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Arbeitsmarkt : Noch keine Wende in Amerika

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die schwerste Rezession seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten geht zu Ende. Doch mit dem Zuwachs der Beschäftigung wird es noch eine Weile dauern. Fast 15 Millionen Menschen sind derzeit arbeitslos gemeldet.

          3 Min.

          Die schwere Rezession in den Vereinigten Staaten von Amerika geht zu Ende, doch der Konjunkturaufschwung wird wohl erst im Laufe des kommenden Jahres den Arbeitsmarkt erreichen. Darüber besteht weitgehend Einvernehmen zwischen den Wirtschaftsberatern von Präsident Barack Obama und Ökonomen an der Wall Street. Das Tempo des Beschäftigungsabbaus hat sich zuletzt zwar spürbar verlangsamt, doch es wird noch einige Monate dauern, bis im Saldo wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen als gestrichen werden. Die Arbeitslosenquote, die im Juli überraschend um 0,1 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent gesunken ist, dürfte wohl noch Kurs auf die 10-Prozent-Marke nehmen.

          An den Arbeitsmarktstatistiken lässt sich ablesen, dass diese Krise tatsächlich die schwerste und langwierigste Rezession seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist: Seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 ist die Zahl der Beschäftigten um rund 6,7 Millionen gefallen, 19 Monate in ununterbrochener Folge wurden unter dem Strich Arbeitsplätze abgebaut. Das ist der längste Zeitraum, seit das Amt für Arbeitsmarktstatistik vor 70 Jahren mit der Erhebung dieser Daten begonnen hat. Fast 15 Millionen Menschen in Amerika sind derzeit arbeitslos gemeldet. Das ist der Zahl nach ein Rekord und der Quote nach das höchste Niveau seit 1983.

          „Wahre Größe des Loches nicht deutlich“

          Es nimmt kaum wunder, dass sich über die Monate der Krise auf dem Arbeitsmarkt auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich erhöht hat. Auf rund sechs Erwerbslose kommt derzeit nur eine freie Stelle. Im Juli ist die Zahl derer, die seit sechs Monaten oder länger keine Beschäftigung hatten und darum in Amerika als langzeitarbeitslos eingestuft werden, um 584000 auf 5 Millionen gestiegen. Das entspricht 3,2 Prozent der Erwerbsfähigen, deutlich mehr als der bisherige Negativrekord von 2,6 Prozent aus dem Jahr 1983.

          Heidi Shierholz vom gewerkschaftsnahen Economic Policy Institute in Washington weist darauf hin, dass es unter den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen beträchtliche Unterschiede in der Beschäftigungsentwicklung gebe. „Im Juli lag die Arbeitslosenquote unter Schwarzen bei 14,5 Prozent, 5,6 Prozentpunkte höher als vor der Rezession, bei 12,3 Prozent unter Latinos (plus 6,1 Prozentpunkte) und bei 8,6 Prozent unter Weißen (plus 4,2 Prozentpunkte)“. Die Arbeitslosenquote jener mit Highschool-Abschluss liege mit 9,4 Prozent deutlich höher als die von Erwerbsfähigen mit College-Abschluss, die nur rund 4,7 Prozent gestiegen sei. „Und jüngere Menschen sind besonders betroffen“, sagt Shierholz. Die Arbeitslosenquote der Sechzehn- bis Vierundzwanzigjährigen sei um 6,2 Prozentpunkte auf 17,8 Prozent geschnellt, die der Fünfundzwanzig- bis Vierundfünfzigjährigen um 4,4 Prozentpunkte auf 8,4 Prozent, und die der Fünfundfünfzigjährigen und Älteren von 3,1 Prozent auf 6,7 Prozent. „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Zahl der 6,7 Millionen verlorenen Stellen die wahre Größe des Loches auf dem Arbeitsmarkt nicht deutlich macht“, sagt Shierholz.

          Um mit dem Bevölkerungswachstum und dem Anstieg der Zahl der Erwerbsfähigen Schritt zu halten, müssten eigentlich im Monat rund 127.000 neue, zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. „Die Wirtschaft bietet derzeit weniger Arbeitsplätze als im April 2000, obwohl die Zahl der Erwerbsfähigen seither um rund 12 Millionen gestiegen ist.“

          „Das Konjunkturpaket beginnt Wirkung zu zeigen“

          „Die Amerikaner müssen einsehen, dass es eine ganze Weile dauern wird, ehe sich die Wirtschaft von der Großen Rezession erholt hat, die im letzten Jahr der Regierung Bush begann“, sagt David Madland vom ebenfalls arbeitnehmernahen Center for American Progress in der amerikanischen Hauptstadt. Neun Millionen Arbeitslose seien derzeit auf die Arbeitslosenunterstützung angewiesen, die im Durchschnitt nur rund 300 Dollar in der Woche betrage. Zwar sei mit dem Konjunkturpaket auch eine Verlängerung der Bezugsdauer von 26 auf 39 und höchstens 46 Wochen beschlossen worden. Bis Ende September aber würden schätzungsweise 540.000 Arbeitslose das Ende der Bezugsdauer erreichen, weitere 1,5 Millionen bis Ende des Jahres. „Eine weitere Verlängerung und eine Aufstockung der Unterstützung sind dringend notwendig“, fordert Madland.

          Völlig düster sieht er die Zukunft freilich auch nicht. „Das Konjunkturpaket beginnt Wirkung zu zeigen“, sagt Madland mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt sei nur 1 Prozent geschrumpft, deutlich weniger als befürchtet. „Das, in Verbindung mit der beginnenden Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt, sollte Arbeitnehmern und Arbeitsuchenden Mut machen.“ Das Konjunkturpaket, 787 Milliarden Dollar oder fast 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schwer, sei zwar das größte in der Geschichte, es sei aber notwendig gewesen, um einen weiteren Absturz der Wirtschaft zu verhindern und nun den Aufschwung zu stützen.

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