https://www.faz.net/-1yv-cyq

Griechenland stoppt „Gaza-Flotille“ : Zur Abwechslung Außenpolitik

Bild: reuters

Griechenland hindert die Schiffe der „Gaza-Flottille“ am Auslaufen. In Zeiten eines drohenden Staatsbankrotts nutzt dies auch dem außenpolitischen Ansehen Athens.

          Die Regierung von Ministerpräsident Giorgios Papandreou steht dieser Tage einmal nicht nur wegen des drohenden Staatsbankrotts im Mittelpunkt des Interesses. Auch ein diplomatischer Vorstoß der Regierung in Athen erregt Aufsehen: Mehrmals hat die griechische Küstenwache in den vergangenen Tagen Schiffe der sogenannten Gaza-Flottille am Auslaufen gehindert.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach Athener Lesart unterbindet sie damit die absehbare neuerliche Zuspitzung eines vermeidbaren internationalen Konflikts. Ende Mai 2010 waren bei der gewaltsamen Erstürmung des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“, dessen Passagiere die israelische Blockade des Gazastreifens brechen wollten, neun Personen durch israelische Sicherheitskräfte getötet worden. In diesem Jahr soll nun eine noch größere Flotte, allerdings ohne die „Mavi Marmara“ als Flaggschiff, zum Gazastreifen vorstoßen. Angeblich sind nur humanitäre Hilfsgüter an Bord der Schiffe, was von Israel bezweifelt wird.

          Von der Küstenwache zum Umkehren gezwungen

          Doch die „Gaza-Flottille II“, die griechische Häfen als Ausgangspunkt ihres politisch-humanitären Seemanövers wählte, ist in rauhe Gewässer geraten, noch bevor sie in See stechen konnte. Einzig einem kleinen französischen Boot mit acht Passagieren soll es gelungen sein, griechische Gewässer zu verlassen. Andere Schiffe der propalästinensischen Armada wurden von der Küstenwache aufgebracht und zum Umkehren gezwungen.

          Zuletzt traf es die kanadische „Tahrir“, benannt nach dem „Platz der Befreiung“ in Kairo. Sie war am Wochenende von einem kretischen Hafen aus gen Gaza aufgebrochen, aber nach wenigen Seemeilen war Schluss. Das griechische Marineministerium teilte mit, die „Tahrir“ habe ohne Genehmigung ihren Hafen verlassen und sei daher gestoppt worden. Zuvor war ein amerikanisches Schiff aufgehalten und dessen Kapitän verhaftet worden.

          Griechisch-israelischen Annäherung

          Das griechische Außenministerium begründet das Vorgehen offiziell mit Sicherheitsbedenken. Die Absicht der Flotte, nach Gaza durchzustoßen, beschwöre „unmittelbare Gefahr für Menschenleben“ herauf, sagte ein Sprecher. Schon Mitte Juni hatte das Ministerium griechische Staatsbürger und Schiffseigner dazu aufgerufen, sich nicht an der Gaza-Flottille zu beteiligen, da das Vorhaben nicht den Kern der Missstände berühre.

          Die Athener Politik ist die Folge einer seit Sommer 2010 unübersehbaren griechisch-israelischen Annäherung, die für Israel besonders wichtig ist. Der Gaza-Krieg Anfang 2009 und die Erstürmung der ersten Gaza-Flotte im Mai 2010 hatten Israels Beziehungen zur Türkei, einst einem wichtigen Verbündeten, in eine tiefe Krise gestürzt. Die Regierung Netanjahu hatte deshalb bald ihre Kontakte zu Griechenland ausgebaut, dem traditionellen Rivalen der Türkei im östlichen Mittelmeer. Im vergangenen August reiste Ministerpräsident Netanjahu nach Griechenland, nachdem Papandreou zuvor in Jerusalem gewesen war. In Athen vereinbarten die Regierungschefs eine engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit, hoben jedoch hervor, dass sich diese Pläne nicht gegen die Türkei richteten.

          Eine Enttäuschung für die Palästinenser

          Weitere Themen

          „Sie können sich auf mich verlassen“ Video-Seite öffnen

          AKK zur Bundeswehr : „Sie können sich auf mich verlassen“

          75 Jahre nach Attentat auf Hitler legten am Samstag im Ehrenhof des Bendlerblocks in Berlin 400 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr ihr Gelöbnis ab. Annegret Kramp-Karrenbauer hielt ihre erste öffentliche Rede nach ihrem Amtsantritt als Verteidigungsministerin.

          Wahlkampf im Eiltempo

          Parlamentswahl in der Ukraine : Wahlkampf im Eiltempo

          Am Sonntag wird in der Ukraine ein neues Parlament gewählt. Präsident Selenskyj steuert auf den zweiten großen Erfolg zu. Doch nicht alle lieben den politischen Neuling.

          Topmeldungen

          Mini Cooper SE : Minimaler Stromschlag

          Mini schickt sich an, ein vollelektrisches Modell auf den Markt zu bringen. 200 Kilometer Reichweite für 32.500 Euro – da darf man maximal gespannt sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.