https://www.faz.net/-gqe-a15rr

150 Millionen Dollar Strafe : Was die Deutsche Bank alles für Jeffrey Epstein erledigte

Proteste gegen Jeffrey Epstein am 8. Juli 2019 vor einem Gerichtsgebäude in New York Bild: AFP

Zahlungen an russische Models, auffällige Barabhebungen von insgesamt 800.000 Dollar – viele Transaktionen hätte die Deutsche Bank überprüfen müssen und hat es nicht. Jetzt nimmt sogar Bank-Chef Sewing Stellung.

          1 Min.

          Peinlicher Vergleich für die Deutsche Bank: Für ihre Geschäftsbeziehungen mit dem inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und der in einen Geldwäscheskandal verwickelten Danske Bank muss die Bank eine Strafe von 150 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) zahlen. Die Summe ist verglichen mit früheren Strafzahlungen der Bank überschaubar. Vor allem der Fall Epstein, der über Jahrzehnte minderjährige Frauen an zahlende Kundschaft vermittelt hat, wirft allerdings ein äußerst schlechtes Licht auf die internen Kontrollen der Bank und ihr mangelndes Wissen über ihre Kundschaft – zumindest zu jener Zeit.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das New York State Department of Financial Services (DFS) wirft der Bank erhebliche Regelverstöße in Zusammenhang mit ihren Geschäftsbeziehungen zu Epstein vor und spricht von Hunderten von Transaktionen, welche von der Bank angesichts der bekannten Vorwürfe gegen Epstein hätten überprüft werden müssen. So habe die Bank Zahlungen an russische Models und andere Frauen mit osteuropäischen Namen durchgeführt, mit denen offensichtlich Schulgebühren, Hotelkosten und Mieten beglichen wurden.

          Sewing nimmt Stellung

          Zudem seien der Bank Zahlungen an Personen nicht aufgefallen, denen öffentlich vorgeworfen wurde, Epstein beim sexuellen Missbrauch junger Frauen unterstützt zu haben. Auch regelmäßige auffällige Barabhebungen von insgesamt 800.000 Dollar seien der Bank durchgegangen.

          Besonders frappierend: Selbst als solche Geschäfte von einem Risikokomitee der Bank untersucht worden waren, seien die Ergebnisse teils gar nicht an die zuständigen Kundenbetreuer weitergeleitet oder schlicht falsch interpretiert worden. Auch im Umgang mit der Danske Bank Estonia und der Federal Bank of the Middle East wirft die Finanzaufsicht der Bank Fehlverhalten vor.

          Wie ernst der Fall Epstein in der Bank selbst gesehen wird, zeigt, dass der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing zu dem Vergleich in einem Brief an die Mitarbeiter Stellung nahm: „Es war ein schwerwiegender Fehler, dass wir ihn 2013 als Kunden aufgenommen haben – dazu hätte es nie kommen dürfen.“ Der Vergleich mit der DFS zeige, wie wachsam die Bank bei ihren Kontrollen sein müsse.

          Immerhin: Die Behörde hebt in ihrer Mitteilung hervor, dass die Bank vorbildhaft mit ihr zusammengearbeitet habe. In der Vergangenheit hatten ihr die amerikanischen Aufseher oft eine unzureichende Kooperation vorgeworfen.

          Weitere Themen

          Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu Video-Seite öffnen

          „Fincen-Files“ : Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu

          Die Aktien der Deutschen Bank und anderen Großbanken haben zum Wochenbeginn nach Medienberichten über Datenlecks bei der weltweiten Bekämpfung von Geldwäsche an Wert verloren. Im Zentrum: Die Deutsche Bank.

          Topmeldungen

           Visualisierung des Tunneleingangs auf der dänischen Seite in Rodbyhavn

          Streit um die Ostseequerung : Der Bau im Belt

          Unter der Ostsee soll ein langer Tunnel Deutschland und Dänemark verbinden. Der Widerstand ist heftig – aber nur in Deutschland. Ein Ortsbesuch.
          Autor Heribert Schwan

          Kohl-Biograph : Eine Frage der Tonbänder

          Heribert Schwan, einst Ghostwriter von Helmut Kohl, rückt die Tonbänder mit den Gesprächen der beiden nicht heraus. Vor dem Bundesverfassungsgericht will er sich auf die Pressefreiheit berufen.

          Zurück zur Pandemie : So will Biden gegen Trump punkten

          Ginsburgs Tod gibt Trump Auftrieb. Denn in Amerika reimt sich Supreme Court auf Kulturkampf, und den facht der Präsident gern an. Der Demokrat Biden aber glaubt zu wissen, wie er wieder in die Offensive kommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.