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Kollaboration im Krieg : Wurden die ukrainischen Soldaten in Cherson verraten?

Warum wurde sie nicht schon im Februar gesprengt? Die Antoniwka-Brücke nach dem Beschuss am 20. Juli. Weitere Treffer haben den wichtigsten Nachschubweg der Russen in Cherson unpassierbar gemacht. Bild: Imago

Cherson fiel schon in den ersten Kriegstagen an die Russen. Ukrainische Soldaten in einem Waldstück wurden abgeschlachtet. Betroffene gehen davon aus, dass die Russen schon vorher von ihnen wussten. Eine Rekonstruktion.

          7 Min.

          Das vier Minuten und 13 Se­kunden lange Video beginnt harmlos: Man sieht eine nasse Straße und ein lichtes Wäldchen, der Boden ist mit einer ­dünnen Schneeschicht überzogen. Auf der Straße liegen große Äste. „Hier waren unsere“, sagt eine Männerstimme, „hier hat es gekracht.“ Die Kamera bewegt sich in das Wäldchen hinein. An einem Stamm lehnt eine Flasche. „Neben jedem Baum steht ein Molotowcocktail“, sagt eine Frau, die auf den Filmenden zugeht. Die Kamera macht einen weiten Schwenk durch das Wäldchen. Viele Bäume sind zersplittert, daneben liegen Gestalten, man erahnt leblose menschliche Körper. „Oj, oj, oj“, stöhnt der Mann. Er bewegt sich weiter durch das Wäldchen, filmt Leichname aus der Nähe. Manche wirken vollständig, einem fehlt der Kopf, einem anderen fast der ganze Oberkörper. Die Kamera richtet sich auf den laubbedeckten Boden. „Hier liegen Körperteile“, sagt die Männerstimme aus dem Off.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Die Aufnahmen sind ab dem 2. März in ukrainischen und russischen Telegram-Kanälen verbreitet worden. Die toten Männer, die darauf zu sehen sind, gehörten zur ukrainischen Territorialverteidigung in Cherson. Wie sie zu Tode gekommen sind, beschreiben alle Seiten übereinstimmend: Am Morgen des 1. März rückten russische Truppen in die Großstadt im Süden der Ukraine ein. Eine Gruppe der Territorialverteidigung hatte sich in der als Fliederpark bezeichneten Baumgruppe am Stadtrand versteckt. Einige der Männer hatten Gewehre, die meisten waren nur mit Molotowcocktails bewaffnet.

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