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Afghanistan : Tote bei Protesten vor Bundeswehrlager

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

In Nordafghanistan sind bei einer Demonstration gegen den Nato-Einsatz mindestens elf Menschen getötet und zwei deutsche Soldaten verletzt worden. Die Demonstranten beschuldigten die ausländischen Streitkräfte, Zivilisten getötet zu haben.

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          Bei gewaltsamen Protesten vor einem Außenposten der Bundeswehr im nordafghanischen Talokan sind am Mittwoch zwölf Personen getötet und mehr als achtzig verletzt worden. Nach Angaben der Bundeswehr schossen afghanische Polizisten und Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes auf eine Menge von Demonstranten, die vor dem Stützpunkt des Regionalen Beraterteams (PAT) gegen einen nächtlichen Antiterroreinsatz unter Führung der Nato protestierten, bei dem vier Personen getötet worden waren.

          Die Demonstranten warfen Handgranaten und Molotowcocktails; dabei wurden zwei deutsche Soldaten und vier afghanische Wachmänner verletzt. Deutsche Soldaten gaben Warnschüsse ab, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Bundeswehr prüft noch, ob dabei Afghanen zu Schaden kamen.

          Außenminister Westerwelle sagte in Berlin, die Nachrichten aus Afghanistan seien erschütternd. „Wir erwarten, dass die Verantwortlichen alles in ihrer Macht stehendetun, um die Lage zu beruhigen, damit Demonstrationen nicht eskalieren“, sagte er, ohne sich über Details des Vorgangs auszulassen. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sprach von einem „ernsten, für Talokan einmaligen Vorgang“, sah aber keinen Zusammenhang mit einem Angriff auf das UN-Hauptquartier in Mazar-i-Sharif, bei dem ein wütender Mob Anfang April sieben UN-Mitarbeiter getötet hatte.

          Afghanen tragen die Leichen der bei den Kampfhandlungen Getöteten durch die Straßen von Talokan

          Keine Evakuierung des Stützpunktes geplant

          Die Demonstranten waren aufgebracht, weil in der Nacht zuvor vier Personen bei einer Kommandoaktion gegen die Islamische Bewegung Usbekistan in Talokan getötet worden waren, davon zwei Frauen. Nach Angaben der von der Nato geführten Schutztruppe Isaf waren sie bewaffnet und leisteten Widerstand. Afghanische und Nato-Kräfte stellten Waffen, Munition und einen Sprengstoffgürtel sicher. Deutsche Soldaten waren nicht beteiligt.

          Etwa hundert Demonstranten versammelten sich am Morgen vor dem deutschen Stützpunkt, der einzigen dauerhaften Nato-Präsenz in Talokan. Nach knapp zwei Stunden bewegte sich der Demonstrationszug Richtung Stadtzentrum, wobei er weiter anwuchs. Das afghanische Innenministerium sprach von mehr als 2000 Personen. Sie skandierten Parolen gegen Amerika und Präsident Karzai. Die Lage eskalierte, als Demonstranten versuchten, abermals zum PAT vorzudringen.

          Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren 44 Soldaten und einige Mitarbeiter der Polizeimission Eupol auf dem etwa 250 Quadratmeter großen Stützpunkt stationiert. Das Gelände liegt in voll bebautem Gebiet an der Ausfallstraße, die von Kundus nach Faisabad führt. Die Bundeswehr unterhält dort seit 2006 ein sogenanntes „safe house“. Anfang 2008 wurde dort das PAT stationiert, um die Präsenz in der Fläche zu erhöhen. Es handelt sich um einen Außenposten des Wiederaufbauteams (PRT) im hundert Kilometer westlich gelegenen Kundus. Wie dieses wird es außen von afghanischen Sicherheitskräften bewacht.

          Nach Angaben des Einsatzführungskommandos hatte sich die Lage in Talokan am Mittwochabend (afghanischer Zeit) wieder beruhigt. Der Zustand der beiden verletzten deutschen Soldaten sei stabil. An eine Evakuierung des Stützpunktes werde nicht gedacht. Ob die Demonstration spontan war oder organisiert wurde, blieb zunächst unklar. In Afghanistan kursierten Hinweise, ein örtlicher Parlamentsabgeordneter habe die Demonstranten gegen die nächtliche Militäraktion aufgewiegelt.

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