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Nie wieder Russisch : Die Sprache Z

  • -Aktualisiert am

Wolodymyr Rafejenko, aufgenommen 2018 in Berlin Bild: Amélie Losier/Agentur Focus

Ich habe die meisten meiner Bücher auf Russisch geschrieben, aber seit dem Februar 2022 ist Schluss damit. Die Sprache ist nun untrennbar mit den russischen Untaten in meinem Heimatland verbunden. Ein Gastbeitrag.

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          In der Stadt Donezk, im Osten der Ukraine, wo ich geboren und aufgewachsen bin, sprachen die meisten Menschen Russisch. Auch für mich war es die Muttersprache, weil meine Mutter und mein Vater in dieser Sprache mit mir redeten. In dieser Sprache las ich die ersten Bücher meines Lebens. In dieser Sprache wurden verschiedene Schulfächer unterrichtet, und in ihr entstanden die Gedichte und die Prosa, die ich die meiste Zeit meines Lebens schrieb. Zu­dem ist erwähnenswert, dass ich auch meinen ersten Studienabschluss als Philologe in „Russischer Sprache und Literatur“ erwarb. Vor allem das russische literarische Erbe machte mich zum Dichter und Schriftsteller.

          Natürlich las ich auch auf Ukrainisch. In der Schule lernte man Ukrainisch, aber der Unterricht über die ukrainische Literatur befand sich auf einem solch niedrigen Niveau, dass ich mich bis heute in der Erinnerung daran schäme, obwohl es nicht meine Schuld war, denn das so­wjetische Bildungssystem verringerte be­wusst die Qualität des Unterrichts und vereinfachte den Lehrstoff, um das Ukrainische als zweitrangig gegenüber dem russischsprachigen Inhalt hervorzuheben. Damals war ich noch ein Kind. Letztlich also kein Subjekt, sondern ein eher passiver Beobachter dessen, was mit mir und uns allen passierte.

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