https://www.faz.net/-gqe-wi52

Konjunktur : Amerikas Arbeitsmarkt schürt Angst vor Rezession

  • Aktualisiert am

Viele Jobber können einpacken, das Konjunkturprogramm hängt im Kongress fest Bild: AP

Die Angst vor einer Rezession in Amerika hat durch einen Einbruch des Arbeitsmarktes neue Nahrung bekommen. Erstmals seit viereinhalb Jahren baute die Wirtschaft Stellen ab: 17.000, mehr als von vielen Analysten erwartet.

          2 Min.

          Der amerikanische Arbeitsmarkt ist zu Jahresbeginn deutlich abgekühlt. Damit wächst auch die Furcht vor einer Rezession. In Unternehmen außerhalb der Landwirtschaft seien im Saldo 17.000 Stellen gestrichen worden, teilte das Arbeitsministerium am Freitag mit. Das ist der erste Beschäftigungsrückgang seit August 2003. Gleichwohl sank die Arbeitslosenquote wegen einer sinkenden Zahl der Erwerbsfähigen von 5,0 auf 4,9 Prozent, und die Statistiker korrigierten das Stellenplus für Dezember von 18.000 auf 82.000. Bankvolkswirte an der Wall Street hatten mit einer unveränderten Arbeitslosenquote und einem weiteren Beschäftigungszuwachs von rund 65.000 gerechnet.

          Wie aus den Daten hervorgeht, führt die Krise in der Bauwirtschaft weiterhin zu Stellenstreichungen dort. Der Beschäftigungsabbau seit dem Höhepunkt des Aufschwungs im September 2006 summiert sich nun auf 284.000 Stellen. Im produzierenden Gewerbe wurden in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 269.000 gestrichen. Weitaus besser ist die Lage im Dienstleistungssektor, wo weiter zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das gilt insbesondere für das Gesundheitswesen, aber auch im Gaststättengewerbe. Zum ersten Mal seit langem ist nach Angaben des Ministeriums im vergangenen Jahr die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Amerika gestiegen – um 311.000 auf 15,7 Millionen. Insgesamt sind in Amerika 12,1 Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Anfang der achtziger Jahre waren es noch 20 Prozent.

          Konjunkturpaket hängt im Senat fest

          Derweil verzögert sich im Kongress die Verabschiedung eines Programms zur Ankurbelung der Wirtschaft. Den Demokraten im Senat ist es nicht gelungen, genügend Republikaner als Unterstützer für ein Konjunkturpaket zu gewinnen, das umfangreicher und teurer wäre als jenes, dem das Repräsentantenhaus nach einer Einigung mit der Regierung zugestimmt hat. Durch eine großzügigere Gewährung von Steuererstattungen und eine längere Bezugsdauer der Arbeitslosenunterstützung wäre das Paket auf Sicht von zwei Jahren rund 30 Milliarden teurer geworden, als in der anderen Kongresskammer vereinbart. Die Demokraten halten nach Auskunft von Mehrheitsführer Harry Reid an ihrem Vorhaben fest, zunächst ein eigenes Konjunkturpaket zu schnüren. Im Vermittlungsverfahren will man dann einen gemeinsamen Gesetzentwurf erarbeiten. Am kommenden Mittwoch soll über verschiedene Punkte abgestimmt werden, einen Tag nach dem „Super Tuesday“, an dem in 24 der 50 Bundesstaaten Vorwahlen oder Abstimmungen zur Präsidentschaft stattfinden.

          Am Montag wird Präsident George Bush den Entwurf für das Haushaltsjahr 2009 präsentieren, das am 1. Oktober beginnt. Berichten zufolge plant Bush in dem Etat, der insgesamt rund 3 Billionen Dollar umfasst, Einsparungen in Milliardenhöhe. Betroffen davon sind vor allem die staatlichen Krankenversicherungen für Senioren (Medicare) und für Bedürftige (Medicaid). Bush plant offenbar, die Zahlungen an Ärzte, Krankenhäuser und andere Dienstleister im Gesundheitswesen auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Ziel ist es, im Jahr 2012 einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Allerdings droht wegen der schwachen Wirtschaft und wegen des wohl mindestens 150 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpakets für 2008 und 2009 ein Anstieg des Budgetdefizits auf rund 400 Milliarden Dollar, verglichen mit 163 Milliarden Dollar 2007.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Die durchschnittliche Spendensumme für Bernie Sanders liegt bei 18,07 Dollar.

          Unsummen im Wahlkampf : Das weiße Haus des Geldes

          Wer keine Fernsehspots kaufen kann, hat das Nachsehen beim Kampf um die Aufmerksamkeit der demokratischen Wähler. Die Konkurrenz der Milliardäre macht es noch schwerer – aber manche Kandidaten sind davon unbeeindruckt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.