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Deutschland / Euro-Raum : Abgeschwächte Konjunktur zum Jahresende 2004

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der deutsche Einzelhandel und der Maschinenbau melden für den November schlechte Ergebnisse. Das Wirtschaftsklima im Euro-Raum hat sich zum Jahresende 2004 eingetrübt.

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          Die Konjunktur in Deutschland und in der Europäischen Währungsunion dürfte sich zum Jahresende 2004 abgeschwächt haben. Darauf weisen mehrere Indikatoren hin, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

          Der deutsche Einzelhandel ist im November nicht in Schwung gekommen, obwohl das erste Adventswochenende schon in diesen Monat fiel. Der um die Inflation bereinigte Umsatz schrumpfte um 2,5 Prozent gegenüber Oktober und damit deutlich stärker als nach dem Plus um ein Prozent im Oktober erwartet. Diese vorläufigen Ergebnisse des Statistischen Bundesamts berücksichtigen sowohl Saisoneffekte als auch die monatlich unterschiedliche Zahl der Verkaufstage.

          Negative Jahresbilanz im Handel

          Mit dem Umsatzeinbruch wird immer deutlicher, daß die Jahresbilanz des Einzelhandels das dritte Jahr nacheinander eine negative Bilanz aufweisen wird. Nach den Angaben setzte der Einzelhandel von Januar bis November 2004 real 1,5 Prozent und nominal 1,4 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, geht davon aus, daß die Branche noch ein nominales Umsatzminus zwischen 0,5 und 1 Prozent im Gesamtjahr erreichen kann. Diese Hoffnung basiert auf einem guten Weihnachtsgeschäft, über das die Branchenverbände HDE und BAG berichtet hatten. Volkswirte wie Ralph Solveen von der Commerzbank warnen indes, daß die positiven Vorabmeldungen des Einzelhandels über das Weihnachtsgeschäft in der Vergangenheit oft in die falsche Richtung wiesen.

          Wirtschaftsklima trübt sich ein

          Die Erwartung eines guten Jahresendgeschäfts wird indes von den jüngsten Konjunkturumfragen der Europäischen Kommission gestützt, die für den deutschen Einzelhandel eine sprunghafte Stimmungsaufhellung im Dezember zeigen. Die Händler waren so optimistisch wie seit Oktober 2003 nicht mehr. Auch im Euro-Raum verbesserte sich das Klima im Einzelhandel, wenn auch weniger ausgeprägt. Trotzdem hat sich das Wirtschaftsklima im Euro-Raum im Dezember zum zweiten Mal nacheinander eingetrübt. Der Klimaindex der Europäischen Kommission fiel um 0,6 Prozentpunkte, nach einem Rückgang von 0,5 Punkten im November. Damit liegt der Indikator aber noch deutlich höher als zu Jahresbeginn 2004.

          Abgesehen vom Einzelhandel verschlechterte sich vor allem die Stimmung der Dienstleister. Das Verbrauchervertrauen stagnierte ebenso wie die schlechte Stimmung im Baugewerbe. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe des Euro-Raums, das seit Jahresmitte 2003 gestiegen war, fiel im Dezember um einen Punkt auf minus 4 Punkte. Die Unternehmen schätzten ihre Produktionserwartungen spürbar niedriger ein. Volkswirte erwarten, daß die moderate konjunkturelle Erholung in der Industrie im Euro-Raum sich abgeschwächt fortsetzen wird.

          Auftragseingang im Maschinenbau bricht ein

          Im deutschen Maschinen- und Anlagebau ist der Auftragseingang noch im November eingebrochen, bedingt auch durch einen statistischen Basiseffekt. Nach den Angaben des Branchenverbands VDMA sank der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresmonat um 11 Prozent. Das Plus von 5 Prozent in der Auslandsnachfrage habe den Auftragseinbruch um 31 Prozent aus dem Inland nur teilweise wettmachen können. Das vom Verband für 2004 angepeilte Ziel eines fünfprozentigen Auftragszuwachses sei aber wohl erreicht worden, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. "Das in den ersten elf Monaten des Jahres 2004 erreichte Plus von 11 Prozent kann sich gleichwohl sehen lassen", sagte Wiechers. Für die kommenden Monate setze die Branche weiter auf das Auslandsgeschäft, das sich auf hohem Niveau seitwärts bewegen dürfte.

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