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Fahrtbericht VW Jetta : Nie war ein Rucksack schöner

Bild: Hersteller

Die Stufenheckvariante Jetta ist so attraktiv wie nie zuvor und macht sogar dem Passat Konkurrenz. Und selbst mit dem kleinen 1,2-Liter-Motor ist man sehr gut unterwegs. 105 PS reichen - wirklich.

          Bislang spielte der Jetta die Rolle des Mauerblümchens im Angebot von Volkswagen – zumindest in Deutschland. Kleinere Limousine mit Kofferraum verkaufen sich hierzulande einfach nicht, das ist in südlichen Ländern anders. Dort muss ein richtiges Auto einen abgeschlossenen Kofferraum haben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und in Amerika ist der Stufenheck-Golf sogar das meistverkaufte deutsche Auto. Das muss nicht wundern, schließlich ist dieser von Millionen Käufern begehrt.

          Länge
          Seit dem Frühjahr ist der Jetta nun völlig neu eingekleidet und nicht nur äußerlich ein anderes Auto als der Golf. War er früher (auch als Bora oder Vento) tatsächlich einfach ein Ableger, dem man statt des so praktischen, schrägen Hecks eines mit Stufe verpasst hatte, tritt 2011er Jetta nicht nur mit einem eigenständigen Design auf, er hat auch einen größeren Radstand als der Golf (neun Zentimeter). Damit und dem langen Heck wächst die Stufenheck-Limousine auf 4,64 Meter, das sind fast 40 Zentimeter mehr als beim Golf.

          Kofferraum
          Das Plus an Größe zahlt sich nicht nur im Kofferraum aus, auch im Fond sitzt man im Jetta viel besser als in seinem Schwestermodell. Doch der Reihe nach. Unter den Kofferraumdeckel passen rechnerische 510 Liter Volumen (Golf 350 Liter), außerdem kann man die Lehnen der Rückbank asymmetrisch geteilt umlegen, wenn Sperriges transportiert werden soll. Nicht optimal gelöst ist der Schließmechanismus des Deckels: Die Hebel ragen in das Gepäckabteil hinein, das kann bei voller Beladung zu Problemen führen. Schön ist, dass im Boden noch Platz für ein vollwertiges Reserverad ist. Doch das lässt sich VW mit 61 Euro bezahlen. Ohne fünftes Rad hat man im „Kofferaum-Keller“ noch Platz für Krimskrams, und Tirefit wartet dort auf seinen hoffentlich nie nötigen Einsatz.

          Rückbank
          Im Fond, der durch die weit öffnenden Türen sehr gut zugänglich ist, kommen zwei Personen überraschend gut unter. Die Beinfreiheit ist ausreichend, und auch die Köpfe können hoch getragen werden. Eine dritte Person sitzt hinten in der Mitte wie beinahe überall in den Autos von heute eher schlecht als recht.

          Der Vergleich zum Passat drängt sich auf: Er ist nur 13 Zentimeter länger, hat einen um gut 50 Liter größeren Kofferraum und nicht entscheidend mehr Platz auf der Rückbank. Dafür mag man sich im VW-Mittelklasse-Auto auf den Vordersitzen etwas wohler fühlen, weil das Raumgefühl besser ist.

          Geheimtipp für Individualisten
          Im Jetta wird schon spürbar deutlich, dass man eine kompakte Limousine fährt, wobei wir das nicht unsympathisch finden. Downsizing ist doch groß in Mode, die 4000 Euro, die der Passat mindestens mehr kostet, kann man anders anlegen. Wobei die Grundentscheidung beim Kauf selbstverständlich die Frage nach dem Heck ist. Will ich eine klassische Limousine? Oder doch ein (Allerwelts-)Schrägheck? Einen Jetta Variant gibt es nicht, das wäre doch zu viel des Guten. Wir meinen, der Jetta 2011 hat einen gewissen Charme, wir sehen ihn gar als Geheimtipp für Individualisten, die gerne Golf fahren würden, aber sich nicht trauen, weil es doch alle tun.

          Motoren
          Ist die Grundsatzentscheidung gefallen, macht es der Jetta einem leicht. Anders als beim Golf muss man sich nicht entscheiden, ob man zwei oder vier Türen will oder den Plus oder gar den Variant. Und man muss sich nicht großartig überlegen, welcher Motor unter die Haube soll. Es sind nur fünf im Angebot und nicht acht: Drei sind Benziner, zwei Diesel, die Leistungspalette reicht von 77 kW (105 PS) bis 118 kW (160 PS).

          Der Basismotor ist einer jener kleinen, turbogestärkten Vierzylinder-Benziner (mit Direkteinspritzung), die in jüngster Zeit so viel Furore gemacht haben (nicht nur bei VW). Sie zeigen, dass der Verbrennungsmotor noch viel Potential hat. 105 PS aus 1,2 Liter Hubraum sind ein Wort, und wir haben es gern gehört. Alle, die auf der Autobahn oder an der Ampel nicht den großen Max spielen wollen oder müssen, werden mit diesem kleinen Motörchen zufrieden sein.

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