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: Wer Anleihen besitzt, muß Federn lassen

So leicht wie in den vergangenen Jahren wird es künftig nicht mehr sein, am Rentenmarkt attraktive Gewinne zu erzielen. Darin sind sich die Analysten einig. Seit dem Ende des Aktienbooms im Jahr 2000 hatten Anleihen bessere Erträge erzielt als Aktien.

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          So leicht wie in den vergangenen Jahren wird es künftig nicht mehr sein, am Rentenmarkt attraktive Gewinne zu erzielen. Darin sind sich die Analysten einig. Seit dem Ende des Aktienbooms im Jahr 2000 hatten Anleihen bessere Erträge erzielt als Aktien. Doch in diesem Jahr hat die Rentenhausse erstmals einen Kratzer bekommen. Am Ende wird bei vielen kaum ein Gewinn übrigbleiben. Und auch im kommenden Jahr sollten die Anleger gut aufpassen, um nicht Verluste zu erzielen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Meinung der Anleiheexperten der WestLB müssen sich die Anleger am Rentenmarkt auf eine Berg-und-Tal-Fahrt einstellen. "In der ersten Jahreshälfte werden die Renditen der Papiere mit zehnjähriger Laufzeit zunächst anziehen, da die Märkte ein starkes Wachstum in Amerika und eine striktere Geldpolitik erwarten", sagt Sanjit Maitra, Leiter des Researchs bei der WestLB Global Financial Markets. Das bedeutet Kursverluste für die Anleihen. "Nachdem jedoch klar wird, daß sich das vor allem aus fiskalischen Impulsen gespeiste Wachstum in Amerika etwas abschwächen wird, werden die Renditen wieder fallen, da weiter Preisstabilität erwartet wird", sagt Maitra.

          Damit hat er die Parameter benannt, die über den Erfolg am Rentenmarkt im kommenden Jahr entscheiden. Ausschlaggebend wird sein, wie stark die Wirtschaft in Amerika und in Europa wächst. Je mehr Dynamik, desto größer ist die Gefahr von Inflation. Solche Preissteigerungen sind Gift für die Anleihen weltweit und drücken die Kurse. Wichtig ist aber auch, welche Zinspolitik die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank jeweils verfolgen. Erhöhen sie die Leitzinsen, weil sie Inflationsrisiken sehen, könnten die Kurse unter Druck geraten.

          Davon gehen die Experten für die zweite Jahreshälfte aus, wobei die Fed den ersten Schritt machen dürfte. Für die Anlageentscheidung ist zudem der Euro-Kurs von Bedeutung. Steigt er, dämpft er die Inflation und begünstigt damit die europäischen Anleihekurse. Die meisten Analysten erwarten einen stärkeren Euro und damit positive Effekte für europäische Anleihen und negative für amerikanische Papiere, denn hier müssen Europäer Währungsverluste befürchten, die den Zinsertrag auffressen können.

          Eine steigende Inflation wirkt sich besonders gravierend auf Anleihen mit langen Laufzeiten aus. Viele Analysten empfehlen daher, solche Laufzeiten im kommenden Jahr zu meiden. So erwartet die ING BHF Bank einen leichten Anstieg der Inflation. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen würden dadurch von rund 4,3 auf 4,6 Prozent steigen, verbunden mit entsprechenden Kursverlusten. Damit würden sie freilich im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig rentieren (siehe Grafik). Allerdings dürfte die Rendite kräftig zwischen 4,0 und 5,2 Prozent schwanken. Kürzere Laufzeiten böten nach Meinung der Bank einen besseren Schutz, falls der Renditeanstieg unerwartet kräftig ausfalle.

          Die DZ Bank rechnet ebenfalls nur mit einem leichten Anstieg der europäischen Renditen bei langen Laufzeiten auf 4,55 Prozent in den kommenden drei Monaten. Die Erholung der Wirtschaft sei schon weitgehend in den Kursen berücksichtigt. Die Bank empfiehlt zwei- bis vierjährige Laufzeiten. Für diesen größeren Schutz vor Inflation muß allerdings ein kräftiger Abschlag in der Rendite in Kauf genommen werden. Staatliche Papiere mit Laufzeiten von zwei Jahren werfen derzeit gerade einmal eine Rendite von 2,5 Prozent ab.

          Wer mehr haben will, muß größere Risiken eingehen. Zum Beispiel, indem er in Unternehmens- statt in Staatsanleihen investiert. Hier kommt es besonders auf die Bewertung der Schuldneragenturen Standard & Poor's und Moody's an. Ihr Rating zeigt die Gefahr eines Zahlungsausfalls an. Das Risiko sollte nicht unterschätzt werden, denn solche Ausfälle kommen immer wieder mal vor. Vor allem bei Unternehmen mit einem Rating schlechter als BBB- beziehungsweise Baa3, der letzten Stufe, die noch zum qualitativ höherwertigen "Investment Grade" zählt.

          Wer das Risiko allerdings eingeht, der kann Renditen von mehr als zehn Prozent erzielen. Durch die Erholung der Wirtschaft ist die Gefahr von Zahlungsausfällen ein wenig gesunken. Damit sind gleichzeitig aber auch die Renditen der Unternehmensanleihen gefallen. Der Abstand zu den Staatsanleihen ist auf einem historisch niedrigen Stand. "Dadurch ist das Potential für überdurchschnittliche Erträge begrenzt", schränkt die ING-BHF-Bank ein. Verbesserte Ratings, steigende Aktienmärkte und weniger Neuemissionen sprächen aber für eine gute Unterstützung solcher Anleihen im kommenden Jahr.

          Wer besonders mutig ist, kann sein Heil auch in Anleihen aus Schwellenländern suchen. Die osteuropäischen Beitrittsländer haben dabei viele Analysten auf der Empfehlungsliste. Aber Vorsicht, das Beispiel Argentinien zeigt: Auch Staatsanleihen aus Schwellenländern sind keinesfalls sicher.

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