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Krieg in Libyen : Nato bedauert Angriff auf Aufständische

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nato-Generalsekretär Rasmussen hat den Tod von Aufständischen bei einem Nato-Luftangriff in Libyen bedauert. Der stellvertretende Kommandeur des Nato-Einsatzes Harding hatte zuvor eine Entschuldigung abgelehnt, weil „wir bisher nicht wussten, dass die Rebellen Panzer benutzen.“

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          Die Nato hat am Freitag bestätigt, dass sie am Vortag versehentlich Panzer der Aufständischen nahe Brega bombardiert hat. „Dies ist ein bedauerlicher Vorfall. Ich bedauere sehr den Verlust an Leben“, sagte Nato-Generalsekretär Rasmussen in Brüssel. Dabei waren fünf Aufständische getötet und zwanzig verletzt worden.

          Konteradmiral Russell Harding, der stellvertretende Kommandeur des Nato-Einsatzes, hatte sich zuvor ausdrücklich nicht für den Vorfall entschuldigen wollen. Er begründete den Angriff der Nato-Kampfflugzeuge damit, dass das Gaddafi-Regime Panzer gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt hatte.

          „Unübersichtliche Lage“

          Harding sagte, dass die Kämpfe zwischen den Truppen Gaddafis und den Aufständischen sich in den 48 Stunden bis Freitagmittag in einem recht kleinen Gebiet entlang der Schnellstraße zwischen Brega und Adschdabija hin und her bewegt hätten. Die Lage in dem betreffenden Gebiet sei sehr unübersichtlich gewesen. „Bis gestern hatten wir keine Information darüber, dass die Rebellen Panzer benutzen“, sagte Harding. Es sei nicht Aufgabe der Nato, ihre Kommunikation mit den Aufständischen zu verbessern. Ihr Auftrag laute, Zivilisten zu schützen. Um das zu erreichen, könne die Nato auch gegen die Aufständischen vorgehen. Rebellen strichen am Freitag erbeutete Militärfahrzeuge pfirsichfarben an, um sie von denen der Gaddafi-Truppen zu unterscheiden.

          Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen

          Unmut in Nato-Kreisen

          Aus Nato-Kreisen verlautete unterdessen, dass sich in der Allianz inzwischen Unmut darüber ausbreite, dass die Rebellen die Nato-Kampfflugzeuge als ihre Stellvertreter-Luftwaffe betrachteten. „Wir versuchen ihnen klar zu machen, was wir machen und was wir erreichen wollen“, sagte der Gewährsmann der Nachrichtenagentur Dapd.

          Dass die Allianz sich zum Unmut der Aufständischen im ebenfalls umkämpften Misrata zuletzt zurückgehalten hatte, wurde in Brüssel mit dem Wetter begründet. Es sei zwei, drei Tage wolkig gewesen, was die für die Bombardierung beweglicher Ziele übliche Lasersteuerung störe.

          Mit ihrem Eingreifen unter amerikanischer Führung am 19. März hat die internationale Allianz den Vormarsch der militärisch überlegenen Truppen Gaddafis auf Benghasi gestoppt. Die Rebellen wünschen weitere direkte Luftangriffe auf Gaddafis Truppen.

          Während sich die Vereinigten Staaten auf eine Unterstützungsrolle zurückziehen, nehmen inzwischen Qatar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Schweden an den Lufteinsätzen teil. Die drei Länder gehören nicht der Nato an. Von den 28 Verbündeten beteiligen sich 14 aktiv an dem Lufteinsatz und der Durchsetzung des Waffenembargos. Beteiligt sind außerdem Jordanien (Logistik, Aufklärung), Marokko (Überflugrechte) und die Ukraine, die eine Fregatte abstellen will. Deutschland stellt in den Stäben der Allianz 300 Offiziere.

          Noch keine UN-Anfrage für humanitäre Hilfe

          Ob Deutschland mit anderen EU-Staaten zu humanitären Zwecken in Libyen eingreifen wird, bleibt weiter offen. Man habe bislang keine Anfrage des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) erhalten, erklärte der Sprecher von EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton am Freitag in Brüssel. Man sei aber bereit, zügig zu handeln, sobald eine solche Anfrage eingehe. Aber „die Initiative liegt bei den Vereinten Nationen“, betonte er. Und es sei derzeit noch unklar, ob es überhaupt eine Anfrage geben werde. (Siehe auch: Opposition kritisiert Kehrtwende in Libyen-Politik)

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