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Kanzlerin in Kenia : Kampf gegen Hunger und Korruption

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei ihrem ersten Besuch als Bundeskanzlerin in Kenia mahnt Angela Merkel eine „transparente Auftragsvergabe“ an. Für den Kampf gegen Hunger in Ostafrika stellt Deutschland eine weitere Million Euro zur Verfügung.

          Deutschland und Kenia wollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel verabredete dies am Dienstag bei ihren Gesprächen mit dem kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki und dem Ministerpräsidenten Raila Odinga. Äußerer Ausdruck dieser Absichten war die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Errichtung eines Delegationsbüros der deutschen Wirtschaft in Nairobi.

          Odinga äußerte die Bereitschaft, das Investitionsklima für deutsche Unternehmen in Kenia werde dadurch verbessert werden. Ziel sei auch eine „strategische Partnerschaft“ auf diesem Gebiet. Odinga sagte, der Handel und die Investitionen sollten in „beide Richtungen“ ausgebaut werden. Vor allem bei Infrastrukturmaßnahmen - der Bau von Eisenbahnen, Straßen und Häfen - seien deutsche Unternehmen in Kenia willkommen.

          Frau Merkel sprach sowohl mit Kibaki als auch mit Odinga über die Korruption in Kenia, die sich investitionshemmend auswirke. Ihre beiden Gesprächspartner versicherten ihr die Bereitschaft, die Korruption in Kenia zu bekämpfen.

          Studenten an der Universität Nairobi begrüßen Bundeskanzlerin Merkel

          Mit Blick auf das zunehmende Engagement Chinas in den afrikanischen Staaten und auch in Kenia sagte Odinga, Europa selbst habe sich aus vielen Bereichen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zurückgezogen und habe das Feld unter anderem China überlassen. Kenia arbeite mit China gut zusammen. Doch sollten dadurch andere Staaten nicht ausgeschlossen werden.

          Er verwies auf das Projekt des Ausbaus des Hafens in Lamu der den kenianischen Hafen Mombasa entlasten und zugleich den Handel mit dem neuen Staat Südsudan garantieren soll.

          Merkel mahnt „transparente Auftragsvergabe“ an

          Zudem verwies Odinga in dem Zusammenhang auf den Bau von Pipelines. Frau Merkel nannte ihren Besuch in Kenia ein Zeichen, dass Deutschland die Kooperation verbessern wolle. Erforderlich dafür sei eine „transparente Auftragsvergabe“. Deutsche Unternehmen brauchten einen „möglichst offenen Zugang“ zum kenianischen Markt. Dazu sei auch die Verbesserung der „Rahmenbedingungen“ erforderlich.

          Frau Merkel wurde auf ihrer Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, zu der auch das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Fitschen und der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Franz gehörten.

          Es war der erste Besuch Frau Merkels als Bundeskanzlerin in Kenia. Zuletzt war Bundeskanzler Schröder 2004 in Kenia gewesen. Allerdings war Frau Merkel auch als Umweltministerin in den neunziger Jahren in Kenia gewesen.

          Sie versicherte, kenianische Wünsche zu unterstützen, das UN-Umweltprogramm (Unep) auszuwerten. Zudem wurde bei dem Besuch in Nairobi ein Projektvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und einem Forschungsinstitut (International Life Stock Research Institute) unterzeichnet, das sich mit Fragen des Klimawandels befasst.

          Eine Million Euro gegen Hunger

          Zur Bekämpfung der Hungerkatastrophen in Ostafrika will Deutschland eine Million Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. Diese sollen vor allem für das Flüchtlingslager Dadaab verwandt werden. Dort leben mittlerweile fast 400.000 überwiegend somalische Flüchtlinge.

          Frau Merkel würdigte, dass sich Kenia für diese Flüchtlinge einsetze. Es heißt, täglich kämen fast 1500 neue Hungerflüchtlinge aus Somalia hinzu.

          An diesem Mittwoch wird Frau Merkel Gespräche in der Hauptstadt Angolas Luanda führen. Am Donnerstag trifft sie mit der Führung Nigerias in der dortigen Hauptstadt Abuja zusammen.

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