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Devisen : Der Euro verliert im Wochenverlauf

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Aufwertung des Euro hat vorerst ein Ende gefunden. Die Kommentare von Notenbankern zeigen Wirkung.

          2 Min.

          Die rasante Aufwertung des Euro hat diese Woche vorerst ein Ende gefunden. Zum ersten Mal seit Anfang November hat der Euro im Wochenverlauf gegenüber dem Dollar Wert verloren. Ein wichtiger Faktor war, daß führende europäische Notenbanker den Euro heruntergeredet haben.

          Zum Wochenschluß sagte Otmar Issing, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), in Mannheim, die Bank ignoriere die aktuelle Wechselkursentwicklung nicht. "Wir sind besorgt über die großen Ausschläge", sagte Issing laut Agenturberichten. Damit griff er die Formulierung auf, die EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zu Wochenbeginn gewählt hatte. Der belgische Notenbankgouverneur Guy Quaden, der dem EZB-Rat angehört, sagte am Freitag, ein weiterer Anstieg des Euro-Kurses sei "nicht wünschenswert". Der Euro wurde am Nachmittag mit knapp 1,25 Dollar gehandelt. Nach Daten über eine Fortdauer des hohen Kapitalzufluß in die Vereinigten Staaten rutschte der Euro auf rund 1,24 Dollar ab. Am Montag hatte er noch ein Rekordhoch von 1,2898 Dollar erreicht.

          Verbale Interventionen könnten nicht ausreichen

          Bankvolkswirte sind nicht überzeugt, daß verbale Interventionen der Notenbanker ausreichen, um eine weitere Aufwertung des Euro zu verhindern. Bislang nährten die Äußerungen der Notenbanker die Erwartung, daß die EZB einer schnellen Euro-Aufwertung nicht unbegrenzt zusehen werde. Irgendwann aber komme der Punkt, heißt es, an dem die EZB mit einer Zinssenkung oder mit Dollarkäufen Aktion zeigen müsse. Der amerikanischen Seite unterstellen Analysten, daß diese angesichts des Wahljahres 2004 Interesse an einem schwachen Dollar hat, um den Export zu stärken. Der Euro hat seit Anfang November in Dollar gerechnet rund 9 Prozent an Wert gewonnen. Gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner hat er um knapp 5 Prozent aufgewertet. Die Sorge geht um, daß der Anstieg den Wirtschaftsaufschwung im Euro-Raum erstickt.

          Entlastung der Verbraucher über günstigere Energiepreise

          Issing hob als positive Wirkung des hohen Euro hervor, daß die Verbraucher über günstigere Energiepreise entlastet würden. Es brauche jedoch einige Zeit, bis sich der höhere Wechselkurs dämpfend auf das Preisniveau niederschlage. Der aufwertende Euro verringere zwar die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft. Dieser Effekt werde aber durch die stärkere Erholung der Weltwirtschaft kompensiert. "Nach drei Quartalen Stagnation haben wir schon im dritten Quartal einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung gesehen. Dieser hat sich im vierten Quartal fortgesetzt, vielleicht sogar etwas stärker", sagte Issing zur europäischen Konjunktur. Im dritten Quartal war die Wirtschaft im Euro-Raum um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Auf ein Jahr gerechnet entspricht das einer Rate von 1,6 Prozent.

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