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Aussichten fast überall getrübt : Japan drohen Energieengpässe

Nichts steht mehr: Die Räumarbeiten kommen nur langsam voran, an Wiederaufbau ist noch nicht zu denken Bild: AFP

Die Bank von Japan muss ihre Konjunkturprognosen nach unten korrigieren: Vor allem kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten mit dem Wiederaufbau. Der Konsum ist eingebrochen, Energieengpässe drohen.

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          Wegen der Produktionsausfälle durch die Zerstörungen nach dem Erdbeben vom 11. März und der andauernden Engpässe in der Energieversorgung hat die Bank von Japan ihre Konjunkturprognose für sieben der neun Regionen Japans deutlich gesenkt. In dem vierteljährlich vorgelegten Bericht der Notenbank zur wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen hieß es am Montag, dass es auch im Großraum Tokio und in der Region Tokai, wo viele Automobilunternehmen und deren Zulieferer angesiedelt sind, schwierig bleiben werde. Im Nordosten, der vom Beben und dem folgenden Tsunami besonders stark verwüstet wurde, wies die Bank in ihrem Bericht auch auf die Folgen der Katastrophe für die soziale Infrastruktur der Region hin.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der Gouverneur der Bank, Masaaki Shirakawa, sagte, vor allem kleinere Unternehmen dürften Probleme haben, ihren Wiederaufbau zu finanzieren (siehe Wiederaufbau in Japan: Zuerst muss der Schutt weg). Die Notenbank hat den Banken der betroffenen Regionen deswegen weitere Milliardenhilfen zur Verfügung gestellt, um den örtlichen Unternehmen günstige Kredite anbieten zu können.

          Der Chef der Außenstelle der Bank von Japan in Sendai, Kazuo Fukuda, berichtete, dass die Produktion in den Küstenorten nach dem Tsunami praktisch vollkommen zum Erliegen gekommen ist. Der Leiter der Außenstelle in Fukushima wurde mit den Worten zitiert, die radioaktive Belastung aus dem beschädigten Atomkraftwerk und die Sorge vor verseuchten Lebensmitteln würden schwer auf der örtlichen Wirtschaft lasten.

          Energieengpässe bis Ende des Jahres

          Die Mehrzahl der Regionen berichtete, dass der ohnehin schwache private Konsum nach der Naturkatastrophe und wegen der nuklearen Bedrohung weiter eingebrochen sei. Aus einzelnen Regionen wurde die Befürchtung geäußert, dass das noch länger dauern könnte. Die wirtschaftliche Erholung werde auch durch die Schwierigkeiten mit der Energieversorgung gefährdet.

          Am Wochenende hatten japanische Autounternehmen gemeldet, deswegen auch in den wiederhergestellten Fabriken nur rund 50 Prozent der Produktion von vor der Katatstrophe erreichen zu können. Tokyo Electric Power (Tepco), das größte Energieunternehmen Japans, das unter anderem den Großraum Tokio mit Strom versorgt, hatte mitgeteilt, bis Ende des Jahres müsse mit Energieengpässen gerechnet werden. Tepco betreibt die sechs Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima. Bis zum Montag, als ein neues Beben der Stärke 7,1 die Region Fukushima erschütterte, war es nicht gelungen, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

          Durch die Katastrophe wird die Wirtschaft schrumpfen

          Die Notenbank stellte den Bericht vor, nachdem sich die Spitzen der inländischen Niederlassungen der Bank von Japan in Tokio versammelt hatten, um den Ausblick auf die regionale wirtschaftliche Entwicklung zusammenzutragen. Ihre Prognose über das Wirtschaftwachstum Japans in diesem und im kommenden Jahr will die Bank am 28. April vorstellen.

          Der Präsident des Keidanren, des Verbandes der Japanischen Industrie, Hiromasa Yonekura, erklärte, die japanische Wirtschaft werde infolge der Naturkatastrophe 2011 zwischen 0,2 und 0,5 Prozentpunkte schrumpfen. Vor der Katatstrophe war ein Wachstum von bis zu 1,8 Prozent erwartet worden. Yonekura sagte aber auch, dass die Unternehmen mit den für den Sommer befürchteten Engpässen in der Stromversorgung klarkommen könnten.

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