https://www.faz.net/-gqe-vyby

Jobbilanz 2007 : Eine Million neue Arbeitsplätze

Bild: F.A.Z.

Der Stellenaufbau hat sich 2007 fortgesetzt. Schon lange waren die Arbeitslosenzahlen nicht mehr so niedrig wie in diesem Jahr. Auch für das kommende Jahr planen viele Unternehmen Neueinstellungen, trotz schlechter Wachstumsaussichten. Doch häufig fehlt geeignetes Personal.

          2 Min.

          Das kräftige Wirtschaftswachstum in Deutschland hat dazu geführt, dass im laufenden Jahr viele neue Arbeitsplätze entstanden sind. Innerhalb der ersten neun Monate stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund eine Million auf 27,5 Millionen. Das war der höchste Wert seit mehr als vier Jahren.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik stieg zudem im September die Zahl aller Erwerbstätigen über die Marke von 40 Millionen. Zu den Erwerbstätigen zählen neben den Beschäftigten auch Selbständige, Beamte, Soldaten, Zivildienstleistende und Minijobber. Gleichzeitig sank die Zahl der registrierten Arbeitslosen zwischen Januar und November um fast 900.000 auf 3,4 Millionen. Im Jahresdurchschnitt gab es 630.000 offene Stellen, das waren fast 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

          „Es geht weiter, wenn auch etwas langsamer“

          Obwohl die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Erwartungen an die Konjunktur für das kommende Jahr zuletzt deutlich gesenkt haben, gehen Arbeitsmarktökonomen von einem weiteren Beschäftigungsaufbau aus. „Es geht weiter, wenn auch etwas langsamer“, sagte Wolfgang Franz, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der F.A.Z.

          Im Bereich Maschinenbau wurden besonders viele Jobs geschaffen
          Im Bereich Maschinenbau wurden besonders viele Jobs geschaffen : Bild: AP

          Dass die meisten Institute von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1,5 und 1,9 Prozent ausgehen und damit unterhalb der sogenannten „Beschäftigungsschwelle“ von 2,0 Prozent bleiben, dürfe man nicht überbewerten. „Da kommt es auf ein paar Zehntel nicht an“, sagte Franz. Entscheidend sei, dass die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt sind. Wichtig für die Entwicklung am Arbeitsmarkt werde auch sein, ob die Euro-Aufwertung anhält und wie sich der Finanzmarkt entwickelt. Auch zu hohe Tarifabschlüsse könnten das Entstehen neuer Jobs verhindern.

          Nahezu alle Branchen in allen Bundesländern

          Der Beschäftigungsaufbau im laufenden Jahr fand in allen Bundesländern statt und erfasste nahezu alle Branchen. Einen großen Anteil hatte das Verarbeitende Gewerbe, insbesondere die Bereiche Maschinenbau und Herstellung von Metallerzeugnissen. Jeder zehnte neue sozialversicherungspflichtige Job entstand allein in der Metall- und Elektroindustrie. Dort haben die Unternehmen im ersten Dreivierteljahr mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit lag die Zahl der Beschäftigten Ende September um 3,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Branche profitierte dabei von einem außerordentlich hohen Wachstum von mehr als 8 Prozent. Auch wenn Experten für das kommende Jahr mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur rechnen, geht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall davon aus, dass die Unternehmen ihr Personal in den kommenden Monaten weiter aufstocken werden. Die Auftragsbücher seien vielerorts voll. Allerdings mache der akute Fachkräftemangel die Stellenbesetzung zunehmend schwierig.

          Nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer konnten 10.000 Stellen nicht besetzt werden, weil geeignetes Personal nicht zur Verfügung stand. Trotzdem schuf die exportorientierte Branche bis zum Jahresende 50.000 neue Stellen (siehe dazu auch: Maschinenbau schafft 50.000 Arbeitsplätze ). Dazu wurde der Anteil der Zeitarbeiter um 0,5 Prozent auf 46.000 erhöht.

          Mangel an geeigneten Bewerbern in der Zeitarbeitsbranche

          Ohnehin hat die Zeitarbeit ihren Teil zur Belebung am Arbeitsmarkt beigetragen. Allerdings sinkt ihr Anteil an den neu geschaffenen Stellen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) kamen zu Beginn des Aufschwungs noch drei von vier neuen Arbeitsplätzen aus dem Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung. Mittlerweile ist es nur noch eine von vier. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Bundesverbandes Zeitarbeit und Personaldienstleistungen (BZA) stieg die Zahl der Zeitarbeitnehmer innerhalb eines Jahres um 110.000 auf 670.000 zum Ende des dritten Quartals.

          Einer Umfrage zufolge will knapp die Hälfte der Zeitarbeitsunternehmen im kommenden Jahr zusätzliches Personal einstellen. Allerdings werde auch in dieser Branche der Mangel an geeigneten Bewerbern zum Problem, schreiben IW und BZA. Deshalb falle das Wachstum in den wirtschaftsstarken Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen schwächer aus als im Bundesdurchschnitt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Champions League gegen Super League: Wer hat die Hand am Ball?

          Gründung einer Super League : Zerreißprobe für den Fußball

          Der identitätsstiftende Verlust für den Fußball ist kaum zu ermessen. Sein globales Publikum wird eine Super League gleichwohl finden. Und ihre Ausdehnung muss nicht an den Grenzen Europas stoppen.

          K-Frage der Union : Der entspannte Herr Söder

          In einem Auftritt vor der Presse gibt sich CSU-Chef Markus Söder auffallend konziliant und bekundet „Respekt vor allen Gremien“ der CDU. Sieht so jemand aus, der fürchten müsste, dass sich die Schwesterpartei am Abend gegen ihn ausspricht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.