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China : Begeisterung an der Börse

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

An den chinesischen Börsen verzeichnen vor allem Finanzwerte große Sprünge. ICBC ist nach den jüngsten Gewinnen die größte Bank außerhalb Amerikas. Und China Life überholt die Allianz.

          An den chinesischen Börsen kommt es auf der Zielgeraden des Jahres zu regelrechten Hamsterkäufen. Wenige Tage vor Einführung des größten chinesischen Versicherers China Life Insurance Co. an der Börse Schanghai verzeichnen vor allem Finanzwerte große Kurssprünge. Der Aktienkurs der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), der größten Bank des Landes, ist allein in dieser Woche um weitere 20 Prozent gestiegen. Damit bringt es die ICBC auf eine Marktkapitalisierung von knapp 230 Milliarden Dollar. Das macht sie zur größten Bank außerhalb Amerikas. Diesen Platz nahm über Jahrzehnte die britische HSBC ein. Nur mehr die Citigroup und die Bank of America haben einen höheren Marktwert als die ICBC.

          Schon vor dem jüngsten Kursschub waren chinesische Aktien in diesem Jahr die großen Gewinner an den Weltbörsen. Der Shanghai Composite Index hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Es sind zunehmend auch die Chinesen selbst, die über die Börse an dem chinesischen „Wirtschaftswunder“ teilhaben wollen. Dies zeigt sich an dem jüngsten Aktienverkauf der China Life. Das Unternehmen, das schon an den Börsen in Hongkong und New York notiert ist, plazierte für die bis zum 11. Januar geplante Erstnotiz in Schanghai Aktien im Wert von umgerechnet 3,6 Milliarden Dollar. Dem stand chinesischen Zeitungen zufolge eine inländische Nachfrage in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar gegenüber.

          Jahrelang keine Börseneinführung

          An den beiden Festlandbörsen in Schanghai und Shenzhen hatte es aufgrund einer staatlichen Verordnung jahrelang keine Börseneinführung gegeben. Als dieses Verbot in diesem Sommer aufgehoben wurde, entlud sich die aufgestaute Nachfrage. Nutznießer waren vor allem die beiden Großbanken ICBC und Bank of China, die ihre Aktien kurz nach den Börsenpremieren in Hongkong auch jeweils in Schanghai einführten. Die Börseneinführung der ICBC wurde sogar zur größten der Welt. Dem Plazierungsvolumen von 22 Milliarden Dollar stand angeblich eine Nachfrage von fast 500 Milliarden Dollar gegenüber.

          Im Vorfeld des Börsengangs hatten sich die beiden amerikanischen Geldhäuser Goldman Sachs und American Express sowie der deutsche Versicherer Allianz für 3,8 Milliarden Dollar mit knapp 9 Prozent an der Bank beteiligt. Die Allianz selbst zahlte rund 1 Milliarde Dollar für eine Beteiligung von 2,4 Prozent. Dieses Paket hat jetzt einen Börsenwert von rund 5,5 Milliarden Dollar. Die Allianz betont zwar, daß das Engagement strategischer und damit langfristiger Natur sei. Gleichwohl hat die Beteiligung in gerade einmal sieben Monaten eine Reserve im Wert von 4,5 Milliarden Dollar geschaffen. Bei der Investmentbank Goldman Sachs ist der Buchgewinn etwa doppelt so hoch.

          Marktwert stieg auf mehr als 90 Milliarden Dollar

          Im Gegensatz zur ICBC hat die China Life keine größeren strategischen Investoren. Allerdings ist das Unternehmen, das über 650 000 Versicherungsvertreter verfügt, durch die jüngsten Kursgewinne in die Phalanx der größten Versicherer der Welt vorgerückt. Der Aktienkurs hat sich in diesem Jahr vervierfacht. Der Marktwert stieg in dieser Woche auf mehr als 90 Milliarden Dollar, womit China Life die beiden europäischen Versicherungsriesen Allianz und Axa überrundet hat. Nur mehr die amerikanische American International Group (AIG) hat mit nahezu 190 Milliarden Dollar eine höhere Marktkapitalisierung unter den Versicherern. Allerdings mehren sich unter Analysten die kritischen Stimmen, die die Bewertung der China Life und anderer Finanzwerte inzwischen für stark überzogen halten.

          Das hohe Interesse in- und ausländischer Anleger an den Finanzwerten erklärt sich zum Teil mit dem Mangel an Alternativen. Der chinesische Aktienmarkt ist bisher stark auf Finanztitel, Telekommunikationsaktien und Rohstoffwerte begrenzt. Die Auswahl an klassischen Konsumwerten ist noch gering. Insgesamt sind in diesem Jahr nach Angaben des Datenanbieters Dealogic 154 chinesische Unternehmen an eine in- oder ausländische Börse gegangen und haben dabei 53,5 Milliarden Dollar aufgenommen. Das ist das Dreifache des japanischen Neuemissionsvolumens.

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