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Arbeitsmarkt : Ministerin findet Beschäftigtenzahl „auffallend gut“

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Ministerin von der Leyen sieht einen „positiven Trend” Bild: dpa

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar auf rund 3,3 Millionen gestiegen. Saisonbereinigt ist sie aber so stark zurückgegangen, dass Fachleute überrascht waren. „Auffallend gut“ nannte Arbeitsministerin von der Leyen die Entwicklung.

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          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Saisonbereinigt, also nach rechnerischer Ausblendung üblicher jahreszeitlicher Schwankungen, ist sie jedoch gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte, waren 3,347 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Das waren 331.000 mehr als im Dezember 2010, jedoch immer noch 270.000 weniger als im Januar 2010.

          Saisonbereinigt ging die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 13.000 zurück - ein deutlicher Rückgang, der Fachleute positiv überraschte. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte: „Die Arbeitslosigkeit ist im Zuge der Winterpause zwar gestiegen, saisonbereinigt ergibt sich jedoch ein Rückgang. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Erwerbstätigkeit nehmen erneut deutlich zu, und auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter.“

          Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht trotz des winterbedingten Anstiegs der Arbeitslosenzahl den Arbeitsmarkt in einer guten Verfassung. „Schnee und Eis fordern wie in jedem Jahr ihren Tribut“, sagte von der Leyen am Dienstag in Berlin. In der saisonbereinigt im Jahresvergleich gesunkenen Erwerbslosenzahl zeige sich aber ein weiterhin „positiver Trend“. Zum ersten Mal seit 1992 liege die Januar-Arbeitslosenquote - aktuell 7,9 Prozent - unter der Acht-Prozent-Marke. „Auffallend gut“ nannte die Ministerin die Entwicklung bei der Beschäftigung. Dies gelte speziell für sozialversicherungspflichtige Stellen mit einem Zuwachs um 550.000 oder zwei Prozent im Zwölf-Monatsvergleich.

          Konjunkturaufschwung und rückläufiges Arbeitskräfteangebot

          Die BA begründete die für die Jahreszeit guten Arbeitsmarktzahlen maßgeblich mit dem Konjunkturaufschwung, der zu einem deutlichen Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung geführt habe. Entlastend wirkt laut BA außerdem das seit mehreren Jahren rückläufiges Arbeitskräfteangebot, das nach Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2011 jahresdurchschnittlich voraussichtlich um weitere 115.000 Personen abnehmen wird.

          Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im November nach Hochrechnung der BA bei 28,28 Millionen; gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs von 550.000 Personen. Dabei hat die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung im Vorjahresvergleich um 321.000 und die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung um 222.000 zugenommen.

          Die Nachfrage nach Arbeitskräften legte zu Jahresanfang 2011 weiter zu. Die gemeldeten Arbeitsstellen nahmen im Januar saisonbereinigt um 16.000 zu. Nicht-saisonbereinigt belief sich der Bestand im Januar auf 375.000 Arbeitsstellen. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Anstieg von 103.000. Von den gemeldeten Arbeitsstellen waren 87 Prozent sofort zu besetzen.

          Erwerbstätigenzahl erreicht Rekordhoch

          Im Dezember stieg außerdem die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresvergleich um 427.000 Personen oder 1,1 Prozent auf 40,8 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das ist der höchste Stand in einem Dezember seit der Wiedervereinigung.

          Im Monatsvergleich sank die Zahl der Erwerbstätigen zwar um 127.000 oder 0,3 Prozent. Saisonbereinigt ergibt sich hingegen auch bei der Erwerbstätigenzahl ein Plus von 50.000 Personen oder 0,1 Prozent.

          Bessere Zahlen auch auf dem Ausbildungsmarkt

          Der Schwund an jungen Leuten in Deutschland sorgte außerdem für bessere Zahlen auf dem Ausbildungsmarkt. Es seien im neuen Ausbildungsjahr weniger Bewerber ohne Lehrstelle oder Qualifizierungsplatz geblieben, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Berlin mit. Diese Entwicklung erfolgte, obwohl laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sowohl die Zahl der angebotenen Lehrstellen als auch die Zahl der geschlossenen Lehrverträge zum Stichtag 30. September 2010 zurückgegangen waren. In einigen Regionen Deutschlands fanden ausbildungswillige Betriebe der BA zufolge aufgrund des Bewerberrückgangs sogar keinen passenden Kandidaten für die Ausbildungsstelle.

          12.300 Bewerber seien am 30. September noch unversorgt geblieben, 3400 weniger als ein Jahr zuvor, teilte die BA mit. Zum Ende der Nachvermittlungsfrist im Januar dieses Jahres habe sich die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz auf 5800 (Januar 2010: 8100) verringert. Die BA zog aufgrund dieser Zahlen für das
          vergangene Jahr eine positive Bilanz des sogenannten Ausbildungspakts, den sie mit Politik und Wirtschaft seit 2004 bildet. Ziel dieses Paktes ist es, jedem ausbildungswilligen und - fähigen Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu machen und den Fachkräftenachwuchs zu sichern.

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