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Ukraine-Konflikt : Krieg im Osten, Fußball im Westen

Einstweilen in Lemberg: Oligarch Rinat Achmetow und sein Klub Schachtjor Bild: picture-alliance/ dpa

Schachtjor Donezk zieht nach Lemberg. Dnjepr Dnjepropetrowsk tritt in Kiew an. Und der eingebürgerte Profi Edmar fürchtet, er werde in die Armee eingezogen.

          Es sind ungefähr 1200 Kilometer von Donezk nach Lemberg. In etwa soweit, wie es von München in die Hauptstadt Galiziens ist. So viel zur Dimension des Umzugs, zu dem der in jüngster Vergangenheit erfolgreichste Fußball-Klub der Ukraine durch den Krieg im Osten des Landes nun gezwungen wird. Schachtjor Donezk, der letzte Uefa-Pokal-Sieger im Jahre 2009, spielt bis auf weiteres im friedlichen Westen der Ukraine.

          Am Mittwochabend hat der Klub des Oligarchen Rinat Achmetow in der Arena Lwiw, in der die deutsche Nationalmannschaft 2012 bei der Europameisterschaft zweimal spielte, den ukrainischen Supercup gewonnen: 2:0 gegen Dynamo Kiew. Am Sonntag folgt das erste „Heimspiel“ am ersten Spieltag der „Premjer-Liga“ gegen Metalurg Saporischja. Trainieren, sagte der rumänische Schachtjor-Trainer Mircea Lucescu am Dienstag, wolle man im Übrigen aber nicht in Lemberg, sondern in der Hauptstadt Kiew, gewissermaßen auf halbem Wege zwischen Donezk und den Karpaten.

          Und trotzdem: Wer oberflächlich auf den Spielplan schaut, könnte glauben, es sei ein weiterer, ganz normaler Saisonstart der ersten ukrainischen Fußball-Liga an diesem Wochenende, der 24. seit der Unabhängigkeit des Landes. Als tobe kein Krieg zwischen der ukrainischen Armee und pro-russischen Separatisten rund um Donezk. Im Osten wird geschossen, im Rest des Landes wird gekickt. Natürlich ist der Spielbetrieb für die ukrainische Regierung auch Gelegenheit zu zeigen, dass sie ein handlungsfähiges Land vertritt.

          Rinat Achmetow und Schachtjor Donezk: der letzte Uefa-Pokal-Sieger spielt bis auf weiteres im friedlichen Westen

          Dabei müssen neben Schachtjor auch die beiden anderen Erstligaklubs aus Donezk, Metalurg und Olimpik, umziehen, ebenso wie Sorja Lugansk. Und die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat verfügt, dass Dnipro Dnjepropetrowsk sein Heimspiel in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Kopenhagen in Kiew austragen muss.

          Noch in der vergangenen Woche hatte der europäische Verband Dnipropetrowsk als sicheren Spielort deklariert, aber nach dem Abschuss der Boeing 777 der Malaysia Airlines über der Ostukraine hatten die Dänen darauf hingewiesen, dass eine Reise an den Dnjepr schon deshalb ausgeschlossen sei, weil es keine Flugverbindungen mehr gebe und die Reise darüber hinaus nicht zu versichern sei.

          Und in den vergangenen Tagen mehrt sich die Zahl der bei ukrainischen Klubs beschäftigten ausländischen Profis, die mit Blick auf die politische Lage lieber nicht mehr ins Land zurückkehren wollen. Vier Profis von Metalist Charkiw wollen nicht zurück, unter ihnen der frühere Bayern-Spieler José Sosa. Mitspieler Edmar, von Geburt Brasilianer, aber inzwischen ukrainischer Staatsangehöriger und Nationalspieler, fürchtete zwischenzeitlich nach der Teilmobilmachung der ukrainischen Armee den Marschbefehl an die Front, hat aber inzwischen Zusagen, er werde nicht eingezogen.

          Seine Waffen sind Kopf und Fuß: Edmar fürchtet, in die Armee einberufen zu werden

          Und Douglas Costa, Brasilianer in Diensten von Schachtjor, schrieb in seinem Instagram-Account: „Ich lasse den Verein nicht im Stich. Ich habe Angst.“ Er war mit vier weiteren Spielern nach einem Testspiel gegen Olympique Lyon in der Schweiz geblieben. Klubinhaber Achmetow hat bereits angekündigt, nach dem Umzug in den Westen des Landes auf eine schnelle Rückkehr seines Personals zu drängen.

          Keine Spiele zwischen ukrainischen und russischen Mannschaften

          Bereits vergangene Woche verfügte die Uefa in einer Dringlichkeitssitzung, dass in ihren Wettbewerben Partien zwischen ukrainischen und russischen Mannschaften bis auf weiteres ausgeschlossen sind. 24 Jahre nach Zusammenbruch der Sowjetunion bleiben diese Kriseninterventionen ein fragwürdiges Privileg der post-sowjetischen Fußballverbände: Solche Regelungen verhindern bereits Spiele armenischer und aserbaidschanischer Vertreter und Partien zwischen russischen und georgischen Mannschaften. Das ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil Russland der Ausrichter der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist.

          Auch in Deutschland forderten Politiker wie Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und die beiden Grünen Marieluise Beck und Volker Beck bereits einen Boykott oder eine Verlegung der Weltmeisterschaft. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hält eine Diskussion „vier Jahre vor der WM für falsch“. Bereits 2017 soll allerdings die deutsche Nationalmannschaft zum Confederations Cup in Russland antreten.

          In welcher Liga spielen die Klubs von der Krim?

          Witali Mutko, in Personalunion russischer Sportminister, Mitglied der Exekutive des Internationalen Fußballverbandes Fifa und WM-Organisationschef, kann wenig überraschend „keinen Zusammenhang“ zwischen der WM und dem Krieg im Osten des Nachbarlandes feststellen. Der russische Staatskonzern Gasprom, dessen Gaslieferungen immer wieder Gegenstand politischer Drohungen aus Moskau in Richtung Kiew sind, ist ab dem kommenden Jahr nicht nur Sponsor von Schalke 04 und der Uefa, sondern auch Geldgeber der Fifa.

          Und nach wie vor bleibt offen, in welcher Liga künftig die Klubs spielen, die auf der von Russland annektierten Krim daheim sind. PFK Sewastopol, in der abgelaufenen Saison Neunter der ukrainischen „Premjer Liga“, taucht auf dem Spieltag für das kommende Wochenende nicht mehr auf. Bislang hat die Fifa verhindert, dass der russische Verband die Klubs von der Krim aufnimmt.

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