau lag.

          Die konjunkturellen Frühindikatoren für den Euro-Raum sind weitgehend positiv. Der für diese Zeitung berechnete DZ-Bank-Euro-Indikator ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Die Stimmung in der Industrie, gemessen am von der Europäischen Kommission ermittelten Industrievertrauen, hat sich in diesem Zeitraum ebenfalls deutlich verbessert, nachdem sie zuvor auf niedrigem Niveau stagniert hatte. Die jüngsten realwirtschaftlichen Indikatoren deuten darauf hin, daß diese Stimmungsverbesserung gerechtfertigt ist. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe ist im Oktober um 1,1 Prozent gestiegen, und die von der europäischen Statistikbehörde Eurostat am Montag veröffentlichten Daten zum Auftragseingang sind ebenfalls positiv. Die Unternehmen des auftragsorientierten Verarbeitenden Gewerbes erhielten 1,6 Prozent mehr Aufträge als im Vormonat. Das ist das zweite deutliche Plus hintereinander.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.