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Außenhandel : China exportiert mehr als Deutschland

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Exporteure fassten am Jahresende wieder Tritt Bild: dpa

Trotz des Aufwärtstrends am Jahresende hat Deutschland 2009 einen Titel an China verloren, den es gar nicht gibt: den des „Exportweltmeisters“. Die Unternehmen führten Waren im Wert von 803,2 Milliarden Euro aus - 18,4 Prozent weniger als 2008.

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          Nach einem drastischen Einbruch der Ausfuhren im Krisenjahr 2009 ist Deutschland einen Titel los, den es eigentlich nicht gibt: den des „Exportweltmeisters“. China überflügelte Deutschland in der Rangliste der größten Exportnationen der Welt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Chinas Vorsprung betrug umgerechnet rund 80 Milliarden Dollar. Die deutschen Ausfuhren brachen im vergangenen Jahr um 18,4 Prozent ein. Das ist der stärkste Rückgang seit 1950.

          Ausgeführt wurden Waren im Gesamtwert von 803,2 Milliarden Euro. Auch die Einfuhren stürzten so stark ab wie seit fast 60 Jahren nicht mehr ein. Der Rückgang war mit 17,2 Prozent aber etwas geringer als auf der Exportseite. Im Dezember deutete sich eine Trendwende an: Die Ausfuhren stiegen auf Jahressicht erstmals seit Oktober 2008 wieder.

          „In der Rangliste der weltweit größten Exportnationen wurde Deutschland von China an der Spitze abgelöst“, hieß es. Deutschland hatte sich seit 2003 mit diesem inoffiziellen Titel schmücken können. Die Exporteure fassten am Jahresende aber wieder Tritt. Die Ausfuhren stiegen im Dezember um 3,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat (Der Exportmotor läuft langsam wieder an)

          Das alte Nivea nicht vor 2012

          In diesem Jahr erwartet der Branchenverband BGA ein Wachstum von bis zu zehn Prozent, weil sich der Welthandel wegen niedriger Zinsen und riesiger Konjunkturprogramme wieder gefangen hat. „Mit einer raschen Rückkehr auf das Niveau vor der Krise ist aber nicht zu rechnen“, sagte Verbandspräsident Anton Börner. Es werde mindestens bis 2012 dauern, bis die schweren Einbrüche wieder aufgeholt seien.

          Jürgen Michels von der Citigroup bewertet die Zahlen positiv, es spreche vieles dafür, dass sich der jüngste Trend 2010 fortsetzen werde. „Die Weltwirtschaft hat sich gefangen“, glaubt Michels, „besonders die kräftige Nachfrage aus Asien und den großen Schwellenländern hilft der deutschen Industrie“. Doch Andreas Scheuerle, Volkswirt der Dekabank, warnt: „Es scheint eine typisch deutsche Erholung zu werden, die lange nur vom Ausland getrieben wird.“ Deutschland sei durch diese Abhängigkeit verwundbar. „Wenn die ausländische Nachfrage wegbricht, haben wir dem wenig entgegenzusetzen.“

          Jörg Lüschow von der West LB ist zurückhaltend, bei den Aufträgen sei „die große Dynamik raus“. In den nächsten Monaten gehe es „im Trend nur langsam weiter nach oben“. Für das erste Quartal wolle Lüschhow ein Minus im Wirtschaftswachstum nicht ausschließen: „Der private Konsum wird deutlich zurückgehen, dazu kommt die ungewöhnlich kalte Witterung. Wir werden einen deutlich stärkeren Einbruch beim Bau haben als sonst üblich, und damit nimmt das Risiko zu, dass das BIP sogar leicht schrumpfen könnte.“

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