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F.A.Z.-Indikator : Der Aufschwung steht vor einer Pause

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die deutsche Konjunktur dürfte bald eine Pause im Aufschwung einlegen. Darauf deutet der F.A.Z.-Konjunkturindikator hin, der seit August fast unverändert ist. Im November stieg die Industrieproduktion und die Ausfuhr war kräftig.

          Die deutsche Konjunktur dürfte nach der Jahreswende eine Pause im Aufschwung einlegen. Darauf deutet der F.A.Z.-Konjunkturindikator hin, der im November mit 113,3 Punkten minimal unter dem Wert des Vormonats lag und seit August nahezu unverändert ist. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der Indikator, der vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel für diese Zeitung berechnet wird, 4,7 Prozent höher, nach zuvor 5,7 Prozent.

          "Die Entwicklung spricht für eine Pause im Aufschwung zum Jahresbeginn, nach dem stürmischen Tempo zuvor", sagte Joachim Scheide, der Konjunkturchef des IfW. Wann und ob die Wirtschaft wieder die Kurve nach oben bekomme, lasse sich aus dem Indikator noch nicht ablesen.

          Produktion steigt im November kräftig

          Das Bundeswirtschaftsministerium berichtete am Dienstag von einer guten Entwicklung der Produktion im November. Auch der Außenhandel entwickelte sich nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts abermals kräftig. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg nach den vorläufigen Angaben im November um 1,8 Prozent gegenüber Oktober, in dem sie nach zugleich revidierten Daten weniger stark gefallen war als zuvor bekannt. Mit einem Plus von 6,2 Prozent stieg die Produktion im Bauhauptgewerbe im November besonders kräftig. Volkswirte von Geschäftsbanken begründen dies mit Vorzieheffekten vor der Mehrwertsteuererhöhung, aber auch mit dem besonders milden Wetter, das durch die übliche Saisonbereinigung der Daten nicht erfasst wird. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Produktion um 1,4 Prozent, angestoßen vor allem durch ein starkes Plus der Produktion von Investitionsgütern von 2,6 Prozent.

          Ausfuhr fast wieder auf Rekordhoch

          Die deutschen Unternehmen führten nach den vorläufigen Angaben im November Waren im Wert von 85,2 Milliarden Euro aus. Damit erreichten die Exporteure in der saisonbereinigten Rechnung fast wieder das Rekordergebnis vom Oktober. Die Einfuhr lag mit 61,17 Milliarden Euro deutlich niedriger als zuvor. Bankvolkswirte erwarten nun, dass der Außenhandel in der Differenz von Aus- und Einfuhr im Jahresschlussquartal das Wirtschaftswachstum stark gestützt hat. Die Ökonomen sehen hier aber in den kommenden Monaten eine gewisse Abschwächung, weil die Weltwirtschaft sich abkühle.

          Die zuletzt flache Entwicklung des F.A.Z.-Indikators gründet vor allem im Auftragseingang in der Industrie, der sich seit August verhalten entwickelt. Positiv wirkten im November das verbesserte Geschäftsklima und die höheren Aktienkurse auf den Indikator. Negativ wirkte die Differenz zwischen den lang- und den kurzfristigen Zinsen, die sich abermals verringerte. Der sehr gute Produktionszuwachs im November deute auf ein gutes viertes Quartal hin, sagte Scheide. Danach sollte es vorerst ruhiger laufen.

          Bankvolkswirte teilen dieses Bild. Sie verweisen darauf, dass sich die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe trotz der guten Novemberzahlen im Trend abgeschwächt habe. Im Vergleich Oktober/November zu August/September sank die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 0,3 Prozent und im Verarbeitenden Gewerbe um 0,2 Prozent. Nur die Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten ein Plus von 0,6 Prozent. Elga Bartsch von Morgan Stanley wertete den Produktionsrückgang von Vorprodukten und Konsumgütern als Vorboten einer wegen der Mehrwertsteuererhöhung nachlassenden inländischen Nachfrage. Dagegen befand das Bundeswirtschaftsministerium, das Produzierende Gewerbe habe die zwischenzeitliche Abschwächung überwunden.

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