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Prinzenhochzeit : „Ich hoffe, wir haben ihren Geschmack getroffen“

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Saß während der Trauung direkt hinter der königlichen Familie: Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg Bild: Marcus Kaufhold

Nach der Trauung gab es bei der Königin köstliche Häppchen, aber keinen Pimm's: Hochzeitsgast Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, der Großneffe der Queen, erzählt, was die Fernsehkameras nicht filmten.

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          Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, wie begann für Sie der große Tag?

          Ganz entspannt. Wir haben uns ins Taxi gesetzt und sind ganz früh in der Westminster Abbey gewesen. Die Stadt war erstaunlich leer, zumindest die Straßen, auf denen wir gefahren sind.

          Dann gab es aber bestimmt strenge Sicherheitsvorkehrungen?

          Es gab schon Schleusen und einen Metalldetektor. Und es war auch ein bisschen wie am Flughafen. Wir wurden kontrolliert, nachdem wir unsere Zulassungskarte vorgezeigt hatten. Die Karten hatten unterschiedliche Farben, je nachdem, wo man saß. Unsere Karte war orange. Aber weil wir so früh da waren, ging das alles ganz schnell.

          Saßen Sie mit der Königsfamilie zusammen hinter der Chorschranke und damit nahe am Altar?

          Ja. Wir hatten ganz wunderbare Plätze. Meine Frau und ich saßen direkt hinter der königlichen Familie - vielleicht neun Meter vom Altar entfernt. William und sein Trauzeuge Harry waren ja auch schon früh in der Kirche und sind zweimal direkt an uns vorbeigelaufen in die Sakristei.

          Der Bräutigam wirkte nicht übermäßig aufgeregt. Hatten Sie Gelegenheit, mit William vor der Hochzeit kurz zu sprechen?

          Nein. Wir sind ja erst einen Tag vor der Hochzeit angereist, und am Vorabend gab es zwar ein großes Bankett von der Königin im Mandarin Oriental Hotel, aber ohne das Brautpaar. Das Essen war aber eine tolle Gelegenheit, nicht nur alte Bekannte, sondern auch Royals von außerhalb Europas zu treffen. Ich habe zum Beispiel mit einer der Frauen des Königs von Swasiland geredet und auch mit einem Mitglied aus dem malaiischen Königshaus. Das sind ja Leute, die man sonst nicht trifft. Und meine Frau unterhielt sich zum Beispiel mit dem König von Lesotho.

          Wenn Sie so eine gute Sicht in der Kirche hatten, haben Sie das Eheversprechen bestimmt genau mitbekommen.

          Jawohl. Wir konnten den beiden genau in die Gesichter sehen.

          Sie sprachen allerdings ein bisschen leise.

          Das stimmt, ich habe sie auch kaum verstanden. Aber wir hatten ja den Text in der Hand und wussten, was sie sagten.

          Danach ging's mit der Kutsche zum Buckingham Palace. . .

          Für uns nicht, es war kein Platz in der Kutsche. Wir fuhren mit dem Bus. . .

          Zum Empfang der Königin. Was gab es zu trinken und zu essen?

          Köstliche Häppchen. Kleine Kanapees mit zum Beispiel Lachs und Fleisch und Gemüse. Dazu verschiedene Getränke. Ich hatte mich auf einen Pimm's gefreut, das ist ein typisches Sommergetränk hier in England, das aus Gin, Chinin und Gewürzen besteht. Ich fragte also einen der Kellner danach, und er antwortete: „We drink Pimm's next month in Ascot, Sir.“ Das war schon sehr britisch.

          Sicherlich haben Sie dem Paar gratuliert. Mussten sich die Gäste dafür in einer Schlange aufstellen?

          Nein. William und Kate wurden durch die Schar geleitet und sprachen dann mit den Gästen. Eine Schlange wäre ja auch viel zu steif.

          Was haben Sie den beiden gesagt?

          Wir haben ihnen gratuliert und über die schöne Hochzeit gesprochen. Zudem blieb Zeit für einige persönliche Worte.

          Und was haben Sie geschenkt?

          Wie vom Brautpaar gewünscht, haben wir Geld für seine wohltätigen Projekte gespendet. Und wir haben ihnen etwas aus der Heimat mitgebracht, etwas Persönliches. Ich hoffe, wir haben ihren Geschmack getroffen.

          Ihr Kontakt zur Königin und ihrem Mann, Prinz Philip, ist ja sehr familiär und eng. Blieb Zeit, um mit den beiden zu sprechen?

          Obwohl die beiden sehr eingespannt waren - zunächst wurden ja noch die offiziellen Familienbilder mit dem Brautpaar gemacht, die königliche Familie kam darum auch etwas später zum Empfang -, haben sie sich die Zeit genommen und mit uns gesprochen. Bei 600 Gästen ist das beeindruckend.

          Und mit den glücklichen Eltern von Braut und Bräutigam konnten Sie auch sprechen?

          Nein, die hatten wirklich keine Zeit.

          Am Ende ist das junge Ehepaar mit Charles' blauem Aston Martin mit Ballons in Herzform davongefahren.

          Ja. Wohin sind die eigentlich gefahren?

          Über die Mall vom Buckingham Palace zu Clarence House, wo William ja im Moment noch wohnt. William steuerte auch selbst - mit offenem Verdeck, sehr zur Freude der vielen noch wartenden Schaulustigen. Das war eine sehr schöne und volksnahe Geste - aber nicht sehr königlich, oder?

          Ich fand das toll. Die beiden sind hinten im Garten losgefahren, vorher wurden sie von uns noch mit Reis beworfen. Bei den Eltern von William war das damals noch anders: Die fuhren mit einer Kutsche, und es gab Rosen-Konfetti. Für mich war die Abfahrt von Kate und William noch einmal ein sehr schöner persönlicher Moment, weil alle Gäste dabei waren. Und genau dann flog auch noch der Rettungshubschrauber über dem Palast eine Ehrenrunde für William, der ja selbst Pilot eines solchen Hubschraubers ist.

          Bald feiert Prinz Philip seinen 90. Geburtstag, der Bruder Ihrer Großmutter. Sind Sie im Juni wieder zu Gast im Palast?

          Nein. Für Prinz Philip wird es nur am Vorabend ein Essen im kleinen Familienkreis geben. Am Tag selbst, dem 11. Juni, wird der 85. Geburtstag der Königin groß gefeiert. Die Militärparade „Trooping the Colour“ findet ja traditionell am zweiten Samstag im Juni statt, und der fällt in diesem Jahr auf Philips Geburtstag.

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