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Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg : Der Hochzeitsgast von der Jagst

Fürst zu Hohenlohe-Langenburg lebt mit seiner Familie in einem der schönsten Schlösser Süddeutschlands, das von Touristenführern vor allem wegen seines Renaissance-Innenhofs gepriesen wird, in dem an diesem Tag nur drei einsame Bobby-Cars stehen. Seine Frau Saskia ist die erste Bürgerliche, die namentlich in dem bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichenden Familienstammbaum erscheint. Die beiden haben drei Kinder, die Söhne Max und Gustav und seit fünf Monaten auch eine kleine Prinzessin: Marita. Der Fürst, wie er sich selbst nicht ungern nennen lässt, hat ein großes Erbe angetreten, das seit 1764 tatsächlich fürstlich ist. Sein Fünf-Personen-Haushalt ist von fünf Hektar Mauern und 476 Fenstern umgeben, darüber befinden sich vier Hektar Dach – und das ist in tadellosem Zustand.

Dass er dieses Erbe antreten konnte, hat er dem Mut seines Vaters zu verdanken. Kraft Prinz zu Hohenlohe-Langenburg erlebte sein „annus horribilis“ in einer eiskalten Winternacht im Jahr 1963. Ein Funkenflug aus einem der 54 Kamine des Schlosses führte zu einem flammenden Inferno, wie es auch seine angeheiratete Tante, Königin Elisabeth II., im November 1992 auf Windsor Castle erleben musste. Das Feuer auf Schloss Langenburg vor fast 50 Jahren vernichtete vor allem den Ostflügel der fürstlichen Residenz und mit ihm die Wohnungen des Schlossherrn und von dessen Mutter Margarita, Prinzessin von Griechenland und Dänemark, die 1931 Gottfried Prinz zu Hohenlohe-Langenburg geheiratet hatte.

„Jor mädschästie, jor roil hainess“

„Sie verlor damals alles“, erzählt ihr Enkel Philipp. „Die wenigen Kindheitserinnerungen, die sie aus Griechenland nach dem Militärputsch retten und mit ins Exil nehmen konnte, Fotos, Kleider, Gemälde, Schmuck: Alles ging in Flammen auf.“ Der Schlossherr blättert in einem Fotoalbum und zeigt die Verheerungen. Der Brand sei kaum zu löschen gewesen. Die Nacht des 23. Januar 1963 war bitterkalt. Bei Temperaturen von minus 20 Grad konnte die Feuerwehr der kleinen Stadt Langenburg nur wenig ausrichten. Es habe Stunden gedauert, bis endlich Hilfe aus Stuttgart eintraf. Und dann musste erst die zugefrorene Jagst im Tal aufgesägt werden, um an genügend Löschwasser zu kommen. So konnte sich das Feuer fast ungehindert ausbreiten und große Teile der Residenz zerstören. Für den jungen Schlossherrn war es eine Katastrophe. Mit Mitte 20 hatte er 1960 die Nachfolge seines früh verstorbenen Vaters angetreten. Nun stand er mit 27 Jahren vor den Trümmern seines einst so prachtvollen Erbes.

Doch er begann umgehend mit dem Wiederaufbau, den er teuer bezahlte. Unter anderem musste die Familie Schloss Weikersheim an das Land Baden-Württemberg verkaufen, um an genügend Geld für die Restaurierung zu kommen. Zwei Jahre später aber konnte Kraft Prinz zu Hohenlohe-Langenburg stolz seine Tante auf dem äußerlich fast wieder im alten Zustand hergerichteten Schloss begrüßen. Königin Elisabeth II. kam 1965 auf Staatsbesuch nach Deutschland und ließ es sich nicht nehmen, auch bei der deutschen Verwandtschaft in Langenburg vorbeizuschauen. Dabei hielt der damalige Bürgermeister eine Begrüßungsrede mit so starkem deutschen Akzent, dass selbst die Monarchin sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte: „Jor mädschästie, jor roil hainess, se sididisens of Langeburg ar wäry gräidvull of se wisids.“ Als Gastgeschenk gab’s für Ihre Majestät eine Langenburger Spezialität, an der sich angeblich auch schon Königin Viktoria erfreut hatte: „Wibele“, ein Biskuitgebäck, geformt aus zwei zusammenhängenden Teigtropfen. Es blieb bei diesem einen Besuch der Königin. Ihr Mann aber, Prinz Philip, war noch mehrere Male bei seiner älteren Schwester und ihren Kindern und Enkeln.

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