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Wechsel im Vatikan : Franzose als neuer Vatikanbank-Chef im Gespräch

  • -Aktualisiert am

Könnte bald einen neuen Job im Vatikan haben: Jean-Baptiste de Franssu Bild: Eilmes, Wolfgang

Der deutsche Unternehmer Ernst von Freyberg zieht sich von seinem Posten als Chef der Vatikanbank zurück. Liegt es an Kommunikationsproblemen mit dem Papst? Indes zeichnet sich bereits eine mögliche Lösung für seine Nachfolge ab.

          Seit Dienstag tagt im Vatikan hinter verschlossenen Türen neuerlich das Gremium der acht Kardinäle (G 8), das den Papst bei seiner Kurienreform beraten soll. Für Mittwochmorgen hatte Franziskus den Aufsichtsrat der Kardinäle für das „Institut für religiöse Werke“ (IOR) herbeizitiert; denn der Papst hat zwar einen Wirtschafts- und Finanzrat unter dem Australier George Kardinal Pell geschaffen sowie ein Aufsichtsgremium über diesem Rat unter Reinhard Kardinal Marx, aber die sogenannte Vatikanbank ist bisher nicht in diese Struktur einbezogen. Es gab bisher nur eine Erklärung des Papstes, dass er das IOR nicht auflösen wolle, und mehrfach wurde die Arbeit des bisherigen deutschen Präsidenten Ernst Freiherr von Freyberg gewürdigt, den Papst Benedikt XVI. nach einer internationalen Ausschreibung von einem Frankfurter Headhunter empfohlen bekommen und im Februar 2013 eingesetzt hatte.

          Nun aber endet offenbar die Ära Freyberg. Seit Tagen kursieren Gerüchte, der Papst habe Kommunikationsprobleme mit dem deutschen Familienunternehmer, der sich zudem auch nicht mit dem Prälaten für die Bank, Pater Battista Ricca verstehe. Von diesem Geistlichen hatte die italienische Zeitschrift „L`Espresso“ im Juli 2013 behauptet, er habe als Vatikandiplomat im Ausland mehrere gleichgeschlechtliche Affären gehabt. Ricca galt lange als Vertrauter des Papstes; und Freyberg hat wohl keine engen Kontakte zu Papst Franziskus.

          Aber bisher hat Einklang zwischen Freyberg und Franziskus geherrscht; und so wiederholte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi am Mittwoch die Wertschätzung für den deutschen Manager: „Der Beitrag des Präsidenten Ernst von Freyberg wird weiter außerordentlich gewürdigt und sehr positiv eingeschätzt.“ Zugleich hieß es in Lombardis Erklärung, das IOR stecke in einer „Zeit des Übergangs“, und die verlaufe in aller „Gelassenheit und Normalität“. Nach der Sitzung des neuen Wirtschaftsrates von Kardinal Pell, der am Samstag tagen und bei der es um die IOR-Satzung und die voraussichtliche Bilanz für 2014 gehen werde, seien für kommende Woche „weitere Klarstellungen“ für die Öffentlichkeit „möglich“.

          So lange warten freilich die Gerüchtemacher nicht. Im Pressesaal des Vatikans heißt es, dass die Neuordnung der Vatikanfinanzen mit den G-8-Beratungen und denen des Wirtschaftsrats zu einer Neubesetzung des Präsidenten-Posten führen werde. Der Franzose Jean-Baptiste de Franssu werde an Freybergs Stelle treten. Franssu arbeitet in der international tätigen Beraterfirma Incipit und ist Partner der amerikanischen Berater-Firmer Guardiola. Er genieße Pells Vertrauen, ist zu hören. Aus der Vatikanbank gibt es dazu keine offiziellen Verlautbarungen, auch wenn der Abschied Freybergs inoffiziell bestätigt wird.

          Über die letzten Monate war Freyberg, der auch in Frankfurt Mitglied verschiedener Aufsichtsräte ist, jeweils an drei Tagen der Woche nach Rom gereist und hatte im Gästehaus der Heiligen Martha gewohnt. Schon vor Monaten hieß es, die Bank sei auf „gutem Wege, die Strukturen seien geschaffen“. Das legt jetzt die Vermutung nahe, dass die Zeit von Feuerwehrmann Freyberg „normal“ zu Ende geht. Freyberg hatte sich nie für den Job im Vatikan aufgedrängt; als Kirchenkatholik und Malteserritter hatte er sich aber auch nicht dem Ruf von Papst Benedikt XVI. entziehen wollen. 

          Neue Papst-Enzyklika im Spätherbst

          Papst Franziskus ist übrigens bei den G-8-Sitzungen nach Auskunft von Vatikansprecher Pater Federico Lombardi ständig dabei. So war es auch am Mittwochmittag, denn für den gesamten Juli hat der Papst alle Generalaudienzen abgesagt. Er nehme sich Zeit für eine Enzyklika zur Ökologie des Menschen, die er im Spätherbst verkünden wolle, heißt es. Auch wolle er etwas ausspannen, nachdem er in den letzten drei Tagen dreimal Termine wegen Überlastung abgesagt hatte.

          Auf der Tagesordnung der Kardinäle ist nach der erfolgten Beratung über die Konsistorien (Ministerien) die Auseinandersetzung mit den Päpstlichen Räten. Dabei geht es weiter um Straffung, Transparenz und Einsparungen; so wird offenbar über die Fusion der Päpstlichen Sozialräte spekuliert. Der Sozialrat Justitia et Pax, der Entwicklungshilfe- und Caritasrat Cor Unum sowie der Migrantenrat könnten zusammengelegt werden. Ebenso könnten die Räte für Laien und Familie fusionieren. Auch der Sektor Pressearbeit steht offenbar zur Diskussion. Externe Berater von McKinsey wurden um Vorschläge gebeten, Medienrat, Radio Vatikan und Vatikanzeitung L`Osservatore Romano“ besser aufeinander abzustimmen.

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