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Aufschwung in Amerika : Die vier Nein der Fed

Nein, keine Risiken: Fed-Präsidentin Janet Yellen beglückt den Aktienmarkt. Bild: REUTERS

Die amerikanische Notenbank verringert ihren Konjunkturimpuls. Sie kauft weniger Anleihen, will den Leitzins aber noch länger nahe Null halten. Mit vier Nein treibt die Fed-Vorsitzende Yellen die Aktienkurse auf Rekordhochs.

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          Die amerikanischen Notenbank Federal Reserve nimmt den Fuß abermals ein wenig vom geldpolitischen Gaspedal. Der Offenmarktausschuss beschloss am Mittwoch einstimmig, das Volumen der Anleihekäufe um 10 Milliarden Dollar auf 35 Milliarden Dollar im Monat zu verringern. Zugleich bleibt der Leitzins wie seit Dezember 2008 bei nahe Null Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nicht nur mit den weiteren Anleihekäufen, sondern auch mit dem Bestand an mittlerweile mehr als 4 Billionen Dollar Staats- und Hypothekenanleihen in ihrem Portfolio drückt die Federal Reserve damit weiter auf die langfristigen Zinssätze im Versuch, die Wirtschaft zu stimulieren.

          Yellen warnt vor zu geringem Risikobewusstsein

          Die Fed sicherte abermals zu, den Leitzins auch dann noch für beträchtliche Zeit nahe Null Prozent zu halten, wenn – wahrscheinlich im Herbst – die Anleihekäufe beendet sein werden. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen sagte, dass die „beträchtliche Zeit“ unbestimmt sei. Im März hatte sie noch von rund sechs Monaten gesprochen. An den Finanzmärkten wird eine erste Leitzinserhöhung im Sommer 2015 erwartet. Zwölf von 16 Mitgliedern des Offenmarktausschusses sehen eine erste Zinserhöhung im kommenden Jahr. Am Jahresende 2015 erwarten sie im Mittel einen Leitzins von etwas mehr als 1 Prozent, am Jahresende 2016 von im Mittel 2,5 Prozent.

          Nach der Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal als Folge des ungewöhnlich harschen Winters setzt die Fed wie viele Volkswirte auf eine Beschleunigung des Wachstums. Die Schrumpfung zum Jahresbeginn aber bedingt, dass die Prognosen für dieses Jahr deutlich herabgesetzt werden. Im Mittel erwarten die Mitglieder des Offenmarktausschusses für 2014 ein Wachstum von nur noch rund 2,2 Prozent. Im März hatten sie noch mit etwa 2,9 Prozent gerechnet. 2015 sieht der Ausschuss das Wachstum bei knapp über 3 Prozent.

          Die Fed-Vorsitzende Yellen betonte in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid die Unsicherheit der geldpolitischen Vorhersagen. Wenn die Wirtschaft schneller Fahrt aufnehme als erwartet, könnte die Fed die Zinsen schneller anheben. Umgekehrt könnten Zinserhöhungen auch später kommen, wenn der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft sich nicht so erholten wie erwartet. Yellen unterstrich dabei, dass die Teilnehmer an den Finanzmärkten sich darüber bewusst sein müssten. Das war eine kleine Warnung vor dem Hintergrund, dass die Unsicherheit und das Risikobewusstsein an den Märkten zuletzt deutlich gesunken sind.

          Die vier Nein der Präsidentin

          Yellens wichtigste Einschätzungen zur geldpolitischen Lage während der Pressekonferenz lassen sich in vier Nein zusammenfassen.

          Nein, Risiken für die Finanzstabilität sind nicht übermäßig groß, auch wenn die Unsicherheit an den Finanzmärkten so niedrig ist wie vor der Krise und an vielen Stellen im Markt die Suche nach der Rendite läuft. Yellen erklärte, man beobachte dies aufmerksam, sie schien aber nicht sonderlich besorgt. Die Geldpolitik der Fed – Stichwort Nullzins – werde dadurch derzeit nicht beeinflusst, sagte Yellen.

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