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Genug Schnelltests da? : 150 Millionen Corona-Tests auf Halde

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: dpa

Das Bundesgesundheitsministerium wehrt sich gegen den Vorwurf, nach dem Impfen jetzt auch das Testen zu verstolpern. Man habe alles vorbereitet, jetzt seien die Länder dran.

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          Die Corona-Tests in Deutschland laufen nach Ansicht der Bundesregierung viel besser, als es scheint. Die am Mittwoch von der Bund-Länder-Konferenz festgelegte Ausweitung der Nachweisstrategie beschleunige das Verfahren noch, sie sei gut vorbereitet und bilde die Voraussetzung für die ebenfalls am Vortag beschlossene schrittweise Öffnung des Lockdowns, hieß es am Donnerstag in Berlin. „Schnelltests sind bereits ausreichend auf dem Markt“, versicherte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Es gebe dazu aber eine „irreführende Berichterstattung“ und viele Missverständnisse.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          In den Lagern der Hersteller lägen 150 Millionen Schnelltests „auf Halde und können direkt geliefert werden“. Die Bundesregierung habe sich über bilaterale und europäische Rahmenverträge (MoU) weitere 800 Millionen Stück für das laufende Jahr gesichert. Das tatsächliche Marktangebot werde diese Menge aber „bei weitem übertreffen“. Wichtig sei jedoch, dass die Länder und Kommunen die bereitstehenden Tests auch abriefen. Sie täten das bereits seit längerem bei Pflegeheimen.

          Was die so genannten Laien-Selbsttests zur Eigenanwendung ohne geschultes Personal angeht, habe sich der Bund 200 Millionen davon gesichert, obgleich die ersten Modelle erst vergangene Woche zugelassen worden seien, sagte der Sprecher. Mit der Markteinführung sei kommende Woche zu rechnen. Es gebe weitere Gespräche mit Herstellern: „Auch hier wird das tatsächliche Marktangebot die gesicherten Kontingente bei weitem übertreffen.“

          „Da müssten wir weiter sein“

          Nach dem Treffen der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder, das sich bis in die Nacht zum Donnerstag hineinzog, hatte es massive Kritik an der Teststrategie und an dem verantwortlichen Minister Spahn gegeben. FDP-Chef Christian Lindner sprach von schweren Managementfehlern. „Dass sich jetzt das Problem bei der Bestellung von Masken, bei der Beschaffung von Impfstoffen zu wiederholen scheint bei den Schnell- und den Selbsttests, das ist ein grobes Versagen der Bundesregierung“, sagte er im Deutschlandfunk. „Da könnten und müssten wir weiter sein.“

          Ähnliche Kritik kam von den Grünen. „Als Bürger fühlt man sich im Stich gelassen“, sagte deren Vorsitzender Robert Habeck in derselben Sendung. „Es wird auf Hoffnung gesetzt, das ist aber keine Strategie“, kritisierte Habeck. Die Bundesregierung verheddere sich in Bürokratie, anstatt rasch zu handeln und massenhaft Schnelltests zu bestellen. „Wir sind am Beginn einer dritten Welle und reden über Öffnung, statt über Impfen, über Testen, über Nachvollziehbarkeit zu reden“, so Habeck. Erst müsse getestet werden, dann könne der Lockdown zurückgefahren werden.

          Tatsächlich musste Spahn seine Pläne zum großflächigen Testen mehrmals zurechtstutzen. Seinen Vorstellungen nach hätte es eigentlich seit diesem Montag, dem 1. März, kostenfreie „Schnelltests für jedermann“ geben sollen. Vorgesehen war, sie durch geschultes Personal in Praxen, Apotheken, Testzentren und anderen berechtigten Einrichtungen abnehmen zu lassen. Die Kosten sollte der Bund tragen. Zugleich hatte Spahn vorgesehen, so genannten Laien-Selbsttests zu bezuschussen. Diese können überall verkauft werden, auch in Supermärkten, Discountern oder Drogerien.

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