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Trauermarsch in Paris : Mit hoch erhobenem Haupt

Untergehakt: Nach den Anschlägen versammelten sich am Sonntag Hunderttausende zu einem Trauermarsch in Paris – unter ihnen Israels Ministerpräsident Netanjahu, Malis Präsident Keita, Frankreichs Präsident Hollande, Bundeskanzlerin Merkel, EU-Ratspräsident Tusk, Palästinenserpräsident Abbas und die jordanische Königin Rania. Bild: dpa

Hunderttausende Demonstranten haben in Paris ein Zeichen der Unerschütterlichkeit gesetzt: Frankreich lässt sich nicht den Schneid abkaufen. Und Europa steht im Angesicht des Terrors zusammen.

          Es war ein Trauerzug, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Hunderttausende Franzosen, vielleicht eine Million oder noch viel mehr marschierten vom Platz der Republik zum Platz der Nation, vereint im Gedenken an die von islamistischen Terroristen Ermordeten der vergangenen Tage. Sie trauerten um Polizisten, Kunden eines jüdischen Geschäfts und um die Journalisten der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, die einer islamistisch inspirierten Mord- und Rachelust dreier Männer zum Opfer fielen. Aber bei allem Entsetzen über die schrecklichen Ereignisse setzen die Versammelten auch ein Zeichen der Unerschütterlichkeit: Frankreich lässt sich nicht den Schneid abkaufen, wird sich nicht seine republikanische Freiheitsliebe nehmen lassen von Extremisten, die – ausgestattet mit einer fundamentalistisch-totalitären Ideologie – glauben, eine göttliche Lizenz zum Morden zu besitzen.

          Am Sonntag war Frankreich nicht allein. Die vielen hohen Regierungsvertreter aus Europa und von anderen Kontinenten setzten ebenfalls ein Zeichen: des Mitgefühls, der Solidarität und der unerschütterlichen Partnerschaft. Es ist gut, dass dies so ist. Kein Land, das von Terroristen ins Visier genommen wird, darf allein gelassen werden (oder gar noch mit Vorwürfen belegt werden nach dem Motto: selber schuld). Für uns Europäer muss dieses öffentliche Zusammenstehen selbstverständlich sein. Es muss Konsequenzen haben, die sich in einer verstärkten gemeinsamen Gefahrenabwehr niederschlagen und in dem gehärteten Willen, vor dem islamistischen Extremismus und Terrorismus nicht in die Knie zu gehen. Auch in diesem Sinne war es gut, dass Merkel (und Mitglieder ihres Kabinetts), Cameron und viele andere Regierungschefs, Staatsoberhäupter und Minister nach Paris kamen.

          In der Stunde der Bewährung und der Rückbesinnung auf den Kern unserer politisch-gesellschaftlichen Verfasstheit stehen wir zusammen. Diese Gemeinsamkeit darf nicht schwinden, wenn das Gefühl der Bedrohung nachlässt oder der politische Alltag wieder zurückkehrt. Auch nach der weltpolitischen Zäsur des „11. September“ waren große Allianzen geschmiedet worden und ein globaler Geist der Zusammenarbeit beschworen worden. Lange gehalten hatte das nicht. Der „7. Januar“ sollte wenigstens uns Europäer eine Mahnung sein, dass die Sicherheit der Bürger verteidigt werden muss – so wie das republikanische Gemeinwesen verteidigt werden muss.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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