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Deutsch-französische Beziehungen : Lieber Alain, cher Guido

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach ihrem ersten Zusammentreffen in Berlin waren Außenminister Westerwelle und sein französischer Kollege Juppé um demonstrative Herzlichkeit bemüht: Euro-Stabilisierung, Haushaltsdisziplin, arabischer Frühling - in all diesen Fragen sei man sich einig, hieß es später.

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          Gemessen daran, wie oft der deutsche und der französische Außenminister am Donnerstag bekräftigten, dass es zwischen beiden „keine Unstimmigkeiten“ (Guido Westerwelle) gebe und „Unterschiede“ zwischen Berlin und Paris „kein Drama“ (Alain Juppé) seien, kann es um das deutsch-französische Verhältnis nicht gut bestellt sein. Nach dem Antrittsbesuch des Franzosen im Auswärtigen Amt kurz vor Beginn des Nato-Außenministertreffens waren beide um demonstrative Herzlichkeit bemüht. Der Franzose entschuldigte sich zunächst bei „cher Guido“ für die „Verzögerungen“, womit er auf den Umstand Bezug nahm, dass die Visite in Berlin zweimal abgesagt worden war.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          „Ich musste nach New York“, erläuterte Juppé – und legte damit den Finger in die klaffende deutsch-französische Wunde. Schließlich war bei jener Gelegenheit – der Abstimmung über den Militäreinsatz in Libyen im UN-Sicherheitsrat – mit der deutschen Enthaltung der Konflikt zwischen Paris und Berlin offen zutage getreten.

          „Wir sind uns einig über das Ziel, es gibt Unterschiede über den Weg“, sagte Juppé. Westerwelle ergänzte, beide Seiten stimmten darin überein, dass in Libyen „am Ende keine militärische, sondern eine politische Lösung stehen wird“. Die deutsch-französischen Beziehungen seien so eng, da sei es nicht angemessen, wenn augenscheinlich gleich ein Drama daraus gemacht werde, „wenn wir mal in einer Frage unterschiedliche Meinungen haben“, äußerte Westerwelle.

          Harmonie und Eintracht: Westerwelle und Juppé (links) in Berlin

          Westerwelle will „ein paar Dinge gerade rücken“

          Die zur Schau gestellte Eintracht wurde nur einmal durch den Franzosen augenzwinkernd gestört. Als Westerwelle gefragt wurde, ob auch er wie der französische Verteidigungsminister Longuet denke, dass Deutschland sich durch seine Bereitschaft, einen humanitären Einsatz in Libyen militärisch abzusichern, in einer „mündlichen Nachprüfung“ befinde, antwortete Juppé, bevor der Deutsche das Wort ergreifen konnte: Er wisse nicht, ob Berlin in eine mündliche Prüfung müsse, um Vertrauen zu gewinnen, denn „Vertrauen hat es immer gegeben“. Da musste sich der Deutsche mit einem höflichen „S’il vous plaît, Alain“ das Rederecht zurückerobern, „um ein paar Dinge geradezurücken“.

          Zwei Stunden hatten die beiden Außenminister miteinander gesprochen, zunächst eine halbe Stunde zu zweit, dann mit ihren Mitarbeitern – im Ganzen etwas länger als geplant, was offenbar demonstrieren sollte, wie viel man einander zu sagen hat. Euro-Stabilisierung, Haushaltsdisziplin, Mittelmeerunion, arabischer Frühling in Tunesien und Ägypten – in all diesen Fragen sei man sich einig, hieß es später, zumal das für Paris heikle Thema Zollerleichterung angeblich nicht angesprochen wurde.

          Künftig monatliche Treffen

          Westerwelle und Juppé vereinbarten, sich künftig einmal im Monat zu treffen – in Paris oder in Berlin. Zudem luden sie einander in ihre Heimatstädte ein. Juppé will in Bälde Bonn besuchen, Westerwelle soll im Herbst „zur Weinlese nach Bordeaux“ kommen, wo Juppé Bürgermeister ist. Wenn es ernst wird, greifen die Diplomaten beider Ministerien offenbar ins Archiv der deutsch-französischen Beziehungen; in diesem Fall wurden sie bei Helmut Kohl und Franois Mitterrand fündig.

          Trotz aller Bemühung um Eintracht – zu einem bilateralen Gespräch Juppés mit der Bundeskanzlerin, das auf der Wunschliste des Franzosen stand, kam es beim nachgeholten Antrittsbesuch nicht. Angela Merkel traf indessen mit der amerikanischen Außenministerin Clinton zusammen. Beide traten – ohne Absprache – im Partnerlook auf, was Frau Clinton gelassen kommentierte: „Große Geister denken ähnlich.“

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