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Deutsche Konjunktur : Umsatzeinbruch im Einzelhandel

  • Aktualisiert am

Unerwartet hoher Einbruch im Einzelhandel: Für den November und Weihnachten sind die Marktforscher aber wieder optimistischer. Bild: dpa

Die deutschen Einzelhändler haben im September den größten Umsatzeinbruch seit sieben Jahren verzeichnet. Insgesamt ist das laufende Jahr aber gar nicht schlecht - bisher.

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          Der Umsatz im deutschen Einzelhandel ist im September so stark eingebrochen wie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. Er fiel um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Preisbereinigt (real) fiel das Minus mit 3,2 Prozent sogar noch etwas größer aus. Zuvor befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang von einem Prozent erwartet, nachdem es im August noch zu einem Wachstum von 1,5 Prozent gereicht hatte.

          Besser sieht das Ergebnis im Vergleich zum September 2013 aus. Hier zogen die Umsätze um 2,9 und real um 2,3 Prozent an. Allerdings zählte der September diesmal einen Verkaufstag mehr. Besonders gut liefen die Geschäfte in Apotheken und mit pharmazeutischen, kosmetischen und medizinischen Produkten, die um 8,2 Prozent wuchsen. Supermärkte und Warenhäuser kamen auf ein Plus von 5,4 Prozent. Der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren brach dagegen um 5,7 Prozent zum Vorjahresmonat ein.

          Nicht schlecht im Jahresvergleich

          „Mit einer Gegenbewegung nach unten war nach dem starken August zu rechnen, aber nicht mit einem solchen Einbruch“, kommentierte Holger Sandte, Ökonom der Nordea Bank: „Das ist einfach schlecht, weil damit eine Rezession in Deutschland wahrscheinlicher wird.“

          Christian Schulz von der Berenberg Bank äußerte sich optimistischer: „Die Einzelhandelsdaten schwanken oft sehr - in diesem  Sommer besonders stark wegen der späten Lage der Ferien. Dazu kommt ein milder Herbstbeginn.“ Der Konsum stehe hierzulande auf „sehr gesunden Füßen“: „Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Beschäftigung sehr hoch, die Löhne steigen stark, die Inflation ist niedrig.“ Der Konsum bleibt seiner Ansicht nach eine Stütze der deutschen Konjunktur.

          Auch nimmt sich der gesamte Vergleich gegenüber dem Vorjahr bislang überhaupt nicht dramatisch aus. Von Januar bis September 2014 nahm der deutsche Einzelhandel 1,8 Prozent mehr ein als in derselben Zeit des Vorjahres. Der Branchenverband HDE erwartet im Gesamtjahr ein Plus von rund 1,5 Prozent. Und für den November zeigt das von den Marktforschern der GfK ermittelte Barometer wieder nach oben.

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