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Doppelpass als Wahlkampfthema : Unionspolitiker stellen sich gegen Merkels Position

  • Aktualisiert am

Angela Merkel während des CDU-Parteitages in Essen. Bild: Reuters

Es war ein doppeltes Nein der Kanzlerin: Sie wolle weder den Doppelpass abschaffen noch mit dieser Forderung Wahlkampf machen. Doch in der Union wollen viele das nicht hinnehmen. Etliche Politiker stellen sich gegen Merkel.

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          Nach dem CDU-Parteitagsbeschluss für eine Abkehr vom Doppelpass fordern Unionspolitiker, diese Position auch im Wahlkampf offensiv zu vertreten. Der schleswig-holsteinische CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit Blick auf den Beschluss: „Natürlich wird er im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen.“ Die Optionspflicht gehöre ins Wahlprogramm.

          Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sprach sich dafür aus. Er will das Nein von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Wiedereinführung der Optionspflicht für Zuwandererkinder nicht hinnehmen: „Wir können nicht mit Verweis auf den Koalitionsvertrag achselzuckend sagen: Wir bleiben jetzt halt dabei“, sagte er der Zeitung „Welt“.

          Merkel hatte gleich nach dem Essener Parteitag am Mittwoch angekündigt, in der ablaufenden Legislaturperiode bei der bisherigen Praxis zu bleiben, die in Deutschland geborenen Kinder von Zuwanderern neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch die ihrer Eltern lässt. Sie wolle auch keinen neuen Doppelpass-Wahlkampf, hatte Merkel gesagt.

          Die früher geltende Optionspflicht sah vor, dass sich in Deutschland geborene Zuwandererkinder bis zum 21. Geburtstag für eine von beiden Staatsbürgerschaften entscheiden mussten. Im Vertrag über die große Koalition war auf Druck der SPD vereinbart worden, diesen Entscheidungszwang abzuschaffen und dauerhaft beide Staatsbürgerschaften zu ermöglichen – was zum Dezember 2014 umgesetzt wurde.

          Scheuer hält diese Regelung für nicht mehr zeitgemäß: „Da hatten wir noch keine massenhafte Zuwanderung von Menschen, von denen viele wohl auch eine Bleibeperspektive haben. Wir hatten auch noch keine türkische Innenpolitik auf deutschem Boden.“ Er bezog sich damit auf Demonstrationen türkischstämmiger Bürger in Deutschland für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

          Das CDU-Vorstandsmitglied Stefan Heck (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Forderung an zentraler Stelle im Wahlprogramm 2017 auftaucht. Insbesondere die Erdogan-Demonstrationen in Köln mit türkischen Flaggen haben gezeigt, dass wir hier handeln müssen.“

          „Was Merkel gemacht hat, wird viele provozieren“

          In der CDU rührt sich deutliche Kritik an Merkels Distanzierung vom Parteitagsbeschluss. Er kenne „keinen Kreisvorsitzenden, der den Beschluss des eigenen Kreisparteitages anschließend als falsch bezeichnet“, sagte der Innenexperte Armin Schuster der „Rheinischen Post“. „Was Angela Merkel da gemacht hat, wird viele Delegierte provozieren.“

          Der Essener Anti-Doppelpass-Beschluss hat die Aussichten für eine schwarz-grüne Koalition im Bund nach Einschätzung von Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt getrübt. „Die Chancen für Schwarz-Grün sind sicher nicht gestiegen“, sagte sie der „Saarbrücker Zeitung“. Diese Option sei schon wegen der CSU schwierig. „Nun ist sie auch wegen der CDU mindestens genau so schwierig geworden.“ Aber: Entscheidend bleibe, was nach der Wahl im kommenden Herbst in welcher Konstellation rechnerisch und inhaltlich möglich sei, sagte Göring-Eckardt.

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