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Tarifkonflikt bei der Lufthansa : Ramsauer vermittelt vorerst vergeblich

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Bundesregierung hat am Sonntag zunächst erfolglos versucht, zwischen dem Vorstand der Deutschen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zu vermitteln. Zumindest zu Wochenbeginn scheint ein Streik unumkehrbar. Verkehrsminister Ramsauer ist enttäuscht.

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          Die Bundesregierung hat am Sonntag zunächst erfolglos versucht, zwischen dem Vorstand der Deutschen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu vermitteln. Ziel war es, den anstehenden Streik von etwa 4500 Piloten abzuwenden. Der für vier Tage angesetzte Arbeitsausstand wäre der größte Streik in der Geschichte der Fluggesellschaft und hätte erhebliche Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft.

          Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern ist der Streik zumindest für Montag unumkehrbar. Davon zeigte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) enttäuscht. Er sagte: „Wir wissen alle, dass ein Streik zu diesem Zeitpunkt verheerende Folgen haben könnte, die weit über die Luftfahrtwirtschaft hinausgehen.“ Er wolle nun alles unternehmen, um den zerstrittenen Parteien zu verdeutlichen, dass dieser Arbeitskampf „nicht allein ihre Privatsache“ sei, sondern große gesamtwirtschaftliche Bedeutung habe. Denn der Streik sei ein „verheerendes Zeichen für andere Tarifbereiche“.

          Mit Merkels Unterstützung in einer Moderatorenrolle

          Die Gewerkschaft will die meisten Flugzeuge der Deutschen Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Germanwings von Montag an nicht mehr fliegen lassen. Mehrere Gespräche zwischen Vorstand und VC am Wochenende waren ergebnislos geblieben. In der Nacht zum Sonntag fand das zunächst letzte Gespräch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber und dem Präsidenten der VC, Winfried Streicher, statt. Ohne Erfolg.

          Es droht der größte Streik in der deutschen Luftfahrtgeschichte

          Am Sonntagnachmittag versuchte dann der Bundesverkehrsminister zu vermitteln. Später erklärte er, er sehe sich mit Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Moderatorenrolle. Er habe das Ziel, beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen und so den geplanten Streik abzuwenden.

          Der Konzernsprecher der Lufthansa, Klaus Walther, sagte: „Wir sind offen für Gespräche ohne Vorbedingungen.“ Voraussetzung müsse sein, dass unabhängig vom Forderungskatalog der Pilotengewerkschaft gesprochen werden könne. Im Kern gehe es nicht mehr um Arbeitsplatzgarantien oder Lohnzusagen, sondern um Mitwirkungsrechte der Piloten auf unternehmerische Entscheidungen, heißt es seitens des Lufthansa-Vorstands. Ein Verhandlungspapier der VC, das dieser Zeitung vorliegt, unterstreicht diese Sicht.

          Nullrunden gegen Arbeitsplatzgarantie?

          „Wir sind bereit, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2012 zu geben“, sagte Personalvorstand Stefan Lauer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Was er nicht sagt, aber aus Verhandlungskreisen verlautet: Die Konzernführung ist offenbar sogar bereit, den Garantiezeitraum auf 2013 oder 2014 auszudehnen. Im Gegenzug erwartet der Lufthansa-Vorstand mehr als die bisher angebotenen 12 Monate Gehaltsnullrunde. „Gibt es ein vernünftiges finanzielles Entgegenkommen der Vereinigung Cockpit, haben wir überhaupt kein Problem damit, die Arbeitsplätze in der Lufthansa zu garantieren“, sagt Lauer. Das könnte eine längere Nullrunde oder die Verschiebung der „Auslöseschwellen“ für Überstunden um eine halbe Stunde sein.

          Angesichts der Entlohnung der Piloten und der schwierigen Lage in der Branche sollten diese Punkte keine große Hürde sein. Ein Pilot der Lufthansa verdient zu Beginn seiner Karriere, in der Regel im Alter von Anfang zwanzig, etwa 75 000 Euro brutto. Ein Kapitän startet mit rund 115 000 Euro, ein erfahrener Kapitän kommt auf 260 000 Euro. Spitzenverdiener sind Check-Kapitäne, die andere Piloten überprüfen, mit rund 315 000 Euro.

          Die VC indes macht sich Sorgen, dass die Konzernführung Strecken von Tochtergesellschaften mit günstigerem Personal bedienen lässt und Arbeitsplätze aus der Stammmannschaft („Lufthansa Classic“) verlagert. Kommt der Vorstand der VC-Forderungen nach, könne die Lufthansa zum Beispiel nicht Brussels Airlines - an der sie 49 Prozent hält - von Brüssel nach Berlin oder von Brüssel über Amsterdam nach Hamburg fliegen lassen. „Das ist doch absurd“, meint Lauer. Noch mehr erzürnt ihn die Forderung der VC, dass sämtliche Beteiligungen der Lufthansa in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags fallen. Lauer spricht von einer „extremsten Dachmarkeninterpretation“, die inakzeptabel sei.

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