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Tote Frühchen : Frühe Keime, große Fehler

  • -Aktualisiert am

Seit August sind drei Frühchen durch einen Keim auf der Frühchenstation des Klinikums Bremen Mitte gestorben Bild: dpa

Der Chefarzt und Hygienebeauftragte des Bremer Klinikum-Mitte ist entlassen worden. Er trug ist im Fall der gestorbenen Frühchen verantwortlich gewesen und hat im Vorfeld falsch reagiert.

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          Der Chefarzt der Kinderklinik im Bremer Klinikum-Mitte, in der drei Frühchen an einem Infekt mit resistenten Darmkeimen starben, ist entlassen worden. Der Klinikverbund Nord teilte mit, der Mediziner sei auch für die Hygiene verantwortlich gewesen, habe es aber versäumt, die Keime rechtzeitig eindämmen zu lassen. Zu den tödlichen Infektionen mit dem Keim, dessen Herkunft noch nicht geklärt ist, kam es zwischen Anfang August und Ende Oktober. Die Intensivstation wurde dann geschlossen und desinfiziert, 15 Frühchen kamen in eine benachbarte Kinderklinik. Forscher des Robert-Koch-Instituts in Berlin untersuchen die Quelle der Verkeimung - Geräte, medizinisches Personal, Nährlösungen; ihr Bericht wird nicht vor Monatsende vorliegen.

          Dem entlassenen Chefarzt wird vor allem vorgeworfen, dass er nichts unternommen habe, als die Keime schon im April zum ersten Mal auftraten. Im Juli starben auf der Station sieben Frühchen - so viele wie sonst in einem Jahr. Das hat nach Angaben des Klinikverbunds aber nichts mit den Keimen zu tun. Spätestens Anfang Juni hätte das Gesundheitsamt über die Keime informiert werden müssen. Das geschah jedoch erst im September. Der Klinikverbund gestand ein, dass schlimme Fehler gemacht worden seien. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nannte die Verletzung der Meldepflicht „inakzeptabel“. Hygieneregeln seien „offensichtlich“ nicht ausreichend beachtet worden. Es rechne sich nicht, so Bahr, wenn man Investitionen in Hygiene vernachlässige.

          Harsche Töne zwischen dem ermittelnden Staatsanwalt und dem Gesundheitssenat

          Der Bremer Senat hat den Staatsrat (Staatssekretär) im Justizsenat Matthias Stauch mit einer Untersuchung der tödlichen Infektion, vor allem der Kommunikationswege, beauftragt. Der Senat habe, so Senatspräsident Böhrnsen (SPD), Interesse an einer schnellen Aufklärung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung - neben den drei gestorbenen Frühchen wurden 25 frühgeborene Kinder infiziert, einige von ihnen erkrankten schwer. Die Staatsanwälte wollen alle Todesfälle auf der Station seit Jahresbeginn untersuchen. Zwischen dem ermittelnden Staatsanwalt und dem Gesundheitssenat gab es zeitweilig harsche Töne, als die Vorsitzende des Vereins Bremischer Richter und Staatsanwälte, Karin Goldmann, den „Versuch einer Einflussnahme auf die Ermittlungen“ nicht ausschließen wollte.

          Die Bürgerschaft will am Freitag in einer Sondersitzung auf Antrag der CDU-Fraktion einen Untersuchungsausschuss einrichten. SPD und Grüne wollen den Antrag unterstützen, das aber nicht als Misstrauensvotum für die Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) verstanden wissen, die erst spät von dem ihr zugeordneten Gesundheitsamt informiert worden sei.

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