https://www.faz.net/-1yv-yuvp

Präsidentenwahl in Nigeria : Wahlsieg Jonathans zeichnet sich ab

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

In Nigeria hat Amtsinhaber Jonathan die Präsidentenwahl offenbar in der ersten Runde mit fast 60 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Wahl verlief friedlich, doch nun greifen Anhänger des Herausforderers Buhari im muslimisch dominierten Norden des Landes Christen an.

          2 Min.

          Angesichts des sich abzeichnenden Sieges von Amtsinhaber Goodluck Jonathan bei der Präsidentschaftswahl in Nigeria haben sich Anhänger seines wichtigsten Herausforderers Muhammadu Buhari heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften geliefert.

          In Kano, der wichtigsten Stadt im muslimisch dominierten Norden des Landes, griffen sie am Montag zudem Christen an und schlugen auf sie ein, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

          Jonathan, ein Christ aus dem Süden Nigerias, hatte erst im vergangenen Jahr die Nachfolge des schwer erkrankten und inzwischen gestorbenen Präsidenten Umaru Yar'Adua an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas angetreten. Nach vorläufigen Ergebnissen vom Montag erhielt Jonathan 22 Millionen Stimmen, etwa doppelt so viele wie der ehemalige Militärmachthaber Buhari.

          Weit abgeschlagen landete der ehemalige Finanzermittler Nuhu Ribadu, der sich durch die Bekämpfung der Korruption profiliert hatte, mit 5,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolgt bei rund 50 Prozent der etwa 74 Millionen Stimmberechtigten. Zu den Wahlen am Samstag waren insgesamt 19 Kandidaten angetreten. Rund 50 Prozent der 150 Millionen Nigerianer sind Muslime, etwa 40 Prozent Christen.

          Vor allem in den christlichen Bundesstaaten des Süden und in den zentralen Staaten verzeichnete Jonathan hohe Gewinne. Im Norden hingegen konnte Muslim Buhari gute Erfolge verbuchen. Jonathan ging für die Regierungspartei PDP ins Rennen. Es ist das erste Mal, dass ein Politiker aus dem Niger-Delta an der Spitze des Staates steht, obwohl diese Region das wirtschaftliche Herz Nigerias ist.

          Beobachter: „Die beste Wahl seit Jahrzehnten“

          Internationale Beobachter lobten den Ablauf der Wahl als überwiegend korrekt. „Die Wahl war seit Jahrzehnten die beste, die Nigeria erlebt hat“, sagte John Kufuor, der Leiter der Wahlbeobachter-Delegation der Afrikanischen Union und ehemaliger ghanaischer Präsident, dem britischen Sender BBC. Dies werde einen positiven Einfluss auf ganz Afrika haben.

          Die Delegation der Europäischen Union erklärte, die Präsidentenwahl in Nigeria vom Samstag sei deutlich besser organisiert gewesen als die Parlamentswahl in der Woche davor.

          Bisher waren Wahlen in Nigeria meist von Gewalt und Fälschungen überschattet. Lange Jahre stand das bevölkerungsreichste Land Afrikas auch unter Militärdiktatur, die erst 1999 zu Ende ging. Auch in diesem Jahr war der Auftakt der Wahlserie chaotisch, die Wahltermine mussten zwei Mal verschoben werden.

          Wahlbeobachter hatten den überwiegend friedlichen und korrekten Verlauf der Wahlen gelobt. Um zu gewinnen, muss Jonathan nicht nur eine Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen, sondern auch in mindestens zwei Dritteln der Bundesstaaten eine Zustimmung von 25 Prozent erreichen.

          Gewalt in weiteren nördlichen Städten

          AFP berichtet, nun sei in weiteren nördlichen Städten Gewalt aufgeflammt. Zeugen berichteten demnach von einer brennenden Baptistenkirche in Zaria, der Heimatstadt des muslimischen Vizepräsidenten Namadi Sambo, sowie von weiteren Bränden und Todesopfern in mehreren Regionen. Vor allem junge Menschen gingen auf die Straßen, um gegen Jonathan zu protestieren. Viele Schulen und Geschäfte blieben geschlossen.

          Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ wurden in den vergangenen Monaten mindestens 85 Menschen durch Gewalttaten getötet, die mit der Wahl in Zusammenhang standen. Noch am Freitag und am Wahltag selbst explodierten zwei Bomben in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri. Als Täter gelten Mitglieder der radikal-islamischen Sekte Boko Haram. Menschen kamen jedoch nicht zu Schaden.

          Die Wahlen wurden von starken Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Mehr als 17.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz. Durch Reformen der Wahlgesetze sollten Manipulationen außerdem erschwert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.