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Spotify-Gründer Ek : Retter der Musikindustrie

34 Jahre jung und Schwede: Spotify-Gründer Daniel Ek Bild: Spotify

Daniel Ek schafft Platz im CD-Regal. Mehr als 130 Millionen Menschen hören Musik über seinen Dienst Spotify. Ein Glück, dass er nicht Gitarrist geworden ist.

          Grammophonarchiv, wie das schon klingt. Nach Museumsstille, nach Staub, nach vorgestern, analog bis zum Anschlag. Was hat Daniel Ek dort bloß verloren, der Spotify-Gründer, der zwar erst 34 Jahre alt ist, aber schon weithin als Retter der Musikbranche gefeiert wird, als Starunternehmer sowieso und gern auch als eine Galionsfigur des digitalen Zeitalters?

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als ob es in Stockholm, seiner Heimatstadt, nichts Aufregenderes gäbe als die schier endlosen Regale hinter den grauen Betonmauern des öffentlich-rechtlichen Funkhauses. Anderthalb Millionen Tonträger lagern hier, Schellack- und Vinylplatten, CDs und sogar Notenrollen für elektrische Klaviere. Eine der größten Sammlungen ihrer Art, Reste einer versinkenden Kulturtechnik. Aber Daniel Ek muss seine Begeisterung nicht spielen, als ihm der Sender eine Sonderführung durch das Archiv spendiert. Es ist, sagt er, das Vorbild für seine eigene funkelnde Geschäftsidee.

          Deutsche kaufen noch immer lieber CDs

          Wer nicht weiß, wie Spotify funktioniert, muss sich nicht schämen. Jedenfalls nicht in Deutschland, wo die Mehrzahl der Leute Musik immer noch am liebsten auf CDs kauft. In anderen Ländern ist das anders, in Schweden sowieso, aber auch in Amerika. Da hat Daniel Ek die Kräfteverhältnisse auf dem Musikmarkt schon umgedreht. Dort wird heute mehr Geld mit der Spotify-Methode verdient als mit herkömmlichen Tonträgern.

          Das Prinzip ist schnell erklärt: Spotify ist tatsächlich so etwas wie das Grammophonarchiv, eine Art Leihbibliothek für Musik. Nur dass niemand mehr hinfahren muss, um sich ein Stück anzuhören. CDs und Platten gibt es auch nicht mehr.

          Die Musik ist stattdessen auf den Servern der Firma gespeichert, von dort wird sie über das Internet auf die Computer, Telefone oder Lautsprecher der Kunden übertragen. Die Technik nennt sich Streaming. Wer als Abonnent zehn Euro im Monat überweist, hat Zugriff auf schätzungsweise 30 Millionen einzelne Titel. Solange das Abo besteht, kann man beliebig viele davon beliebig oft abspielen. Wer Werbeeinblendungen akzeptiert, bekommt Spotify auch als Gratisversion.

          Nicht mehr allein für Computernerds

          Daniel Ek hat das Streaming nicht erfunden, als er Spotify zusammen mit einem Kompagnon vor elf Jahren gegründet hat. Aber erst Spotify hat das Verfahren massentauglich gemacht. Mit einer einfachen Bedienung, einer riesigen Musikauswahl und einem wasserdichten Geschäftsmodell. Vorher war das Streaming eine Sache von Jugendlichen und Computernerds, die sich um Urheberrechte nicht scherten. Napster hieß die Internetseite, die ihre Bedürfnisse bediente, Hauptsache gratis.

          Heute hat Spotify nach eigenen Angaben mehr als 50 Millionen zahlende Kunden und Lizenzverträge mit allen großen Plattenfirmen. Für jedes abgespielte Stück wird eine Gebühr fällig. Das ist der Clou an der Sache: Daniel Ek hat die großen Musikkonzerne wie Universal, Sony und Warner binnen weniger Jahre mit der Digitalisierung versöhnt, vor der sie sich zuvor noch gefürchtet hatten wie der Teufel vorm Weihwasser. Gegen die Musikpiraterie im Internet fiel ihnen schlicht nichts Brauchbares ein. Dass ihre Umsätze nach einer jahrelangen Talfahrt seit kurzem wieder zunehmen, liegt fast ausschließlich am Streaming.

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