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Deutschland in „schwierigem Fahrwasser“ : Ifo-Index rutscht überraschend stark ab

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Volkswirte hatten erwartet, dass der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der Wirtschaft im August sinken würde. Nun ist er noch stärker in den Keller gegangen als die meisten vorhergesagt hatten. Das Ifo-Institut prognostiziert zwar keine „echte Rezession“, hält aber eine technische Rezession für möglich.

          Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August abermals deutlich eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei von 97,5 Punkten im Vormonat auf 94,8 Punkte gesunken, teilte das Ifo Institut am Dienstag in München mit. Das war der dritte Rückgang in Folge. Volkswirte hatten mit einem wesentlich moderateren Absinken auf 97,2 Punkte gerechnet.

          „Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Bis auf den Großhandel habe sich das Geschäftsklima in allen anderen Bereichen abgekühlt.

          Keine „echte Rezession“

          Das Ifo-Institut befürchtet aber trotz des unerwartet starken Rückgangs keine „echte Rezession“ in den kommenden Monaten. „Auf eine echte, tiefe Rezession deuten die Zahlen nicht hin, dafür ist einfach die Lageeinschätzung der Unternehmen gerade im Verarbeitenden Gewerbe noch viel zu gut,“ sagte Ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen.

          Unsichere Zeiten: Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts erhält momentan besondere Aufmerksamkeit

          Laut Carstensen könnte es jedoch im zweiten und dritten Quartal einen Rückgang geben. Viele Volkswirte definieren eine Schrumpfung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen als technische Rezession. Eine solche technische Rezession ist demnach im Bereich des Möglichen.

          „Das Minus im zweiten Quartal gehört mit dem enormen Plus im ersten zusammen“, betonte der Fachmann aber. „Wir intern sagen, man muss die ersten beiden zusammennehmen, dann entsteht da kein Minus.“ Es bestehe eine Wahrscheinlichkeit von vielleicht rund einem Drittel, dass es auch im dritten Quartal zu einer Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes komme. „Alle unsere Modelle sagen, wenn überhaupt, dann nur ganz leicht unter Null, vielleicht minus 0,1 Prozent oder minus 0,2 Prozent“, erklärte Carstensen. „Insofern ist das zusammengenommen nicht dramatisch.“

          Manager pessimistisch für die kommenden sechs Monate

          Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die für das Ifo-Geschäftsklima befragten Manager pessimistischer ein. Der entsprechende Teilindex sank von 89,9 Zählern auf 87,0 Punkte. Der Index für die Lage fiel auf 103,2 Punkte von 105,6 Zählern. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe beurteilten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Entwicklungen für die nächsten sechs Monaten ungünstiger. Im Einzelhandel konnten zumindest die Erwartungen leicht zulegen, während die Lage auch hier ungünstiger beurteilt wurde.

          Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf rund 7000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels. Die Unternehmen werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

          Düstere Zahlen auch von Statistikern und Konsumforschern

          Zuvor hatte schon das Statistische Bundesamt düstere Zahlen geliefert und erste Angaben über die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal 2008 bestätigt. Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2008 erstmals seit knapp vier Jahren wieder geschrumpft. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, sank das reale Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent (siehe dazu auch: Deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal geschrumpft).

          Die Sorge vor einer Konjunkturflaute hat zudem die Kauflaune der Konsumenten getrübt. Für September prognostizierten die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das kühlste Konsumklima seit fünf Jahren. Der GfK-Index sank nach Angaben von Dienstag von 1,9 auf 1,5 Punkte und damit stärker als erwartet (siehe dazu auch: GfK-Index: Kühlstes Konsumklima seit fünf Jahren).

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