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Konjunktur : Amerikas Wachstum bricht ein

Blick auf New York: Der sehr kalte Winter hat Amerikas Wirtschaft drastisch ausgebremst. Bild: AP

Die amerikanische Wirtschaft stagniert. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wuchs sie nahezu nicht. Viele Volkswirte sehen den Einbruch als Ausrutscher.

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          Der sehr kalte Winter hat das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft am Jahresbeginn drastisch gebremst. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs, auf ein Jahr gerechnet, nur um noch 0,1 Prozent. Faktisch stagniert die Wirtschaft damit. Erwartet wurde ein Wachstum von rund 1,2 Prozent. Im Jahresschlussquartal war die Wirtschaft noch mit 2,6 Prozent gewachsen. Volkswirte erwarten nun für das laufende Quartal eine deutliche Wachstumserholung.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Maßgeblich für den Wachstumseinbruch waren schrumpfende Investitionen und ein schrumpfender Export. Beides kann mit dem sehr kalten Winterwetter im Januar und Februar zusammenhängen, nachdem unter anderem Häfen und Flughäfen durch Schnee und Eis oft blockiert waren. Zudem bedienten die Unternehmen im ersten Quartal Nachfrage aus dem Lager.

          Dagegen wuchs der private Konsum mit einem Zuwachs von 3 Prozent kaum verringert und kräftig gegenüber dem Jahresschlussquartal. Manche Volkswirte sehen darin ein Signal, dass die konjunkturelle Erholung nur temporär unterbrochen ist. Der Konsum ging vor allem in Dienstleistungen, worin sich ein höherer Energieverbrauch während des Winters und mit der Gesundheitsreform „Obamacare“ zunehmende Nachfrage nach Versicherungsdienstleistungen widerspiegelt.

          Der Export schrumpfte auf ein Jahr hochgerechnet um 1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und drückte das Wachstum um 1 Prozentpunkt. Die Ausrüstungsinvestitionen fielen um 5,5 Prozent, was das Wachstum mit 0,3 Prozentpunkten belastete. Der Lagerabbau belastete das Wachstum um 0,6 Prozentpunkte. Der Wohnungsbau fiel um 5,7 Prozent, ein Wachstumsminus von 0,2 Prozentpunkten. Auf der Bauwirtschaft lastet nicht nur der kalte Winter.  Es beginnen auch die Hypothekenzinsen zu drücken, die seit den ersten Andeutungen einer monetären Straffung seit dem vergangenen Frühsommer gestiegen sind. Vor einem Jahr lag der Zins für Hypotheken mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,5 Prozent, heute ist es rund ein Prozentpunkt mehr.

          Der Wachstumseinbruch gründet nach Ansicht mancher Volkswirte nicht nur in dem schlechten Winterwetter. Das Minus im Export und durch sinkende Lagerbestände sei eine Gegenreaktion zu übertriebener Stärke im zweiten Halbjahr 2013, kommentierte Harm Bandholz, der Amerika-Volkswirt von Unicredit in New York. Christoph Balz von der Commerzbank verwies darauf, dass die inländische Endnachfrage (ohne Außenhandel und Lager), die den Trend am besten widerspiegele, um 1,5 Prozent gewachsen sei. Das sei kein Grund zum Jubeln, aber auch kein Anlass zur Besorgnis. Zur Vorsicht vor einer zu negativen Einschätzung der BIP-Daten für das erste Quartal mahnt auch, dass die ersten Wachstumsschätzungen des amerikanischen Wirtschaftsministeriums oft deutlich revidiert werden.

          Viele Volkswirte erwarten nun für das laufende zweite Quartal ein kräftiges Wachstum. Die Wirtschaft sei am Ende des ersten Quartals kräftiger gewesen als am Beginn, kommentierten die Volkswirte der kanadischen TD Bank. Viele Wirtschaftsindikatoren haben sich nach der Kältewelle deutlich erholt. Der Einzelhandelsumsatz zog im März deutlich an, ebenso wie der Umsatz von Kraftfahrzeugen. Auch die Industrieproduktion weist nach oben. Die Prognose eines Wachstums von 2,8 Prozent im Gesamtjahr könne sich aber ein wenig zu positiv erweisen, kommentierten Unicredit und Commerzbank. Im vergangenen Jahr war die amerikanische Wirtschaft um 1,9 Prozent gewachsen.

          Augenmerk auf die Federal Reserve

          Das Augenmerk richtet sich nun auf die Federal Reserve, die an diesem Abend eine zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses beenden wird. Erwartet wurde vor der Veröffentlichung der Wachstumsdaten, dass die Zentralbank die Anleihekäufe weiter um 10 Milliarden Dollar auf dann 45 Milliarden Dollar zurücknimmt und den Leitzins bei faktisch Null Prozent beibehält. Viele Volkswirte behielten in ersten Reaktionen diese Erwartung bei. Die Fed hat die Verwerfungen durch den kalten Winter bislang weitgehend als temporäre Störung gesehen, die den Aufwärtstrend der Wirtschaft nicht brechen sollte. Die entscheidende Frage ist nun, ob der deutlich schärfere Wachstumseinbruch als erwartet die Fed von dem Kurs der schrittweisen Zurücknahme der geldpolitischen Stimuli abbringen wird.

          Die amerikanischen Wachstumsraten sind auf ein Jahr hochgerechnet. Damit überzeichnen sie das Wachstum. Nach europäischer Methode, in der die Veränderung des BIP gegenüber dem Vorquartal nicht annualisiert wird, würde Amerika für das erste Quartal direkt eine Stagnation (eine schwarze Null) ausweisen, nach einem Anstieg von 0,6 Prozent im Jahresschlussquartal 2013.

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