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Valentino Rossi : Mozart motzt

„Er muss das Licht wiederfinden“: Doch bislang findet Rossi den Schalter seiner Ducati nicht Bild: REUTERS

Die Motorrad-Ikone Valentino Rossi fährt hinterher und übt deshalb heftige Kritik an seinem Team. Das Projekt mit Ducati steht vor dem Scheitern. Auch beim Europaauftakt in Jerez hat er Probleme.

          3 Min.

          Zusammen sollten sie die Perfektion darstellen: Valentino Rossi und Ducati, der aufregendste Motorradfahrer der Gegenwart und die italienische Traditionsmarke, deren Name einen Klang weit über die Landesgrenzen hinaus besitzt. Ein Projekt von nationalem Interesse, das vor eineinhalb Jahren so verheißungsvoll begonnen hatte - und nun vor dem Scheitern steht. „Es ist sinnlos, das Motorrad lässt sich einfach nicht gut fahren“, sagte Rossi nach Platz zehn beim Saisonauftakt in Qatar vor drei Wochen: „Ich habe Anweisungen zu den Problemen am Motorrad gegeben, doch wir haben sie nicht lösen können. Leider kann ich nicht alles allein machen, ich bin kein Ingenieur.“ Der Star motzt, und eine ganze Branche schaut gebannt dabei zu, wie diese Geschichte ausgeht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An diesem Wochenende, beim Europaauftakt im spanischen Jerez, kommt es zum Rennen der Wahrheit. In Tagen zuvor besann sich Rosse deshalb auf ein wenig Zweckoptmismus: „Ich bin sehr froh, hier in Jerez zu sein. Ich habe zu dieser Strecke eine Art Freundschaft aufgebaut und konnte in der Vergangenheit viele gute Ergebnisse erzielen.“ Rossi hat keine Lust darauf, im Mittelfeld der MotoGP-Klasse seine Kreise zu drehen. Dafür hat er zu viel erlebt, zu viel gewonnen. Neun Weltmeister-Titel, 105 Grand-Prix-Siege, sowohl Honda als auch Yamaha sind mit ihm auf der Maschine aus dem Nichts an die Spitze gerast. Mittelmaß? Auch in Jerez deutet vieles darauf hin: Im Training am Samstag fuhr der „Maestro“ nur die sechst schnellste Zeit.

          Fünfzehn Millionen Euro verdient Rossi pro Jahr, so viel wie kein anderer italienischer Sportler. Dutzende Techniker brachte er mit - und trotzdem gewann er seit seinem Wechsel kein einziges Rennen mehr, die vergangene Saison schloss er lediglich auf Platz sieben der Gesamtwertung ab. Ein Mythos bröckelt.

          Kein Vertrauen in die Maschine

          Viele, die ihn während seiner Karriere begleitet haben, machen sich Sorgen. „Es ist, als hätte Valentino einen Kinosaal betreten, und der Film hat schon längst ohne ihn begonnen. Er tappt im Dunkeln, er sieht nichts“, sagt Claudio Costa, der langjährige Arzt der Motorrad-Weltmeisterschaft: „Er ist verängstigt, Rossi muss das Licht wiederfinden. Er darf sich von der Angst nicht überfallen lassen.“ Sein Vater Graziano Rossi sagt: „Er muss jetzt stärker sein als je zuvor.“

          Doch Rossi hat das Vertrauen verloren in seine Maschine. Immer wieder klagte er zuletzt vor allem über das Vorderrad, der Dreiunddreißigjährige entwickelt kein Gefühl dafür, wann der Verlust von Haftung droht. Vor der Saison wurde das innovative Kohlefaser-Fahrgestell der Desmosedici deshalb durch eine konventionelle Aluminium-Variante ersetzt, doch auch diese stimmt Rossi nicht zufrieden: „Es ist eine Maschine, die für Wayne Rooney konzipiert wurde, aber von Lionel Messi gefahren werden muss“, sagt er. „Ducati hat nicht das Motorrad gebaut, das ich verlangt habe.“ Sein Arbeitgeber schweigt bisher trotz der Kritik.

          Galgenhumor? Rossi macht gute Miene zum schwachen Saisonstart Bilderstrecke

          Rossi ist immer noch der Held der Szene. Schon in seiner zweiten Saison wurde er 1997 Weltmeister in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter, danach hat er auch die Titel in allen anderen Kategorien (250, 500, MotoGP) gewonnen und mit seinen Manövern auf der Strecke die Zuschauer genauso wie seine Gegner oft in ungläubiges Staunen versetzt. Einige nannten ihn den „Mozart des Motorsports“, andere schlicht einen „Außerirdischen“. Er feierte seine Erfolge nicht nur, er zelebrierte sie. Mal nahm er eine Gummipuppe auf dem Sozius mit auf die Ehrenrunde, mal ging er verkleidet als Sträfling oder Astronaut zur Siegerehrung. Auf seiner Lederkombi steht direkt über dem Hinterteil in bunten Lettern: „The doctor“ - sein Spitzname, den er sich selbst verliehen hat. Doch derzeit ist ihm nicht mehr nach Scherzen zumute. „Wenn du um sechste Plätze kämpfen musst, verlierst du allmählich deine Begeisterung“, sagt er.

          Auf einmal ein Mann des Mittelfelds

          Rossi zählt inzwischen zu den Ältesten in der Startaufstellung, und auf der Zielgeraden seiner Karriere gerät er in seine erste große Krise. Vor einiger Zeit ließ sich Rossi eine Schnecke mit seiner weltweit zu seinem Markenzeichen gewordenen Startnummer „46“ auf den Bauch tätowieren. Es sollte ein Bild der Selbstironie sein, doch Kritiker behaupten mittlerweile, dass die Realität trefflicher kaum beschrieben werden könne. „Ich finde es sehr schade, dass ein neunmaliger Weltmeister so runter gemacht wird, nur weil er nicht so performt, wie es alle von ihm gewohnt sind“, sagt der Deutsche Stefan Bradl.

          In Qatar kam der Neuling bei seinem ersten Rennen in der Königsklasse als Achter auf Anhieb vor dem Italiener ins Ziel. Aus Rossi, dem schillernden und umschwärmten Weltmeister, ist ein Mann im Mittelfeld des Fahrerfeldes geworden, vor dem die Gegner mehr und mehr den Respekt verlieren. In Qatar rempelte ihn der Spanier Hector Barbera in den Kies. Am Ende der Saison läuft der Vertrag von Rossi bei Ducati aus, zuletzt wurde sogar über ein vorzeitiges Ende der Verbindung diskutiert. „Ducati funktioniert nicht, und Rossi sinkt immer tiefer“, schrieb die Tageszeitung „La Repubblica“. Doch an einem zweifelt Rossi noch nicht - an den eigenen Fähigkeiten: „Natürlich wird es mit zunehmendem Alter nicht einfacher, aber nach einem schwierigen Jahr hast du noch nicht vergessen, wie du an der Spitze dranbleibst“, sagt er. „Meiner Meinung nach weiß ich immer noch, wie das geht.“

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