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Arbeitsmarkt : Zahl der älteren Beschäftigten steigt deutlich

Als der damalige Arbeitsminister Franz Müntefering im Jahr 2006 überraschend den Plan zur Rente mit 67 verkündete, dachten Gewerkschaften sofort an deutsche Dachdecker. Inzwischen sind die wieder aus der Rentendebatte verschwunden. Bild: dpa

Mehr als 7,7 Millionen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren gehen einer sozialversicherten Arbeit nach. Die Zahlen befeuern die Debatte um die Rente mit 67.

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          In Deutschland gehen dank des Aufschwungs am Arbeitsmarkt so viele ältere Menschen einer sozialversicherten Beschäftigung nach wie seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2000 nicht. Im vergangenen Juni lag die Zahl bei 7,74 Millionen Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Dies waren rund 452.000 oder 6,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Beschäftigungsquote in dieser Gruppe legte um 2,8 Punkte auf 47,2 Prozent zu, wie aus einer aktuellen Bilanz der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegt.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Darin heißt es, der Anstieg werde zum Teil von der wachsenden Bevölkerungsstärke der Älteren getragen. „Darüber hinaus hat aber auch die Erwerbsneigung zugenommen“, schreibt die Behörde. Im Gegenzug werde der Anteil der Rentner kleiner. Laut Arbeitsagentur überwiegen unter den älteren Arbeitnehmern leicht die Männer (53,7 Prozent). Rund 95 Prozent sind Deutsche, drei Viertel von ihnen haben mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Drei von vier arbeiten zudem Vollzeit.

          Diskussion um Rente mit 67

          Diese Zahlen spielen in der Diskussion um die Einführung der Rente mit 67 Jahren eine wichtige Rolle. Die Kritiker der zu Jahresbeginn angelaufenen Neuregelung behaupten, es gebe für ältere Menschen nicht genügend Beschäftigungsmöglichkeiten. Innerhalb der Bundesregierung hatte CSU-Chef Horst Seehofer die Anhebung des Renteneintrittsalters in Frage gestellt und stieß damit sogar innerhalb seiner eigenen Partei auf Widerstand. Während führende Politiker der Grünen ein Aufweichen der Reform ablehnen, hat SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles einen Gesetzentwurf angekündigt, der ein Aufschieben der Reform vorsieht, bis die Beschäftigungsquote der 60- bis 65-Jährigen 50 Prozent beträgt.

          Die aktuellen Werte sind davon noch ein ganzes Stück weit entfernt. So lag die Beschäftigungsquote dieser rentennahen Jahrgänge im Sommer bei 27,5 Prozent. Mit einem Plus von 3,4 Punkten gegenüber dem Vorjahr legten die über 60-Jährigen jedoch stärker zu als alle anderen Altersklassen. Auch die Langzeitentwicklung fällt deutlich aus: Im Jahr 2000 betrug die Quote noch 10,4 Prozent; innerhalb von elf Jahren ist sie demnach um 17 Prozentpunkte gestiegen. Im selben Zeitraum legte die Beschäftigungsquote in der Gruppe der 50- bis 65-Jährigen um mehr als 13 Prozentpunkte zu. Im Durchschnitt aller Altersklassen im erwerbsfähigen Alter kletterte die Quote seit Beginn des Jahrtausends dagegen nur um 3 Punkte auf zuletzt 52,1 Prozent.

          Beschäftigungsquoten von 2000 bis 2011

          Arbeitsmarktbeobachter führen die Entwicklung vor allem auf das Ende der staatlichen Frühverrentungspolitik zurück, die starke Anreize gesetzt hatte, auf Kosten von Steuer- und Beitragszahlern vor dem Erreichen des bisherigen gesetzlichen Rentenalters von 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung ist das tatsächliche Renteneintrittsalter seit dem Jahr 2000 von 62,3 auf 63,5 Jahre gestiegen.

          In den Beschäftigungsquoten nicht enthalten sind Ältere, die als Selbständige oder geringfügig Beschäftigte arbeiten. Letztere, besser als Minijobber bekannt, werden im Bericht der Arbeitsagentur gesondert ausgewiesen. Demnach stieg die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten, die älter als 50 Jahre sind, gegenüber dem Vorjahr um 59.000 oder 4,7 Prozent auf etwas mehr als 1,3 Millionen.

          Die Arbeitslosigkeit unter den Älteren ist - wie für alle Altersgruppen - im Dezember leicht gestiegen, und zwar um 34.000 auf 887.000 Menschen. Um die jahreszeitlichen Sondereinflüsse bereinigt, ergibt sich ein Rückgang um 4000. Gegenüber dem Vorjahr wurden 34.000 Arbeitslose weniger gezählt. Der Sprung aus der Arbeitslosigkeit fällt Älteren immer noch deutlich schwerer als Jüngeren, heißt es in der Analyse. Viele ältere Erwerbslose fielen deshalb in die Kategorie der Arbeitslosigkeit mit langer Dauer: 43 Prozent waren länger als ein Jahr, 21 Prozent länger als zwei Jahre arbeitslos.

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