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15,8 Milliarden Euro : Volkswagen erzielt Rekordgewinn aller Dax-Werte

Das Stammwerk von Volkswagen in Wolfsburg Bild: dapd

Europas größter Autobauer VW hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 15,8 Milliarden Euro erzielt. Erstmals hatte der Konzern in einem Jahr weltweit mehr als acht Millionen Fahrzeuge ausgeliefert.

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          Der Volkswagen-Konzern hat das vergangene Jahr mit einem Ergebnis abgeschlossen, das alle Rekorde bricht. Der Jahresüberschuss von Europas größtem Automobilhersteller stieg auf 15,8 Milliarden Euro nach 7,2 Milliarden Euro im Jahr 2010. Das teilte der Konzern am Freitag mit, nachdem erste Informationen über den Geschäftsverlauf 2011 durchgesickert waren. Das ist der höchste Gewinn, den jemals ein im Deutschen Aktienindex (Dax) geführtes Unternehmen erzielt hat; den Dax gibt es seit 1988. Die Märkte hatten mit einem Ergebnis in dieser Größenordnung allerdings gerechnet, daher reagierte der Aktienkurs kaum. Am Nachmittag notierten die VW-Vorzugsaktien sogar 1 Prozent niedriger als zu Beginn des Handels.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Das genannte Nettoergebnis ist durch Sondereffekte aufgebläht. Nachdem VW die Fusion mit Porsche im vergangenen Jahr aufgrund rechtlicher Risiken abgesagt hatte, mussten beide Unternehmen Kauf- und Verkaufsoptionen neu bewerten, die sie einander eingeräumt hatten. Nach Analystenschätzungen schlug sich dieser Effekt bei VW mit rund 6 Milliarden Euro positiv im Ergebnis nieder. Doch auch im operativen Geschäft kam VW deutlich voran: Das Ergebnis stieg um fast 60 Prozent auf rund 11,3 Milliarden Euro. Hierzu dürfte die Tochtergesellschaft Audi besonders stark beigetragen haben. Die Stammaktionäre sollen eine um 80 Cent auf 3 Euro erhöhte Dividende bekommen. Die Arbeitnehmer sehen sich in ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn bestätigt: „Angesichts der heute veröffentlichten Zahlen liegen wir mit unserer Tarifforderung genau richtig“, sagte der VW-Betriebsratschef und IG-Metall-Vorstand Bernd Osterloh dieser Zeitung.

          Der Jahresüberschuss von Volkswagen ist der höchste Gewinn, den jemals ein im Deutschen Aktienindex (Dax) geführtes Unternehmen erzielt hat. Kein anderer deutscher Konzern kann derzeit mit dem Autohersteller mithalten. Zwar ist das jüngste Ergebnis durch Sondereffekte aufgebläht – nachdem VW die Fusion mit Porsche im vergangenen Jahr wegen rechtlicher Risiken abgesagt hatte, mussten beide Unternehmen Kauf- und Verkaufsoptionen neu bewerten. Aber auch im Autoverkauf lief es rund.

          Zuletzt hatten auch einige Konkurrenten starke Zahlen präsentiert. Der Branchenprimus General Motors steigerte seinen operativen Gewinn im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel auf umgerechnet rund 6,2 Milliarden Euro. Daimler erhöhte sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern um rund 20 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Der koreanische Hersteller Hyundai, der VW immer gefährlicher wird, meldete einen Nettogewinn von 5,5 Milliarden Euro. Die Unternehmen profitieren von der guten Autokonjunktur im Allgemeinen und steigenden Absatzzahlen in China im Besonderen.

          Der VW-Konzern hat den Umsatz 2011 um ein Viertel auf rund 160 Milliarden Euro erhöht, wobei auch Konsolidierungseffekte eine Rolle spielten. Detaillierte Zahlen für die einzelnen Absatzmärkte und Marken der Gruppe legen die Wolfsburger am 12. März vor. Marc-René Tonn von der Bank M.M.Warburg schätzt, dass VW im vergangenen Jahr seinen Absatz in China um etwas weniger als ein Fünftel steigern konnte. Auch Nordamerika und Osteuropa dürften Volkswagen gutes Wachstum gebracht haben, sagt Tonn. Allerdings rechnet er nicht damit, dass VW das Ergebnis des vergangenen Jahres im laufenden Turnus wiederholen wird. Die Schwäche des europäischen Marktes belaste den Konzern, zudem muss VW nach Tonns Einschätzung auch 2012 viel Geld aufwenden, um neue Produktionstechniken einzuführen. Auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch-Gladbach glaubt nicht, dass VW in diesem Jahr abermals so gut abschneidet. Er rechnet zwar mit einem globalen Marktwachstum von 2 bis 3 Prozent. Im Heimatmarkt Europa sei allerdings ein Abschwung von 5 Prozent zu erwarten. „Auch die steigenden Rohstoffpreise werden das Ergebnis belasten“, sagt Bratzel. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist weniger skeptisch. Seiner Ansicht nach kann VW sein operatives Ergebnis um 10 Prozent steigern.

          Bis zum Jahr 2018 will VW die Weltspitze erobern und 10 Millionen Autos verkaufen. Diesem Ziel kam VW 2011 ein gutes Stück näher: 8,3 Millionen Fahrzeuge wurden ausgeliefert, rund 15 Prozent mehr als 2010. General Motors hat 9 Millionen Autos verkauft. Der japanische Hersteller Toyota, der unter den Folgen der Atomkatastrophe litt, will im Geschäftsjahr 2011/12, das am 31. März endet, rund 7,4 Millionen Fahrzeuge absetzen.

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