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: Versicherer erhöhen die Zinsen

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ruh. FRANKFURT, 7. Dezember. Nach einer Durststrecke von gut zehn Jahren hellt sich das Bild für die Kunden der deutschen Lebensversicherer auf. Mindestens zehn Gesellschaften werden den wiedergewonnenen finanziellen Spielraum nutzen, um die Verzinsung anzuheben.

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          ruh. FRANKFURT, 7. Dezember. Nach einer Durststrecke von gut zehn Jahren hellt sich das Bild für die Kunden der deutschen Lebensversicherer auf. Mindestens zehn Gesellschaften werden den wiedergewonnenen finanziellen Spielraum nutzen, um die Verzinsung anzuheben. Höhere Gesamtverzinsungen - das ist die Summe aus Garantie und Überschuss - können zum Beispiel die Kunden der Hamburg-Mannheimer erwarten, die für das kommende Jahr von 4,2 auf 4,4 Prozent erhöht. Die Gothaer steigert von 4,2 auf 4,5 Prozent. Weitere Erhöhungen haben Alte Leipziger (4,0 auf 4,2 Prozent), LVM (4,25 auf 4,75 Prozent), Stuttgarter (4,6 auf 4,8 Prozent), Basler (4,3 auf 4,6 Prozent), WWK (4,3 auf 4,6 Prozent) und Concordia (4,1 auf 4,6 Prozent) angekündigt. Die Volkswohl Bund Lebensversicherung hält ihre Gesamtverzinsung mit 5 Prozent unverändert.

          In der Aktien-Baisse der Jahre 2000 bis 2003 ist die durchschnittliche Gesamtverzinsung der Versicherer von mehr als 7 Prozent auf 4,4 Prozent gesunken. Für die Versicherten hatte das zur Folge, dass die zu erwartenden Ablaufleistungen stark gesunken sind. In folgenden Jahren ging es in kleineren Schritten weiter abwärts. Erst in diesem Jahr stoppte der Trend. Der Durchschnitt liegt 2007 bei 4,27 Prozent.

          Ob es nun zu einer Wende kommt, hängt auch von der Entscheidung des Marktführers Allianz Leben ab, der seine Überschussbeteiligung für das Jahr 2008 in der kommenden Woche bekanntgeben wird. Die Überschusspolitik der Allianz wird von der Konkurrenz genau beobachtet - viele Versicherer schließen sich ihr an. Experten rechnen damit, dass die Allianz in der kommenden Woche entweder ihre Überschussbeteiligung für 2008 erhöhen oder zumindest mehr Mittel für Schlussgewinne bereitstellen wird. Die Schlussgewinnanteile kommen zu Garantie und Überschuss hinzu, können allerdings bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung wieder gestrichen werden.

          Von der Entwicklung der Verzinsung hängen nicht nur die klassischen kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen ab, sondern auch die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Verträge sowie ein Teil der betrieblichen Altersversorgung. Die Lebensversicherer verwalten ein Vermögen von mehr als 700 Milliarden Euro und stellen immer noch das beliebteste Instrument der privaten Vorsorge dar.

          "Ich kann mir vorstellen, dass die Versicherer ihre Überschussbeteiligungen um durchschnittlich 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte erhöhen werden", sagt Norbert Heinen, der als Unternehmensberater für Deloitte arbeitet und Mitglied im Vorstand der Deutschen Aktuarsvereinigung ist. Mit einer Erhöhung um durchschnittlich 0,25 Prozentpunkte auf dann etwa 4,5 Prozent rechnet auch Jochen Specht von der Ratingagentur Assekurata. Ursache sei allerdings nicht eine glänzende wirtschaftliche Entwicklung. Viele Versicherer haben zwar Aktienkursgewinne erzielt, aber Aktien machen nur gut 10 Prozent aus. Die Masse des Geldes - mehr als 80 Prozent - steckt in Zinspapieren. Anleihen haben wegen der im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Renditen etwas an Wert verloren. "Wir sehen aber immerhin eine Normalisierung", sagt Specht. In den vergangenen Jahren hätten die Versicherer stets die Rücklagen aufgebaut. Das stößt nun an Grenzen. Die freien Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (freie RfB) dürfen nicht unbegrenzt wachsen, sonst müssen die Versicherer darauf Körperschaftsteuern zahlen. Deshalb werden viele Versicherer für das kommende Jahr ihren Kunden höhere Zinsen zuschreiben und so die freie RfB reduzieren oder zumindest nicht weiter anwachsen lassen.

          Allerdings ist die wirtschaftliche Situation der Lebensversicherer sehr unterschiedlich. Während fast 40 Prozent der stillen Reserven der gesamten Branche auf die Allianz entfallen, sind bei anderen Anbietern sogar stille Lasten zu erwarten. Besonders dünn ist die Luft für Protektor, die Auffanggesellschaft für die Kunden der ehemaligen Mannheimer Leben. Immerhin kann die Gesellschaft aber seit dem vergangenen Jahr allen Kunden eine Verzinsung von 4 Prozent zahlen. Die Karlsruher Leben bildet erst jetzt für die wachsende Langlebigkeit ihrer Rentenversicherungskunden Reserven. Zu diesem Zweck sollen die Überschusszinsen der kommenden Jahre verwendet werden.

          Vom kommenden Jahr an werden die Versicherer ihre Kunden über einen vierten Topf an den Kapitalerträgen beteiligen. Dann tritt das neue Versicherungsvertragsgesetz in Kraft. Die Lebensversicherer müssen den ausscheidenden Kunden künftig mindestens die Hälfte der stillen Reserven auszahlen, die auf ihren Vertrag entfallen. Außerdem müssen sie allen Kunden jährlich die aktuelle Höhe dieses Anspruchs mitteilen. Bei vielen Gesellschaften wird dieser Wert nicht wesentlich oberhalb von null liegen. Finanzstärkere Anbieter dürften aber über Reserven verfügen, die mehr als 6 Prozent der Kapitalanlagen entsprechen.

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