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Apec-Gipfel : China erklärt Megawachstum für beendet

Die Skyline von Schanghais Finanzviertel Pudong Bild: AFP

Die Wirtschaft wächst nicht mehr so stark wie früher. Zum Asiengipfel bangen Staaten und Unternehmen auf der ganzen Welt: Sind die goldenen Zeiten vorbei?

          4 Min.

          Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten in China sind ein- für allemal vorbei. Das hat am Sonntag Präsident Xi Jinping in einer Grundsatzrede in Peking klargestellt – und vielen Akteuren an den weltweiten Kapitalmärkten eine Absage erteilt, die auf neue gewaltige Konjunkturpakete der chinesischen Regierung gehofft hatten.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im dritten Quartal des laufenden Jahres mit 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum so langsam gewachsen wie seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 nicht mehr. Das sei Chinas neue Normalität, erklärte Xi vor Managern internationaler Konzerne: „Sogar eine Wachstumsrate von 7 Prozent bringt China unter die weltweiten Top-Performer hinsichtlich Tempo und Größe.“

          Chinas Präsident machte damit den Auftakt der Asien-Pazifik-Konferenz der Kooperationsgemeinschaft Apec, bei der zu Beginn dieser Woche die Staats- und Regierungschefs der Region in Chinas Hauptstadt über engere politische und wirtschaftliche Kooperation verhandeln. Neben dem russischen Präsident Wladimir Putin trifft Xi dabei auch Amerikas Präsident Barack Obama, der vergangenes Jahr seine Teilnahme an der Apec-Konferenz wegen innenpolitischer Termine abgesagt hatte, was viele asiatische Staatschefs verärgert und Amerikas Vormachtstellung in der Region weiter zugunsten Chinas beschädigt hatte.

          China und Amerika ringen um Asien

          Aus politischer Sicht mag das Ringen zwischen China und Amerika um Asien bei der Apec im Mittelpunkt stehen. Xi Jinping hatte vor einem Jahr die Abwesenheit Obamas genutzt und die asiatischen Nachbarländer für sich einzunehmen versucht. So will Peking etwa mit einer eigenen asiatischen Entwicklungsbank eine Gegenmacht zur von Amerika dominierten Weltbank bauen.

          Ebenfalls gegen Amerika gerichtet ist Chinas Drängen auf eine asiatische Freihandelszone. Aus Angst, innenpolitische Gegner könnten ihm den Ausverkauf der heimischen Wirtschaft vorwerfen, will Obama eine solche Zone verhindern und verhandelt seinerseits mit elf asiatischen Staaten über ein Freihandelsabkommen, das gegenwärtig wiederum China ausschließt. Auch am Sonntag rief Xi dazu auf, „gemeinsam eine offene Wirtschaft in der Region aufbauen“. Zuvor hatte China einen „Seidenstraßen-Fonds“ angekündigt, in den es 40 Milliarden Dollar für eine bessere Anbindung zwischen den Märkten in der Region bereitstellen will. Die weltweiten Kapitalmärkte sowie in China tätige Unternehmen verlangen derweil Antwort auf eine andere Frage: Die, ob das bald 1,4 Milliarden Menschen reiche Land seine Rolle als Hoffnung der Weltwirtschaft aufrecht erhalten kann.

          Die Antwort kam nun vom Präsidenten persönlich: „Manche machen sich Sorgen, ob Chinas Wachstumsrate weiter sinken wird oder ob China die Hindernisse bewältigen kann“, sagte Xi: „Risiken gibt es tatsächlich, aber sie sind nicht furchterregend.“ Für den deutschen Maschinenbau und die Automobilwirtschaft ist China der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Rechnet man die Verkäufe der nach China exportierten Fahrzeug und Ersatzteile denen der im Land selbst produzierten Fahrzeuge hinzu, stammt beispielsweise fast die Hälfte des Gewinns der Volkswagen AG aus dem Reich der Mitte. Daimler wiederum glaubt, China werde „auf immer der größte Markt der Welt“ bleiben und investiert kräftig.

          Die Gefahr der „Middle-Income-Falle“

          Ob China jedoch auch der lukrativste Markt der Welt bleiben wird, auf dem sich weiter in großer Stückzahl gewinnträchtige S-Klassen und Audi A8 verkaufen und nicht nur margenschwache A-Klassen und VW Polo, hängt nach Ansicht vieler Ökonomen davon ab, ob die chinesische Wirtschaft auch in ihrer Qualität zu Industriestaaten wie Amerika und Deutschland aufschließen kann.

          Schon vor zwei Jahren warnte die OECD die Volksrepublik vor der so genannten „Middle-Income-Falle“: Wenn die Wirtschaft eines Entwicklungslandes vor allem deshalb schnell wächst, weil sie zu niedrigen Löhnen billige Exportprodukte herstellt, steigen irgendwann auch die Einkommen – so weit, dass die Löhne als Wettbewerbsvorteil wegfallen. Um neun Prozent wachsen die chinesischen Löhne dieses Jahr. Nächster Schritt in der Theorie: kann sich das Land nach Wegfall des Lohnvorteils keine anderen Vorteil verschaffen, etwa indem es ein eigenes iPhone oder ein eigenes Konkurrenzprodukt zur S-Klasse entwickelt, für das Menschen auf der ganzen Welt viel Geld bezahlen, steckt die Exportwirtschaft in der Falle und bleibt auf ewig zurück. Als Beispiel wird Brasilien angeführt.

          Ob China das gleiche Schicksal erleidet oder zu einer Industrienation mit Pro-Kopf-Einkommen wie in Deutschland und Amerika aufsteigt, hängt nach Ansicht von Ökonomen vor allem davon ab, ob sich das Land reformieren kann und bereit ist, für das „Rebalancing“ seiner Wirtschaft vorübergehend auf Wachstum zu verzichten – was wiederum zum Verlust von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie führen könnte, eine der größten Sorgen der um soziale Stabilität bedachten Führung in Peking.

          Das hatte auch die Weltbank im Blick, die jüngst mahnte, China könnte es sich leisten, sein Ziel für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr auf sieben Prozent zu drücken und dennoch einen intakten Arbeitsmarkt behalten. Der Fokus müsse eher auf Reformen als auf dem Erreichen eines bestimmten Wachstumsziels liegen, sagte Karlis Smits, ein führender Weltbank-Volkswirt in Peking. Er sei besorgt, dass Chinas Regierung ihre Reformen hintenanstellen würde wenn sie sich im kommenden Jahr auf ein ähnlich großes Wachstum einschießen würde.

          Diese Sorge scheint nach Worten Xis nicht begründet. Doch der frühere amerikanische Finanzminister und Präsident der Universität Harvard Larry Summers glaubt ohnehin, dass es für China so oder so langfristig mit den Wachstumsraten von 6 Prozent und mehr vorbei sei, die das Land seit 1977 jedes Jahr erlebt hat. Statistisch gesehen bleibe dieser Erfolg nur dann bestehen, wenn eine von zwei Bedingungen eintrete, so Summers: entweder China habe ungewöhnlich viel Glück. Oder es werde ungewöhnlich gut regiert, was im Falle der Volksrepublik nicht nur eine weitere Marktöffnung, sondern auch Demokratisierung bedeuten müsste. Beides sei unwahrscheinlich.

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