https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/1-78-milliarden-euro-milliardenverlust-fuer-thyssen-krupp-11548608.html

1,78 Milliarden Euro : Milliardenverlust für Thyssen-Krupp

  • -Aktualisiert am

Der neue Hauptsitz von ThyssenKrupp in Essen Bild: AFP

Eigentlich wollte der Stahl- und Industriegüterkonzern seine Bilanz erst in der kommenden Woche vorstellen. Nun hatte es das Management plötzlich ganz eilig. Der Konzern muss einen Verlust von fast 1,8 Milliarden Euro verbuchen.

          2 Min.

          Eine Belastung von mehr als 3 Milliarden Euro durch die neuen amerikanischen Stahlwerke werfen den Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp überraschend tief in die Verlustzone zurück. Obwohl sich fast alle Geschäftsbereiche gut entwickelt haben, ist in dem im September beendeten Geschäftsjahr ein Jahresfehlbetrag von fast 1,8 Milliarden Euro angefallen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Verschlechterung um 2,7 Milliarden Euro. Dennoch will Thyssen-Krupp aus der Konzernsubstanz eine Dividende von unverändert 0,45 Euro zahlen, wie in einer überraschend vorgezogenen Bilanzpressekonferenz am Freitag bekanntgegeben wurde. Dafür stehen im Abschluss der Aktiengesellschaft knapp 500 Millionen Euro zur Verfügung. Damit trägt das Unternehmen den Interessen des Großaktionärs, der Krupp-Stiftung, Rechnung.

          Die Ergebnisverschlechterung entspricht in etwa den hohen Wertkorrekturen, mit denen der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger die großen Schwachstellen im Konzern bereinigt. So wurden Abschreibungen in Höhe von 2,1 Milliarden auf die neuen Betriebe in Brasilien und 800 Millionen Euro beim Buchwert des auf die Verkaufsliste gestellten Edelstahlgeschäftes veröffentlicht. Operativ sind in der neuen brasilianischen Hütte und den Walzwerken in Alabama in den Vereinigten Staaten in ihrer Anlaufphase 1,07 Milliarden Euro Verlust angefallen, was nur leicht über der Prognose lag. Die zusätzlichen Wertkorrekturen begründete Hiesinger im Wesentlichen mit Kostenüberschreitungen beim Bau und beim Anlauf der auf 5,2 Milliarden Euro stark verteuerten Hütte in Brasilien. Außerdem verwies er auf eine „erneute Schwäche der Absatzmärkte in den Vereinigten Staaten und Europa, die den Markteintritt für die Produkte erschweren“.

          Viel Geld in den Sand gesetzt: Werk von Thyssen-Krupp in Brasilien
          Viel Geld in den Sand gesetzt: Werk von Thyssen-Krupp in Brasilien : Bild: ThyssenKrupp

          Der Blick nach vorn für den Konzern mit 180 000 Beschäftigten und 50 Milliarden Euro Umsatz bleibt vage. „Zu unsicher sind die Signale aus dem Markt und die Unsicherheit über den politischen Umgang mit den Turbulenzen auf den Finanzmärkten, um eine über das erste Geschäftsquartal hinausgehende Prognose zu stellen“, sagte der von Siemens abgeworbene, seit Januar amtierende Thyssen-Krupp-Chef. Zuversichtlich ist er lediglich, dass das laufende Sparprogramm im nächsten Geschäftsjahr beim Ergebnis zu einer Entlastung von 300 Millionen Euro führen wird.

          Bei Stahl Amerika erwartet Hiesinger eine Ergebnisverbesserung frühestens im zweiten Geschäftshalbjahr. Ferner ist der Vorstand auf einen Ergebnisrückgang im ersten Geschäftsquartal bei den europäischen Stahlaktivitäten sowie den Werkstoffdienstleistungen eingerichtet. Stabiler wird die Entwicklung im Anlagenbau, bei den Aufzügen und im Komponentengeschäft eingeschätzt. Unter dem Strich prognostizierte Hiesinger für das laufende Quartal ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen deutlich unter Vorjahreswert von rund 400 Millionen Euro.

          Für den Stahl- und Industriekonzern hatte das vergangene Geschäftsjahr zwei Gesichter. Denn abgesehen von Stahl Amerika haben sich alle anderen Geschäfte gut geschlagen. So haben der Auftragseingang um 22 Prozent auf 50,2 Milliarden Euro und der Umsatz um 42 Prozent auf 49 Milliarden Euro zugelegt. Noch stärker ist das um einmalige Faktoren bereinigte Ergebnis um 42 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gewachsen. Die günstige operative Entwicklung bestätige die im Mai eingeleitete Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder, sagte Hiesinger. So will sich Thyssen-Krupp bis Ende 2012 von Unternehmen mit 11 Milliarden Umsatz und 35 000 Beschäftigten trennen. Hier kündigte er für die nächsten Wochen und Monate weitere Verkaufsentscheidungen an. Beim größten Projekt, dem Rückzug aus dem 2011 in Inoxum umbenannten Edelstahlgeschäft, will sich der Vorstand in der Entscheidung über einen Verkauf oder Börsengang noch einige Monate Zeit nehmen.

          Weitere Themen

          Warum der Kunde nicht mehr König ist

          Marktwirtschaft : Warum der Kunde nicht mehr König ist

          Immer mehr Dienstleister konzentrieren ihre Kreativität darauf, mögliche Abnehmer zu vergraulen. Sie haben dafür gute Gründe, denn nicht nur die Pandemie verändert die Situation. Gerade der Personalmangel macht ihnen zu schaffen.

          US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu Video-Seite öffnen

          Im März : US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu

          Angesichts der hohen Inflationsrate steuert die US-Notenbank Fed auf eine Erhöhung der Leitzinsen zu. Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank die Leitzinsen beim nächsten Treffen des Gremiums im März anheben könnte.

          Topmeldungen

          „Der Kunde ist König“ gilt schon lange nicht mehr. Dienstleister wollen oft sogar eher abschrecken.

          Marktwirtschaft : Warum der Kunde nicht mehr König ist

          Immer mehr Dienstleister konzentrieren ihre Kreativität darauf, mögliche Abnehmer zu vergraulen. Sie haben dafür gute Gründe, denn nicht nur die Pandemie verändert die Situation. Gerade der Personalmangel macht ihnen zu schaffen.