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TV-Kritik: „Maischberger“ : Gebremster Aufklärungswille

  • -Aktualisiert am

Das Fegefeuer kennt keine Intervallschaltung

Bischof Ackermann verteidigt die Restriktionen des Forschungsauftrags. Sie dienten dem Datenschutz und dem Schutz von Persönlichkeitsrechten der kirchlichen Mitarbeiter. Die Ausflucht, dass Staatsanwaltschaften sich nicht die Mühe machten, alle Akten seit 1945 durchzusehen, verfehlt einen entscheidenden Aspekt. Warum sollen Staatsanwälte Vorwürfen nachgehen, die strafrechtlich verjährt sind? Das Interesse an dienstlich durch Seelsorger begangenen Sünden kennt kirchlich keine Verjährungsfrist. Das Fegefeuer hat keine Intervallschaltung. Die amerikanischen Diözesen sind zupackender und gewähren den Strafverfolgern umfassende Akteneinsicht, wie Katsch mitteilt. Zu recht kritisiert er Ackermanns Versuch, sich auf den Schutz der Betroffenen zu berufen. Das sei übergriffig.

Christiane Florin hält fest, niemand habe sich schuldig bekannt. Vorwürfe bleiben diffus. Kirchenrechtliche Ahndungen seien Versetzungen an andere Dienststellen, schlimmstenfalls das Verbot, die Eucharistie zu feiern und die Entfernung aus dem Klerus.

Grenzen des Kirchenrechts

Das Kirchenrecht ist für die Ahndung von Missbrauchsvorwürfen ungeeignet. Eine Reform, mit der die Kirche Kleriker der weltlichen Strafgerichtsbarkeit überantwortet, ist nicht in Sicht. Ob die deutschen Diözesen ihre eigene Leitlinie befolgen und alle bekannt werdenden Missbrauchsvorwürfe zur Anzeige bringen, bezweifelt Matthias Katsch. Er hält es für sinnvoller, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzurichten, vor dem auch die Kirchen umfassend Rechenschaft ablegen müssen. Er kritisiert den Vorbehalt Bischof Ackermanns, Missbrauchsfälle aus Rücksicht auf Opfer nicht zur Anzeige zu bringen, das diene bloß dem Schutz der Täter. Frau Mönius bringt die Rhetorik des Bischofs auf die Palme. Wo bleibe das Herz, wo die Betroffenheit, die Kirche mache ihre wunderschöne Religion kaputt.

Perestroika im Vatikan

Frau Florin lenkt den Blick auf das Erzbistum München und Freising. Dort werden Ergebnisse einer Studie unter Verschluss gehalten, die womöglich den emeritierten Papst Benedikt betreffen. Sein Nachfolger Franziskus plädiert für null Toleranz, aber auch aus seiner Amtszeit als argentinischer Primas gibt es Vorwürfe, dass er Missbrauchsvorwürfen nicht nachgegangen sei. Der Heilige Vater erinnert Frau Florin an Michail Gorbatschow, der mit seiner Perestroika nicht weit gekommen sei.

Zum Schluss landet die Debatte bei spekulativer Psychologie. Ermöglicht die katholische Kirche durch ihre Sexualmoral und das priesterliche Eheverbot eine negative Elitenauswahl, zu der sich Männer mit unterdrückter Sexualität hingezogen fühlen? Leistet sie dadurch Vorschub für sexuellen Missbrauch? Dann wäre sie eine kriminelle Vereinigung. So weit will auch Frau Florin nicht gehen.

Bischof Ackermann windet sich vor einer klaren Aussage. Wer seine Sexualität unterdrücke, dürfe nicht zum Priester geweiht werden. Welcher Diagnostik bedient er sich? Für Matthias Katsch ergeben das Beichtgeheimnis, dunkler Machtwillen und unterdrückte Sexualität eine toxische Mischung. Gegen fortgesetzten Missbrauch unter dem Dach der Kirche setzt er auf bessere Gesetze. Die kirchliche Gerichtsbarkeit solle auch Laien beteiligen. Missbrauchsopfer solle die Kirche finanziell großzügig entschädigen aus Einsicht, dass der erlittene Schaden seelisch nicht wiedergutzumachen sei.

Damit geht eine Diskussion zu Ende, die wie eine Achterbahn rauf und runter jagte, im düsteren Tunnel auch lüsterne Blicke auf Einzelheiten warf, die keiner wissen will, ihren Ausgang aber nahm von einer Studie, an deren Ergebnissen ihre Verfasser selber Zweifel anmelden. Es wäre sinnvoll gewesen, Christian Pfeiffer und ein Mitglied der Forschergruppe einzuladen.

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