https://www.faz.net/-gqe-tmbp

Existenzgründungen : Weniger Menschen wagen die Selbständigkeit

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach dem Hoch durch die Ich-AGs gehen vor allem die Gründungen Arbeitsloser zurück, denn es ist nicht mehr so leicht, an staatliche Existenzförderprogramme heranzukommen, hat die KfW-Bank ermittelt.

          2 Min.

          Die Gründungen von Unternehmen in Deutschland gehen weiter zurück. Nach dem durch die Ich-AGs ausgelösten Hoch in den vorangegangenen Jahren machen sich die seit der Jahreswende 2004/2005 verschärften Zugangsbedingungen zu Existenzförderprogrammen der Bundesagentur für Arbeit bemerkbar. Im Jahr 2005 haben nach Berechnungen der staatseigenen Förderbank KfW 1,39 Millionen Menschen eine selbständige Tätigkeit begonnen, 620.000 im Vollerwerb und 770.000 im Nebenerwerb. Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 2004 einen Rückgang um 40.000.

          Auch für das Jahr 2006 sieht die KfW eine Fortsetzung dieser Tendenz, weil immer weniger Befragte angegeben haben, sie wollten innerhalb der kommenden Monate ein Unternehmen gründen. Ob der in den vergangenen Monaten eingesetzte Stimmungsaufschwung in der Wirtschaft die Gründungsneigung wieder verstärkt hat, darüber sagt die Ergebung nichts aus - die erhobenen Daten reichen noch nicht soweit. Grob geschätzt, enthalten die im Jahr 2005 neu gegründeten Unternehmen eine Million vollzeitäquivalente Arbeitsplätze. Genau sagen kann die KfW dies allerdings nicht, weil Verdrängungseffekte nicht untersucht werden konnten, und weil nur 50 Prozent der Gründungen die ersten 5 bis 7 Jahre überstehen.

          Rückgang der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit

          Auffällig sei der Rückgang der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt. Im Jahr 2005 habe deren Anzahl (Vollerwerbsgründer) um etwa 160000 abgenommen. Der Zugang zu Fördermitteln der Bundesagentur für Arbeit sei erschwert worden. Die Bundesagentur verlange inzwischen eine "Tragfähigkeitsbescheinigung", welche die Sinnhaftigkeit eines Gründungsvorhabens durch einen Dritten bestätigen solle. Zudem sei seit 2005 durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe der Kreis der Zugangsberechtigten weiter verkeinert worden.

          Beklagen wollte Irsch dies freilich nicht, habe die weitgehend prüfungslose Vergabe der Mittel zur Ich-AG doch auch zu erheblichen Verwerfungen geführt. Gleichwohl will die KfW dem Gründungsgeschehen in Deutschland neuen Schwung verleihen. Obgleich der Zugang zu Kapital offenbar eine niedrigere Hürde für Gründungswillige darstellt als etwa die eigene Risikobereitschaft, will die KfW eine Kreditaufnahme erleichtern. "Wir wollen verhindern, daß Gründungen wegen Kapitalmangels später, kleiner oder gar nicht erfolgen", sagte Irsch. Die KfW senkt also die Zinssätze für ihre Programme "Mikrodarlehen" und "Startgeld", mit denen Gründer mit einem Finanzbedarf bis 25.000 beziehungsweise 50.000 Euro gefördert werden sollen. Der Zinssatz für das Mikrodarlehen sinkt vom 1.Januar 2007 an von nominal 9,3 auf 6,3 Prozent, der des Startgelds von 7,85 auf 5,4 Prozent. Die KfW glaubt, damit die Mehrzahl der potentiellen Gründer zu erreichen. "86 Prozent des Gründungsgeschehens spielt sich in einem Finanzierungsbereich bis 25000 Euro ab", sagte Irsch.

          Daß Neugründungen für die Volkswirtschaft von großer Bedeutung seien, daran bestehe kein Zweifel. Besonders interessant seien hier wegen ihrer erwarteten Wachstums- und Beschäftigungseffekte die innovativen Gründungen. Sie machten im Jahr 2005 gut 10 Prozent der Gründungsprojekte aus. Die meisten Gründer (32 Prozent) sind beim Start in die Selbständigkeit zwischen 32 und 44 Jahre alt.

          Weitere Themen

          Der Visionär verdient endlich Geld

          Sebastian Thrun : Der Visionär verdient endlich Geld

          Sebastian Thrun ist Pionier des selbstfahrenden Autos und Gründer mehrerer Unternehmen. Jetzt verdient sein Start-up endlich Geld – aber anders, als er dachte.

          Viel Lärm um Tesla Video-Seite öffnen

          Protest in Grünheide : Viel Lärm um Tesla

          Der Autobauer und das Land Brandenburg haben sich auf den Kauf der Landfläche geeinigt, auf der der Konzern seine Fabrik für Elektroautos errichten will. Ein Gutachten soll nun den Kaufpreis ermitteln. Gegner des Vorhabens fordern mehr Transparenz und fürchten Umweltschäden.

          Attacke auf Angestellte

          FAZ Plus Artikel: Der Steuertipp : Attacke auf Angestellte

          Eine Änderung des Steuergesetzes könnte dazu führen, dass Leistungen wie ein Jobticket, ein überlassenes E-Bike oder Zuschüsse für die Kinderbetreuung bald voll zu versteuern sind.

          Topmeldungen

          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.