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Bank of England : Zweifelhafter Erfolg

  • -Aktualisiert am

Englische Notenbank in London Bild: dpa

Die Bank von England hat ihre Bilanz in den vergangenen fünf Jahren stärker durch Anleihekäufe aufgebläht als jede andere Notenbank. Der ökonomische Erfolg der Anleihekäufe ist jedoch kaum messbar – und es gibt gravierende Nachteile.

          Kaum aus der Sommerpause zurück, bildet der britische Premierminister David Cameron sein Kabinett um. Großbritannien schlingert durch die zweite Rezession seit der Finanzkrise, und der Regierung fällt nicht mehr viel ein, um die Wirtschaft anzutreiben. Immer wieder werden neue Infrastrukturprojekte und Finanzierungsmodelle für den Mittelstand angekündigt. Aber angesichts der härtesten Haushaltssanierung seit Jahrzehnten sind der Regierung die Hände gebunden, will sie das Vertrauen der Investoren an den Kapitalmärkten nicht aufs Spiel setzen und die Rückendeckung durch die Bank von England nicht verlieren.

          Während in der Währungsunion mit harten Bandagen um das Thema Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank gekämpft wird, hat die Bank von England das Volumen ihrer Käufe britischer Staatsanleihen auf mittlerweile 375 Milliarden Pfund ausgeweitet. Die Bank von England hat ihre Bilanz in den vergangenen fünf Jahren damit stärker durch Anleihekäufe aufgebläht als jede andere Notenbank, die amerikanische Federal Reserve eingeschlossen. Aber hält die Politik der „quantitativen Lockerung“, was sich die Bank von England und der Schatzkanzler von ihr versprechen?

          Für England gibt es keinen Rettungsschirm

          Die britische Notenbank rechtfertigt ihre Anleihekäufe ausschließlich mit geldpolitischen Argumenten, denn auch ihr ist Staatsfinanzierung verboten. Über den Effekt klassischer Zinssenkungen hinaus will die Bank von England mit der Politik der quantitativen Lockerung die Nachfrage ankurbeln, um deflationären Tendenzen vorzubeugen. Anleger, die Staatsanleihen an die Notenbank verkaufen, legen den Erlös in anderen Vermögenswerten an, deren Preise deshalb steigen. Dies gilt auch für Aktienkurse und die Preise von Unternehmensanleihen. Die niedrigeren Kapitalkosten und Kreditkonditionen sollen Haushalte und Unternehmen motivieren, ihren Verbrauch zu steigern.

          Die Bank von England hat von Anfang an gegenüber der Regierung darauf gepocht, dass ihre Anleihekäufe nur eine begleitende Hilfestellung in einer Zeit sind, in der die Regierung - trotz Finanzkrise und Rezession - eine drakonische fiskalpolitische Haushaltssanierung durchziehen muss. Großbritannien ist nicht in der Währungsunion. Es gibt im Ernstfall also keine Hilfe durch einen Rettungsschirm ESM oder EFSF. Daher bleibt dem britischen Schatzkanzler George Osborne nichts anderes übrig, als die Haushaltssanierung zu forcieren, selbst wenn ihm dies angesichts mangelnder Steuereinnahmen und steigender Sozialausgaben immer schwerer fällt und Opposition, Unternehmer und Haushalte zetern.

          Ökonomischer Erfolg ist kaum messbar

          Nur wenn die Fondsmanager der britischen Sanierungspolitik trauen und weiterhin den britischen Staat finanzieren, kann die Bank von England ihre Anleihekäufe rechtfertigen, denn sie ersetzt die privaten Kapitalgeber nicht und kommt daher nicht in den Geruch der Staatsfinanzierung. Die Kapitalgeber halten dem britischen Staat die Stange, gerade weil die Bank von England die fiskalpolitische Belastung der Volkswirtschaft mit ihrer expansiven Geldpolitik und ihren Anleihekäufen abfedert.

          Der ökonomische Erfolg der Anleihekäufe ist jedoch kaum messbar. Die Bank von England behauptet, dass ohne die Anleihekäufe die Rezession und die Arbeitslosigkeit noch höher ausgefallen wären und dass noch mehr Unternehmen zusammengebrochen wären. Allerdings schließt die Bank von England von dem ökonomischen Anfangserfolg ihrer Anleihekäufe seit März 2009 auf den Gesamterfolg des Programms, wohl wissend, dass der Effekt quantitativer Lockerung auf Dauer deutlich nachlässt.

          Vor allem Reiche profitieren

          Zudem gibt es Nachteile dieser Notpolitik: Die gestiegenen Aktien-, Anleihe- und gar Immobilienpreise kommen nur jenem sehr kleinen Teil der Bevölkerung zugute, der über deutliches Nettovermögen verfügt und der in der Lage ist, aus den Kapitalerträgen zu schöpfen. Die Masse der Bevölkerung kann dies nicht. Im Gegenteil: Da in Großbritannien kapitalfinanzierte Pensionspläne überwiegen, leiden Unternehmen und ein Großteil der Bevölkerung an der gefährlichen Unterdeckung der Pensionspläne. Eine gesunkene Rendite risikoloser Staatsanleihen erhöht den rechnerischen Gegenwartswert eines Portfolios, das angespart werden und langfristig für eine Rente ausreichen soll. Hier klafft bei immer mehr britischen Pensionsplänen eine große Lücke. Das Geld reicht für die künftige Rente nicht aus.

          Auch im Kreditgeschäft gehen die Hoffnungen der Bank von England und des Schatzamtes nicht auf: Unternehmen und Haushalte nutzen die günstigen Kreditkonditionen nicht, wenn sie von den Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand, der Krise der Währungsunion, der globalen Nachfrageschwäche und der Rezession verunsichert werden. Dadurch werden die Anleihekäufe zu einer stumpfen Waffe.

          Aber es geht um die innen- und außenpolitische Signalwirkung der britischen Anleihekäufe. Die Bank von England demonstriert mit ihnen, dass sie die Sanierungspolitik des Schatzkanzlers honoriert. Dies wiederum schafft Anlegervertrauen am Kapitalmarkt - etwas, was den Peripherieländern der Währungsunion so fehlt.

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