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Außenhandel : Schuldenkrise bremst deutsche Exporte

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Kisten mit Antriebswellen für den Export nach China: Die deutschen Exporte sind im Juli zum zweiten Mal in Folge gesunken Bild: dpa

Der deutsche Exportumsatz sank im Juli um 1,8 Prozent. Die Nachfrage aus Euroländern nimmt ab. Die DIHK will trotzdem 2011 die Billionen-Umsatzgrenze erreichen.

          Die Schuldenkrise in der Euro-Zone bremst die deutschen Exporteure aus: Wegen geringerer Nachfrage aus der Währungsunion nahmen sie im Juli schon den zweiten Monat in Folge weniger ein. Der Exportumsatz fiel um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Analysten hatten nur ein Minus von 0,1 Prozent erwartet, nachdem die Ausfuhren bereits im Juni um 1,2 Prozent gefallen waren. „Das weltwirtschaftliche Umfeld ist schwieriger geworden“, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Das bekämen die Exporteure zu spüren. Wegen weltweiter Rezessionsängste, den heftigen Börsenturbulenzen und der Schuldenkrise droht der Gegenwind noch schärfer zu werden.

          Angesichts eines starken ersten Halbjahres und dicker Auftragspolster sagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für 2011 trotzdem einen Exportrekord voraus. „Die Marke von einer Billion Euro wird erstmals fallen“, sagte ihr Außenhandelsexperte Ilja Nothnagel. Von Januar bis Juli nahmen die Exporteure 611,5 Milliarden Euro ein - 14,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „In Ländern wie China und auch in Osteuropa ist die Dynamik ungebrochen“, sagte Nothnagel.

          Die Unternehmen verkauften im Juli Waren im Wert von 85,9 Milliarden Euro ins Ausland - ein Plus von 4,4 Prozent im Vergleich zum Juli 2010. Die Ausfuhren in die gegen eine Schuldenkrise kämpfende Euro-Zone legten mit 1,9 Prozent am schwächsten zu. „Dort muss gespart werden, das bekommen wir zu spüren“, sagte DIHK-Experte Nothnagel. „Höhere Steuern belasten Verbraucher und Unternehmen, denen weniger Geld für deutsche Exportwaren bleibt.“ Etwa 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die anderen Euro-Länder. Die Exporte in die restlichen EU-Staaten erhöhten sich dagegen um 8,2 Prozent, die nach Übersee um 5,1 Prozent.

          Zuletzt mehrten sich die Anzeichen dafür, dass der Schwung in den kommenden Monaten deutlich nachlassen wird: Die exportabhängige Industrie erhielt im Juli um 7,4 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland. Das war der stärkste Rückgang seit rund zweieinhalb Jahren. Die Commerzbank geht deshalb davon aus, dass der Außenhandel im zu Ende gehenden dritten Quartal erneut nicht zum Wirtschaftswachstum beitragen wird. „So lange die Staatschuldenkrise nicht eskaliert und es zu einem Unsicherheitsschock kommt, dürfte eine Rezession jedoch vermieden werden“, sagte ihr Ökonom Christoph Weil. Dies werde durch die gute Binnennachfrage verhindert.

          Die Importe fielen um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Analysten hatten hier ein Plus von 0,2 Prozent vorausgesagt. Insgesamt wurden Waren im Wert von 75,4 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt - 9,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Außenhandelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen um Saison- und Kalendereinflüsse bereinigten Überschuss von 10,1 Milliarden Euro aus.

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