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Japan : Seismologe rechnet mit schwerem Nachbeben

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Bild: reuters

In den nächsten Monaten könnte es zu einem Beben der Stärke 8 und in der Folge erneut zu einem gewaltigen Tsunami kommen, sagt der amerikanische Seismologe Robert Geller, der an der Universität Tokio lehrt. Der Regierung wirft er eine Fehleinschätzung vor der Katastrophe am 11. März vor.

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          Dass das Erdbeben an der japanischen Ostküste vor einem Monat derart verheerend ausgefallen ist, geht nach Meinung eines amerikanischen Wissenschaftlers auch auf eine Fehleinschätzung der Regierung zurück. Die für die japanische Regierung arbeitenden Erdbebenforscher seien seit Jahrzehnten darauf fixiert gewesen, dass an der südlichen Pazifikküste des Inselstaates mit einem schweren Beben zu rechnen sei, erklärte der amerikanische Seismologe Robert Geller, der an der Universität Tokio lehrt, in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für die Wissenschaftszeitschrift „Nature“.

          Dies habe auf zwei Annahmen beruht, führte Geller aus: Zum einen seien die Behörden davon ausgegangen, dass Erdbeben ein charakteristisches Muster hätten und deshalb in den bereits bekannten „Erdbebengebieten“ Tokai, Tonankai und Nankai an der Südküste zu erwarten seien, in denen die Erde in den 40er Jahren stark gebebt hatte. Zum anderen seien vermeintlich gefährdete Gebiete auf der Grundlage sogenannter seismischer Lücken auf den Landkarten eingetragen worden - wobei die Theorie der „seismischen Lücke“ veraltet und überdies niemals bewiesen worden sei, kritisierte der amerikanische Wissenschaftler.

          Zusammen habe dies dazu geführt, dass die Öffentlichkeit regelrecht auf ein starkes Erdbeben im Gebiet Tokai gewartet habe - obwohl in den drei genannten Bezirken seit 1975 kein starkes Beben mehr aufgetreten sei. Dagegen hätten sämtliche tödlichen Erdbeben seit 1979 in Gebieten stattgefunden, die den Regierungskarten zufolge ein geringes Risiko hatten, schrieb Geller. Wenn die japanischen Wissenschaftler historische Aufzeichnungen über Erdbeben mit darauf folgenden Flutwellenkatastrophen ausgewertet hätten, hätten sie sehen müssen, dass in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach der Nordosten Japans getroffen worden sei, und hätten die Katastrophe vom 11. März zumindest allgemein „vorhersehen“ können, kritisierte der amerikanische Forscher.

          Auch wenn der Zeitpunkt und das Ausmaß des Bebens nicht vorhersagbar gewesen wären, hätte die Gefahr beim Bau des Atomkraftwerkes Fukushima berücksichtigt werden können, schrieb Geller.

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