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China : Chinas Wirtschaft wächst schneller als erwartet

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Bild: F.A.Z.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde ist so schnell gewachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. China meldet eine Wachstumsrate von 10,9 Prozent. Die Regeirung erteilt Rufen nach Aufwertung des Yuan eine Absage.

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          che. SINGAPUR, 18. Juli. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde ist so schnell gewachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. China meldete am Dienstag für das erste Halbjahr eine Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsproduktes von 10,9 Prozent gegenüber der ersten Hälfte des vergangenen Jahres. Im zweiten Quartal zog die Wachstumsgeschwindigkeit sogar auf 11,3 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2005 an. Im ersten Viertel dieses Jahres hatte die Wachstumsgeschwindigkeit noch einen Prozentpunkt weniger betragen.

          Die Werte liegen deutlich über der von der Regierung angestrebten Wachstumsrate von 8 bis 9 Prozent und zeigen, daß die Schritte zur Dämpfung nicht gegriffen haben. "Die Gesamtsituation ist gut, aber die Wachstumsrate ist ein wenig zu hoch", sagte Zheng Jingping, Sprecher des Nationalen Büros für Statistik.

          Auch aufgrund des abermals hohen Handelsüberschusses, den China in der vergangenen Woche meldete (F.A.Z. vom 11. Juli), fordern Analysten nun noch lauter Wachstumsbeschränkungen für ausgewählte Branchen, eine Zinserhöhung und vor allem eine weitere Aufwertung des Yuan. Ende April hatte die Zentralbank den Zinssatz erhöht. Der Satz für Kredite mit einjähriger Laufzeit wurde um 0,27 Prozentpunkte auf 5,85 Prozent angehoben. Der Sparzins für einjährige Anlagen blieb mit 2,25 Prozent unangetastet (F.A.Z. vom 28. April). Mitte Juni setzte die Zentralbank die Reservenanforderungen für die Banken herauf. "Eine weitere Dämpfung des Wachstums ist dringend geboten. Die politischen Risiken werden steigen, wenn die Anpassung des Zinsniveaus und des Wechselkurses verzögert wird", heißt es bei der Investmentbank Goldman Sachs.

          Regierung lehnt Aufwertung des Yuan ab

          Zheng lehnte solche Ratschläge ab: "Eine einmalige Aufwertung oder Abwertung des Yuan wird es nie wieder geben. Es wird zu keinen Überraschungen mehr kommen", sagte er am Dienstag in Peking. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte China die Bindung des Yuan an den Dollar aufgehoben. Eine ausgeglichene Handelsbilanz zeichnet sich auch aus Sicht der Regierung auf lange Zeit nicht ab: "Aufgrund der einzigartigen Situation, daß mehr als die Hälfte unseres Außenhandels von der herstellenden Industrie bestritten wird, fällt es schwer, auf kurze Sicht einen ausgeglichenen Außenhandel zu erkennen. Noch weniger ist ein Handelsdefizit auszumachen", sagte Zheng.

          Ministerpräsident Wen Jiabao hatte am Sonntag vor Risiken gewarnt: "Wir müssen ungesunde und instabile Situationen und die Ungleichgewichte vermeiden, die während einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung auftreten können, um große Ausschläge des Wachstums nach oben oder unten auszuschließen." Zheng räumte am Dienstag ein, daß das Kreditvolumen zu schnell zulege, weil zu viel Liquidität vorhanden sei. Im Juni kühlte sich die Wachstumsrate der Kredite leicht von 16 auf 15,2 Prozent ab. Die Inflationsrate erreichte im ersten Halbjahr durchschnittlich 1,3 Prozent. In bezug auf weitere Bremsmanöver für überhitzte Bereiche der Wirtschaft hält sich die Regierung bedeckt. Man müsse erst die Auswirkungen der bestehenden Wachstumsbeschränkungen beobachten und auswerten, bevor die Regierung darüber entscheiden werde, sagte Zheng. Die Anlageinvestitionen stiegen in der ersten Jahreshälfte um 29,8 Prozent. In den Städten legten sie sogar um 31,3 Prozent zu, schneller als im ersten Halbjahr 2005 mit 30,3 Prozent.

          Zheng sagte, daß weltweit steigende Zinsen, von der Regierung verhängte Einschränkungen im Immobilienhandel und höhere Ausfuhrsteuern durch das Streichen von Vergünstigungen dämpfend wirkten. "Wir sollten uns vor allem auf ökonomische und gesetzliche Maßnahmen sowie einige Steuerungsinstrumente verlassen, um zu schnelles Wachstum zu vermeiden. Wenn wir diese Kombination weiterhin nutzen, kann das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte weiterhin stark und zugleich stabil sein." Einen der Gründe für die erneut über den Erwartungen liegende Wachstumsrate sieht Zheng im Rhythmus der Fünf-Jahres-Pläne: Weil 2006 das erste Jahr eines neuen Planes ist, investierten die Provinzregierungen derzeit mehr als gegen Ende eines Plan-Zeitraumes.

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