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Arbeitsmarkt : Sofortprogramm für Flüchtlinge gefordert

Folge des Aufschwungs: Offene Stellen sollen Zuwanderer besetzen. Bild: dpa

Die Arbeitsagentur macht Druck: Um die gute Lage am Arbeitsmarkt für Asylbewerber zu nutzen, braucht es nicht nur Geld. Arbeitsministerin Nahles signalisiert Entgegenkommen.

          Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt bleibt positiv. Im abgelaufenen Monat sank die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 81.000 auf 2,76 Millionen. Das ist der niedrigste Mai-Wert seit Anfang der neunziger Jahre. Zwar sprach Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, am Dienstag in Nürnberg von der üblichen Frühjahrsbelebung als ein Grund für die gute Entwicklung. Dennoch ergab sich auch um diese Saisoneffekte bereinigt noch ein leichter Rückgang um 6000. Die Unterbeschäftigung, die auch Arbeitslose in Weiterbildungsmaßnahmen umfasst und damit ehrlicher Auskunft gibt, sank ebenfalls leicht um 3000 auf 3,63 Millionen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Zuversichtlich stimmte den Behördenleiter aber vor allem der hohe Arbeitskräftebedarf der Unternehmen. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stieg auf 557.000. Gesucht werden vor allem Fachkräfte für Metall- und Elektronikberufe sowie den Verkauf, auch Gesundheitsberufe und Logistikqualifikationen sind gefragt. Die hohe Nachfrage hat die Erwerbstätigkeit im April auf 42,65 Millionen getrieben, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Das waren 208.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die größte Teilgruppe der sozialversichert Beschäftigten legte im März auf 30,47 Millionen zu, das waren fast 540.000 mehr im Vorjahresvergleich. „Der Beschäftigungsaufbau dürfte anhalten“, schlussfolgerte Weise.

          Schon heute können die Stellen allerdings oft nicht mehr mit den offiziellen Arbeitslosen besetzt werden, weil häufig die Qualifikationen der Bewerber nicht zum geforderten Profil passen. Neue Beschäftigte kommen meist aus der „Stillen Reserve“ – etwa Berufsrückkehrerinnen nach Familienzeiten – oder aus der Zuwanderung. Eine derzeit rasche wachsende Gruppe stellen dabei die Flüchtlinge und Asylbewerber dar.

          Arbeitsagentur warnt vor Vermittlungsengpass bei Flüchtlingen

          Die Führung der Arbeitsagentur warnt nun vor einem Vermittlungsengpass bei Flüchtlingen und fordert deshalb mehr Geld vom Bund für Mitarbeiter und Arbeitsmarktpolitik. Vorstandsmitglied Heinrich Alt sprach davon, dass in diesem Jahr noch rund 200.000 weitere Flüchtlinge von den Jobcentern betreut werden müssten – zuzüglich der schon heute vorhandenen 360.000 Zuwanderer. „Bislang dürfen wir viele Maßnahmen aber erst ergreifen, wenn sich die Person 48 Monate in Deutschland aufgehalten hat“, erklärt Alt. Dazu gehörten etwa das Bafög oder die Ausbildungsförderung. Zwar habe der Bundestag beschlossen, diese Frist zur Mitte des kommenden Jahres auf 15 Monate zu verkürzen. Die Arbeitsagentur würde jedoch eine Senkung auf sechs Monate begrüßen, die schon früher einsetzt, sagte Alt. Nach einem halben Jahr müsse der Status des Flüchtlings geklärt sein, um mit einer Integration in den Arbeitsmarkt beginnen zu können.

          Außerdem warnte er vor Bearbeitungsengpässen. Die ebenfalls in Nürnberg ansässige Schwesterbehörde BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) erhalte 1000 neue Mitarbeiter zur Bewältigung der Asylverfahren – für das Gesamtjahr werden bis zu 450.000 Asylanträge erwartet. Wenn die Verfahren vom BAMF künftig schneller bearbeitet würden, müssten auch die Jobcenter den Ansturm bewältigen können, fordert Alt. Dafür seien geschätzt ebenfalls 1000 Mitarbeiter in den Jobcentern und 150 Millionen Euro für Arbeitsmarktpolitik nötig. „Der Bund steht jetzt in der Verantwortung, auch bei den Jobcentern Vorsorge zu treffen“, mahnte Alt ungewöhnlich deutlich.

          Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) signalisierte in Berlin Entgegenkommen. Angesichts steigender Flüchtlingszahlen brauche man ein eigenständiges Flüchtlingsprogramm, sagte die Sozialdemokratin. „Insbesondere müssen mehr finanzielle Mittel her für berufsbezogene Sprachkurse und Eingliederung in Arbeit.“ Auf konkrete Summen und einen Zeitrahmen für das Programm ging sie nicht ein. Nahles’ Parteifreundin, die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer forderte, die Integrationskurse des Bundes zu öffnen für Asylbewerber mit großen Chancen, im Land zu bleiben. Dies beschleunige den Spracherwerb.

          Behördenmanager Alt ging auch auf die Qualifikation der Flüchtlinge ein und sprach von einer „Riesenspreizung“. Die Eingliederungschancen von einem traumatischen Analphabeten aus dem Irak unterschieden sich naturgemäß erheblich von denen eines syrischen Arztes. Die Arbeitsagentur hat schon in einem Pilotprojekt in mehreren großen Städten die Früherkennung von Arbeitsmarktpotentialen von Flüchtlingen erprobt.

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