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„Gewisse Übertreibungen“ : BIZ-Chefökonom warnt vor neuer Finanzkrise

  • Aktualisiert am

Das Zweitgebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Bild: Fiechter, Fabian

Der Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. Die Situation sei der vor der Finanzkrise 2008 ähnlich.

          Der Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. „In der Tat sehen wir das Risiko, dass die derzeitige Geldpolitik aus globaler Perspektive zu Gefahren für die Finanzstabilität führt“, sagte Claudio Borio, der die Abteilung für Volkswirtschaft und Geldpolitik leitet, der „Welt“.

          „Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen“, beklagte er. Er sprach von „gewissen Übertreibungen“ an den Märkten und einer Situation, die der vor der Finanzkrise 2008 ähnlich sei. Die Gefahr von gefährlichen Blasenbildungen gebe es sowohl in Schwellen- wie in Industrieländern.

          “Das Kreditvolumen hat stark zugenommen, oft begleitet von stark ansteigenden Immobilienpreisen“, beschrieb Borio ein klassisches Ungleichgewicht, das in einigen Staaten erneut zu beobachten sei. In Industrieländern, die von der Krise besonders betroffen waren, gebe es ein weiteres Phänomen: „Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während an den Finanzmärkten bis vor kurzem hohe Risiken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten.“ Manager hätten billiges Geld lieber für Übernahmen und Aktienrückkäufe genutzt als zu investieren. „Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagte Borio.

          An den Finanzmärkten hätten Investoren verzweifelt nach Renditen gesucht, was zu sehr geringen Risikoaufschlägen bei Wertpapieren und historisch geringer Volatilität geführt habe. Insgesamt sieht der BIZ-Chefökonom die Notenbanken in der Pflicht, stärker auf die Finanzstabilität zu achten und die Gefahr von Übertreibungen.

          Die BIZ ist die Bank der Notenbanken. Deutschland ist durch die Bundesbank vertreten. Bei der Kooperation der Zentralbanken und der internationalen Bankenregulierung spielt sie eine Schlüsselrolle.

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